Daniela Engist

ROMAN: Wechselnde Erinnerungen

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Mo, 10. Mai 2021

Literatur & Vorträge

Gründe, sein Leben Revue passieren zu lassen, sich also zu erinnern, gibt es viele. Jahreswechsel, runde Geburtstage, eine schwere Krankheit, vieles mehr. In diesem Fall ist es die mögliche Affäre. Die Freiburger Schriftstellerin Daniela Engist hat ihren zweiten Roman als eine Art Innenschau ihrer Protagonistin verfasst: Anne hat Stéphane getroffen; sie schreibt seit kurzem Romane, er singt seit langem Chansons – beide sind verheiratet, haben Kinder. Die erotische Anziehungskraft ist stark – aber auch intellektuell fühlen sie sich zueinander hingezogen. Was wird sich entwickeln? Für Anne auf jeden Fall der Anlass, sich zu erinnern. An Freunde, Ex-Freunde, Fast-Freunde – und den Ehemann. Sie sagt: "Es kommt mir vor, als wechselten meine Erinnerungen die Farbe und Qualität, sooft ich auf sie zurückgreife, abhängig von der Situation. Meine Vergangenheit scheint mir nicht unveränderlich." Dieses Phänomen kennen sicher viele Leserinnen und Leser. Dennoch fällt es nicht immer leicht, Anne zu folgen. Ihre Geschichte weist nicht über sie hinaus, sie fesselt zu wenig, ist bei aller sprachlichen Kompetenz zu eng – vielleicht auch schlichtweg zu banal.

Daniela Engist: Lichte Horizonte. Roman. Kröner Edition Klöpfer, Stuttgart 2021, 200 Seiten, 20 Euro.