Schief gesessen zur falschen Zeit

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 03. Februar 2020

Nordische Kombination

Kombinierer Fabian Rießle verliert Kampf um das Seefeld-Triple beim ersten Sprung und landet in der Gesamtwertung auf Rang zehn.

SEEFELD. Riiber am Freitag, Riiber am Samstag, Riiber am Sonntag. Die Angriffslust der Nordischen Kombinierer des Deutschen Skiverbands verpuffte wie befürchtet beim Saisonhöhepunkt im winterweißen WM-Ort der vergangenen Saison. Der 22-jährige Norweger gewann alle drei Rennen des Nordic-Triple in Seefeld und ist mit elf Saisonsiegen als Weltcup-Gesamtsieger wie im vergangenen Jahr nicht mehr einzuholen. Fabian Rießle von der SZ Breitnau, 2019 Triple-Zweiter, musste sich nach drei Tagen mit Rang zehn begnügen, Manuel Faißt wurde 17.

"Ich werd’ richtig Gas geben", hatte Rießle, vor einer Woche Fünfter in Oberstdorf, versprochen. Der St. Märgener ist mit der Schanze vertraut, auf den WM-Loipen von 2019 kennt er jede fiese Kurve. Vor einem Jahr hatte der Wahl-Kirchzartener hier, zusammen mit Eric Frenzel, den WM-Titel im Zweier-Teamsprint gewonnen. Weltmeister Rießle reiste an, um anzugreifen. Doch der Körper spielte nicht mit. "Der Fabi ist angeschlagen", unkte Rießles Heimtrainer Albert Wursthorn zur Wochenmitte. Auf der Schanze ging bei den DSV-Kombinierern am Freitag wenig, die Anfahrtsgeschwindigkeit war niedrig.

Fabian Rießle sprang so, wie er früher sprang. Kurz. Zwischen Kopf und Fuß habe es bei der Anfahrt nicht gestimmt, vermutete Wursthorn bei seiner Ferndiagnose, "der Fabian ist einfach nicht gescheit über dem Ski gesessen". Ein fataler Sitzenbleiber mit Folgen. Auf der Skatingpiste hatte Rießle, der nach Rang 18 im Springen mit 1:32 Minuten Rückstand ins Rennen gegangen war, ohne Vollbesitz seiner Kräfte keine Chance. Aus seiner Verfolgergruppe hätte er den Sprung nach vorne wagen müssen, doch dazu fehlte der Punch. Rießle, der sonst in jedem Skating-Rennen unter den Schnellsten zu finden ist, schwamm mit, statt wie gewohnt zu attackieren, erreichte nur die 26. Laufzeit und landete hinter Dominator Riiber auf Rang 20.

Die Chance auf einen erneuten Coup in Seefeld war dahin. Das Fiese am Triple ist der Modus. Wer nach dem ersten Tag hinter dem Sieger liegt, schleppt am zweiten und dritten Tag seinen Rückstand jeweils auf Schanze und Skatingpiste mit. Umso beeindruckender war Rießles Rückkehr zu gewohntem Biss. Am Samstag raste er nach Rang 20 auf der Schanze mit der siebtbesten Laufzeit auf den zwölften Platz, am Sonntag warf er die Hypothek des Freitag-Rückstands wie einen lästigen Rucksack ab und stürmte auf den zehnten Platz der Seefeld-Triple-Gesamtwertung. Manuel Faißt vom SV Baiersbronn landete zum Start am Freitag auf Rang 26 und hatte am Samstag und Sonntag Pech auf der Schanze. "Der Manuel hatte mit die schlechtesten Verhältnisse", ärgerte sich Trainer Albert Wursthorn, "da wurde er unter Wert geschlagen". In der Triple-Gesamtwertung landete Faißt hinter Vinzenz Geiger (2.), Eric Frenzel (5.), Fabian Rießle und Johannes Rydzek (11.) als fünftbester Deutscher auf Rang 17.

Der Winter ist für Rießle und Faißt fast vorbei, in Trondheim, Lahti und Oslo stehen nur noch drei internationale Vergleiche an, ehe am 14./15. März in Schonach zum fünften Mal das Weltcupfinale ansteht – falls es doch noch weiß werden sollte im Schwarzwald. Um den Norweger Jarl Magnus Riiber wenigstens ein bisschen zu ärgern, "müssen wir das Springen in den Griff bekommen", fordert Wursthorn: "Das kann dauern, vielleicht bis in den nächsten Winter."