Ein Aufreger auf jeder Seite

Rolf Rombach

Von Rolf Rombach

Mo, 30. September 2019

Ringen

Bundesligaringer des TuS Adelhausen gewinnen Auftaktderby gegen RG Hausen-Zell / TuS-Reserve verliert Siege am Grünen Tisch.

ADELHAUSEN. Es war der erwartbare Ausgang im Bundesliga-Derby: Der TuS Adelhausen besiegte zum Saisonstart die Ringerstaffel der RG Hausen-Zell mit 20:7. An Aufregern mangelte es vor über 500 Zuschauern dennoch nicht.

Als die Pause im Derby näher rückte, hätte der TuS das fünfte Mattenduell angesichts einer 11:1-Führung entspannt verfolgen können. Dass sich für die Gäste ein Punktsieg im Greco bis 66 Kilogramm anbahnte, schien verkraftbar. Mit 2:0 vorne, hatte RG-Neuzugang Leon Gerstenberger gegen TuS-Neuling Manrikos Theodoridis seine Bewährungsprobe nach fünf Minuten beinahe geschafft, als ihn der Grieche bei einem Beinangriff konterte. Kampfrichter Meik Stahl (Urloffen) wertete dies mit einer Vier für Gerstenberger und zwei Punkten für Theodoridis.

Dies wiederum brachte den Adelhauser Trainer Florian Philipp derart in Rage, dass er nach der Gelben Karte weiter mit dem Mattenleiter über die Wertung diskutierte. Die logische Konsequenz: Gelb-Rot gegen Philipp, verbunden mit dem Hallenverweis. Doch weil gemäß der neuen Richtlinien ein Lizenztrainer am Mattenrand sitzen muss, nahm nach der Pause TuS-Jugendtrainer Axel Asal den Platz neben Bernd Reichenbach ein, da dieser nicht im Besitz der nötigen gültigen Lizenz ist. Da geriet das Ergebnis des Kampfes, den Gerstenberger bei 8:8 dank der höheren Wertung für sich entschied, fast schon in den Hintergrund.

Der zweite Aufreger folgte zum Abschluss des Derbys, das bei der 16:7-Führung für die Gastgeber längst entschieden war. Im Greco bis 75 Kilogramm verletzte sich Simon Günter (RG) nach einem Ausheber von Sascha Kellers in der Bodenlage so schwer, dass er aufgeben und vom Rettungsdienst behandelt werden musste. Während RG-Coach Florian Hassler mit der Mannschaftsleistung zufrieden war, äußerte er sein Unverständnis über die Reaktion der TuS-Ecke nach der Verletzung Günters: "Da liegt einer und hat Schmerzen, und daneben wird mit dem Kampfrichter über die Wertung diskutiert", sagte Hassler, "das finde ich respektlos dem Sportler gegenüber." Mit dem zweiten Verletzungsausfall in wenigen Wochen heißt es für ihn und Trainerkollege Adrian Recorean, die Planungen für die weiteren Kämpfe zu überdenken. Das gilt auch für den TuS ob der Ausfälle von Manuel Wolfer und Pascal Ruh.

Sportlich bot Hausen-Zell im Derby eine bundesliga-taugliche Formation auf, musste aber noch auf Neuzugang Razvan Marian Kovacs wegen dessen Teilnahme an der U-23-Europameisterschaft verzichten. Ernsthaft in Gefahr geriet der TuS-Erfolg allerdings zu keinem Zeitpunkt. Im achten von zehn Kämpfen besiegelte Georg Harth (80 F) mit seinem 5:1-Punktsieg gegen Arkadiusz Böhm den Adelhauser Derbytriumph (16:5).

RG-Eigengewächs Hassler besiegt WM-Starter Öhler

An Unterhaltung mangelte es aber nicht, beispielsweise dank des spannenden Duells zweier Kader-Athleten im Greco-Schwergewicht. RG-Ringer Oliver Hassler nutzte in der fünften Minute eine Unachtsamkeit von WM-Starter Peter Öhler für einen Takedown und gewann mit 3:1. Doch schon das darauf folgende Duell im 61er Greco entschied der TuS klar für sich: Der bulgarische Publikumsliebling Ivo Angelov schulterte den Rumänen Virgil Munteanu, und so zog der TuS sukzessive davon.

Souverän begann RG-Neuzugang Alexandru Solomon (71 G), der Zsolt Berki zwei Mal aus der Bodenlage abhob und spektakulär im Flug drehte, wodurch er mit 13:0 in die Pause ging. Anschließend ging bei Solomon allerdings nichts mehr und Berki verkürzte auf 2:13. "Zsolt hat heute wieder sein Kämpferherz bewiesen", lobte Reichenbach. Gut verkaufen konnte sich Stephan Brunner (75 F) gegen Ivan Guidea. Mit seiner Gelenkigkeit und Schnelligkeit vermied Brunner so manche Wertung gegen den EM-Dritten von 2018 und unterlag lediglich 1:5.

Die Aufstellung von Berki, Brunner und Theodoridis gegen Hausen-Zell hat unterdessen Auswirkungen auf die Reserve. Laut Regionalliga-Reglement hätte das Trio an den ersten beiden Bundesliga-Kampftagen nicht eingesetzt werden dürfen, weil die Saison der zweiten Mannschaft früher begonnen hatte. So werden die Ergebnisse der bisherigen Kampftage mit 0:4 für die gegnerischen Ringer gewertet. Dadurch verliert die TuS-Reserve die beiden Siege gegen die KG Baienfurt-Ravensburg-Vogt (14:21 statt 18:17) und den KSV Rheinfelden (9:27 statt 19:15)

Nach der Wertungskorrektur und der 6:24-Niederlage gegen den KSV Schriesheim rangiert der TuS II nun punktlos am Tabellenende. Gegen Schriesheim punkteten lediglich Paul Schmidt, Denis Horvath und Reinier Perez. Letzterer brachte Rahmatullah Moradi die erste Niederlage seit 20 Kämpfen bei, wenngleich der Afghane nur wegen der höheren Wertung des TuS-Ringers das Nachsehen hatte.