Nerven aus Stahl

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 16. September 2019

Ringen

Ringer-Regionalligist WKG Weitenau-Wieslet dreht Kampf gegen KSV Hofstetten in den letzten beiden Duellen und gewinnt 14:13.

STEINEN (zok). Im Ringen kommt dem Weltergewicht eine Sonderrolle zu. Bis 75 Kilogramm ist die derzeit einzig doppelt besetzte Klasse im Mannschaftsringen. Zugleich sind es die beiden letzten Kämpfe und somit jene, in denen rechnerisch meist die Entscheidung fällt. "Da brauchst du Nerven aus Stahl", sagte Kai Vögtlin, Coach der WKG Weitenau-Wieslet. Er durfte sich glücklich schätzen, dass seine Weltergewichtler diese stählernen Nerven gegen den KSV Hofstetten hatten: Dank der Siege in den 75er Klassen gewann der Regionalligist mit 14:13.

Vor dem Weltergewicht war die WKG noch 8:13 zurückgelegen. Um die Chance auf einen Punktgewinn zu wahren, war zunächst Dennis Kronenberger gefordert. Das WKG-Eigengewächs, Jahrgang 1999, hat sich vom Nachwuchsringer zu einem Faktor in der Weitenauer Zehn entwickelt, in der Vorsaison näherte sich der Freistiler erstmals einer ausgeglichenen Bilanz (7:10). Gegen Hofstetten lag er gegen Florian Wölfle nach drei Minuten 0:2 zurück, "doch er ist im Kopf cool geblieben", sagte Vögtlin. Einerseits stand Kronenberger unter Zugzwang, mindestens einen Teamzähler musste er holen. Doch resultiert aus diesem Druck auch ein Vorteil: "Wenn er selbst angreift, kann der Gegner nicht angreifen", erklärte Vögtlin, der in der Pause mit seinem Trainerkollegen David Muller ein Schritt-für-Schritt-System vorgab: "Du machst deine Angriffe und machst Punkte. Dann ringst du weiter, und machst weiter deine Punkte", hätten sie Kronenberger gesagt.

WKG-Youngster Kronenberger bestätigt positive Entwicklung

Was banal klingt, ist auf der Matte gar nicht so einfach umzusetzen. Zumal es noch einen Gegner gibt. Kronenberger aber setzte die Vorgabe um, Wölfle wehrte nur noch ab, der WKG-Ringer glich aus. "Die Fans standen alle und gingen ab. Das trägt dich noch ein wenig mehr", sagte Vögtlin und verwies auf die Atmosphäre in der Steinener Wiesentalhalle. Mit Qualität, Coolness und der Fan-Euphorie im Rücken drehte Kronenberger den Kampf und gewann 6:2. Der Youngster setze die Trainingsinhalte immer besser um, lobte Vögtlin, konkret, "dass er selbst ringen und angreifen muss. Und Dennis merkt selbst, dass es funktioniert".

Es war der fünfte WKG-Sieg nach neun Kämpfen, ein Schritt auf dem Weg zum ersten Punktgewinn der Saison war somit getan und der Rückstand auf 10:13 verkürzt. Das 57er Freistil hatten Vögtlin und Muller aus taktischen Gründen unbesetzt gelassen. Gegen Mehmed Mehmed hätte Greco-Spezialist Svetlin Shindov wohl vier Punkte abgegeben, der Kampf im 61er Greco gegen seinen bulgarischen Landsmann Stefan Grigorov aber war offen. Statt aus diesen beiden Duellen mit 0:8-Zählern herauszugehen, rechneten die WKG-Trainer maximal mit einem 0:6, tatsächlich war nach Shindovs 0:1-Punktniederlage ein 0:5 notiert.

Vier Teampunkte für die Gäste waren derweil bei den Niederlagen von Michael Herzog, der im Greco-Schwergewicht gegen Junioren-Vizeweltmeister Patrick Neumaier ohne Chance blieb, und Luca Köpfer einkalkuliert. Dafür sammelten Marcus Mickein, Zorhab Ohanian sowie die Brüder Jonas und Simon Dürr acht Zähler für die WKG.

Und einen Sieg hatten Muller/Vögtlin noch auf der Rechnung: im Greco-Weltergewicht von Stefan Kilchling. Das Finale mit all dem Druck, "das ist seine Welt. Dort läuft er heiß", sagte Vögtlin. In den letzten Minuten des Kampfabends "ist Stefan ein anderer Mensch", da gebe es nur noch die Devise: "nach vorne rennen". Gegen Jan Allgaier legte Kilchling den Vorwärtsgang ein und erarbeitete sich eine 5:0-Pausenführung. Nach 4:25 Minuten stellte er im Gesamtergebnis auf Remis (9:0), bei 5:30 fehlte nur noch ein Zähler zum Überlegenheitssieg. Unwiderstehlich schob Kilchling seinen Kontrahenten ein weiteres Mal von der Matte – der WKG-Triumph war perfekt.

Im Vorjahr war die Ausgangslage gegen Hofstetten identisch gewesen: Die WKG lag, ebenfalls am zweiten Kampftag, vor dem Weltergewicht mit 8:13 zurück. In einem emotionalen Finale stellten Kronenberger (zwei Punkte) und Kilchling (drei) noch auf Remis. Dank ihrer Nerven aus Stahl, wie Vögtlin sagen würde.