Sakral und fulminant

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Do, 05. Dezember 2019

Waldkirch

Beeindruckendes Konzert der Stadtmusik in St. Margarethen.

WALDKIRCH (zg). Die Stadtmusik Waldkirch bot bei ihrem Kirchenkonzert in der gut gefüllten Stiftskirche St. Margarethen unter Leitung von Thierry Abramovici ein ansprechendes und abwechslungsreiches Programm, das wohldurchdacht zur Jahreszeit und zum Ort der Aufführung passte und die Zuhörer überwältigte.

Zur Eröffnung spielte die Stadtmusik den "Feierlicher Einzug der Ritter des Johanniter-Ordens" (Richard Strauss). Das Werk fängt dramatisch leise mit schwirrenden Paukenklängen an. Bläser stimmen sanft eine choralartige Melodie an. Feierlich getragen wird musikalisch Großartiges angekündigt, perfekt in der Dynamik, die achtsam gesteigert wird bis zum Finale, das mit großer Wirkung einsetzt. Der Komponist Jean Balissat ließ sich für sein Werk "Le Premier Jour" von der Schöpfungsgeschichte inspirieren: Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut. Dann schuf Gott das Licht und trennte es von der Finsternis. Es wurde Tag und es wurde Nacht. Das Werk ist wie ein Tongemälde. Musikalisch zucken Blitze durch die Finsternis, grollend fegt der Donner über das Land. Helle klare Töne durchdringen wie eine Hoffnung das Inferno. Sie werden immer mehr und formen eine schöne Melodie, die wie Lichtstrahlen durch Wolken bricht und über das Land tanzt. Die Melodie wird majestätischer und bekämpft schließlich die Dunkelheit.

"Maria durch ein Dornwald ging" war früher ein Wallfahrtslied, heute ist es ein Advents- und Weihnachtslied. Albert Loritz hat dieses alte Lied für ein Holzblasorchester arrangiert. Die Komposition spielt mit den Klangfarben der Instrumente und lässt die Melodie wellenartig durch die Register der Holzblasinstrumente wandern. Für den dritten Satz seiner ersten Sinfonie hat Gustav Mahler ein Volkslied zu einem Trauermarsch verfremdet. Das Bild, das musikalisch vermittelt wird, ist ein Trauerzug, der mit wenigen Personen beginnt und immer größer wird. Während der Trauerzug marschiert, kommen den Menschen fröhliche Szenen aus dem Leben des Toten in den Sinn. Es ist ein Wechselbad von Gefühlen, bis wieder nur noch der Trauerzug zu hören ist. Bei diesem Werk wird die Stadtmusik von einer Bassistin unterstützt, die wesentlich zum Klangerlebnis beiträgt.

Zum Finale spielte die Stadtmusik "Sacri Monti" (Mario Bürki). Für das Werk ließ sich Bürki vom Kapellenweg zum Wallfahrtsort Mariä Heimsuchung in Visperterminen inspirieren. So prunkvoll wie der Kapellenweg ist auch die Musik, in die Verse aus "Stabat mater" integriert sind. Die Musiker spielten mitreißend. Den tosenden Applaus, der ihnen galt, hatten sie sich redlich verdient. Mit der Zugabe "Lux Aurumque" aus "Licht und Gold" von Eric Whitacre, das den Gesang von Engeln für ein Neugeborenes darstellt, beendete die Stadtmusik ihr fulminantes Konzert.