Hifsprojekt

"S’Einlädele"-Kunden können Lebensmittel-Tüten für Bedürftige in der Ukraine bestücken

Rahel Schneider

Von Rahel Schneider

Fr, 29. November 2019 um 14:42 Uhr

Stühlinger

Das "S"Einlädele" an der Guntramstraße hat einen Lebensmittelspenden-Shop eröffnet. Zugute kommen die Spenden Menschen in der Ukraine.

Das von der Evangelischen Stadtmission getragene "S’Einlädele" an der Guntramstraße hat einen Lebensmittelspenden-Shop eröffnet. Damit erhalten die Kunden die Möglichkeit, direkt im Laden Lebensmittel zu erwerben, diese zu verpacken und für bedürftige Menschen in der Ukraine zu spenden. Seit 28 Jahren verkauft der Laden gespendete Artikel der Bürgerinnen und Bürger aus Freiburg und Umgebung. Der Erlös wird für Hilfsprojekte in der Ukraine verwendet, Sachspenden werden auch direkt dorthin geliefert.

Die Idee, als Kunde selbst im Laden ein Lebensmittelpaket zusammenstellen zu können, stützt sich auf die Erfahrungen, die "S’Einlädele"-Geschäftsführer Volker Höhlein durch diverse Hilfsprojekte gesammelt hat. Es mache für die Kundinnen und Kunden ihre Hilfe greifbarer. Die Kombination des Inhalts komme der gesamten Empfänger-Familie zugute: Jedes Paket enthält neun Produkte, darunter Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis oder Mehl aber auch Waschmittel, welches in der Ukraine nur schwer zu bekommen ist. Inklusive Transport liegen die Kosten bei 12 Euro. Wer möchte, kann auch einfach das Geld spenden – im Laden oder online – ohne das Paket selbst zu packen. Dieses ist übrigens nicht aus Karton, sondern besteht aus einem leuchtend gelben Stadtmission-Beutel. Der Lebensmittel-Lieferant Hieber aus Bad Krozingen liefert die Produkte.

Schon mehr als 100 Päckchen befüllt

Die Planung des neuen Projekts begann im Mai dieses Jahres, seit der Eröffnung am Samstag wurden bereits 114 Päckchen gespendet. Die Leiterin des "S’Einlädele", Silvia Fréchet, freut sich über die positive Resonanz bei den Kunden. Der neue Lebensmittel-Shop stehe auch für einen bewussteren Konsum der Nahrungsmittel in unserer Gesellschaft.

Das Angebot im "S’Einlädele" reicht von Kleidung über Haushaltswaren bis hin zu Mobiliar. Die Einnahmen finanzieren Hilfsprojekte in der Ukraine. Sachspenden, die etwa aus Platzgründen nicht im Laden verkauft werden können, werden zum Teil auch direkt in die Region rund um Kiew gebracht. Konkret handele es sich mittlerweile um monatlich rund 15 bis 20 Tonnen humanitärer Hilfsgüter, so Volker Höhlein, darunter außer den Lebensmittelspenden unter anderem auch Sessel und Bücher, Schmuck oder gut erhaltenes Kinderspielzeug. Ein Lastwagen einer ukrainischen Spedition holt die Hilfsgüter an drei Stellen in Freiburg und Umgebung ab. Vor Ort werden die Güter von langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeitern verteilt, die im Kontakt mit den hilfsbedürftigen Familien, Senioren und sozialen Organisationen stehen. Das "S’Einlädele" engagiere sich damit auch für Nachhaltigkeit und schließe den Kreislauf, bevor Waren in den Müll geworfen würden, sagt Silvia Fréchet.

Die Einweihungsfeier galt auch als kleine Ein-Jahres-Feier nach der "Wiedergeburt" des Ladens: Im vergangenem Jahr war dessen Zukunft aufgrund einer drohenden Kündigung des Vermieters für einige Zeit ungewiss. Eine Unterschriftenaktion, unterstützt von einem Statement des Oberbürgermeisters Martin Horn, appellierte an den Vermieter – und hatte letztlich Erfolg: Ein vermittelndes Gespräch, moderiert durch den Förderer Dieter Klausmann, bewirkte ein Umdenken bei Vermieter Serkan Tetik, und er verzichtete auf die vorgesehene Mieterhöhung. Stattdessen wurde der bestehende Vertrag um fünf Jahre verlängert.

15 ehrenamtliche Mitarbeiter umfasst das Team des "S’Einlädele" mittlerweile. Es wird ebenso wie das gegenüberliegende "Café Satz", für das rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kuchen backen und verkaufen, von der Evangelischen Stadtmission getragen.

Gründerin des "S’Einlädele" war die Diakonissenschwester Inge Kimmerle, die 1991 begann, gespendete Waren in dem Eckladen in der Guntramstraße 58 zu verkaufen. Der Erlös ging damals zunächst an eine Klinik in Kamerun. Ein Jahr später kamen 14 ukrainische Ingenieure in ihren Laden, und fragten nach einer Bibel, die zu dem Zeitpunkt in der Ukraine nicht zu haben war. Das war der Ausgangspunkt für die Ukraine-Hilfe, die inzwischen den klaren Schwerpunkt bildet. Unter anderem holt das "S’Einlädele" im Rahmen eines europäischen Freiwilligendienstes benachteiligte Jugendliche aus der Ukraine nach Freiburg, um ihnen durch die Mitarbeit in einer der Stadtmission-Einrichtungen eine Perspektive außerhalb ihres Landes zu bieten.

Viele Menschen leben in der Ukraine, die 1991 von Russland unabhängig wurde, mit einem Einkommen unter dem Existenzminimum, erzählt Höhlein. Die Finanzkrise vor gut zehn Jahren habe die instabile wirtschaftliche Situation zusätzlich verschärft. Zwei- bis dreimal im Jahr fahren Höhlein und seine Kolleginnen und Kollegen selbst in die Ukraine, um die Projekte vor Ort zu betreuen.