Corona-Krise

Rufe nach härteren Regeln für Wirtschaft im Lockdown

dpa/AFP

Von dpa & AFP

So, 10. Januar 2021 um 19:18 Uhr

Deutschland

Während die neuen Corona-Regeln im verlängerten Lockdown in Kraft treten, werden in Deutschland Rufe nach stärkeren Einschränkungen auch für die Wirtschaft laut. Arbeitgeber halten dagegen.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt fordert, die Wirtschaft bei der Bekämpfung der Pandemie stärker in den Fokus zu nehmen. "Millionen Beschäftigte sind täglich von Infektionen bedroht, weil Schutzmaßnahmen in Unternehmen nicht ausreichen, ohne Not Präsenzpflicht eingefordert wird oder Risiken durch die Anfahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mitgedacht werden", sagte sie dem Tagesspiegel. Wo Arbeitgeber ohne Grund Präsenz am Arbeitsplatz einforderten, müsse "mit Bußgeldern Druck gemacht" werden. Bund und Länder haben die Arbeitgeber bislang nur "dringend gebeten", großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen. Zuvor hatte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sogar einen rigorosen Lockdown auch für die Wirtschaft gefordert.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnte derweil in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor weiteren Einschränkungen für Unternehmen. "Wir müssen die Menschen pandemiegeschützt so gut es geht in Brot und Arbeit halten. Nur mit Wertschöpfung können wir unsere Sozialsysteme am Leben halten, die im Moment alle versorgen", sagte Dulger. Das Land müsse am Laufen gehalten, Insolvenzen vermieden werden. Man könne nicht alle Betriebe schließen.

Auf Twitter setzte eine Debatte unter dem Schlagwort #MachtBueroszu ein. Nutzer erzählen Geschichten aus ihrem Alltag über eine Präsenzpflicht und dass sie mit der U-Bahn ins Büro fahren müssten, trotz der hohen Corona-Neuinfektionszahlen. Die Bundesregierung müsse verbindliche Regelungen schaffen, sagte Verdi-Chef Frank Werneke dem Magazin Stern. Der Gewerkschaftschef warnte jedoch davor, Beschäftigte zum Arbeiten zu Hause zu verpflichten. "Viele Menschen, die mobil arbeiten, müssen stark improvisieren, haben vielleicht nicht einmal genug Platz für einen Schreibtisch."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, beziffert den Anteil der Beschäftigten in Deutschland, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, auf 60 Prozent. Arbeitgeberchef Dulger verwies darauf, dass einige Mitarbeiter "nach einer langen Phase daheim gerne mal wieder in den Betrieb" kämen, obwohl Heimarbeit möglich sei.
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