Jubiläum

Schimpanse Benny lebt seit 50 Jahren im Karlsruher Zoo

Stefan Jehle

Von Stefan Jehle

Mi, 23. September 2020 um 11:58 Uhr

Karlsruhe

Er ist sowas wie ein Star in Karlsruhe: Seit 1970 lebt Schimpanse Benny im Zoologischen Garten. Er suche immer direkten Kontakt, sagt sein Pfleger. Wegen Corona ist das derzeit nur eingeschränkt möglich.

Plötzlich macht es klack. Benny reckt die Faust, läuft nach vorne und klopft gegen die Plexiglas-Scheibe. Offenbar will das Schimpansen-Männchen dem Buben, der Fotos macht mit seinem Smartphone, zeigen, wer der Herr im Haus ist. Sein Revierverhalten ist typisch.

Seit dem 31. August 1970 lebt der einst von der Elfenbeinküste eingeflogene Schimpanse in Karlsruhes Stadtgarten. So wie sich sein Gehege verändert hat im Laufe der Jahre, so veränderte sich der Umgang.

Sein genauer Geburtsort ist nicht bekannt – auch nicht sein exaktes Alter. Benny kam einst auf kuriose Art in die Stadt. Ein mit dem damaligen Zoo-Direktor Karl Brinkmann befreundeter Tiermediziner, der sich zu Studienzwecken an Afrikas Westküste aufhielt, schickte den kleinen Schimpansen "unangekündigt" per Luftfracht. Es sollte ein Überraschungsgeschenk sein. Neun Monate alt war er bei Ankunft angeblich, tatsächlich wohl drei Jahre, und heute geschätzt 53.

Benny ist ein Star unter den Zoo-Tieren in Karlsruhe

Der zurzeit älteste Bewohner im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhes ist so etwas wie ein Star unter den dort beheimateten Zoo-Tieren und wird von vielen Besuchern gezielt angesteuert. Erkennbar ist der Senior unter den Karlsruher Schimpansen am grauen Bart und den markanten rosa Pigmentflecken im Gesicht. Als er in den Stadtgarten einzog, hießen seine Artgenossen Dodo und Dschingo, zwei Männchen. Heute sind es die Schimpansinnen Sophie und Katche.

Das Außengehege für die drei Karlsruher Schimpansen hat eine Fläche von rund 400 Quadratmetern. Im Inneren des Affenhauses stehen weitere 200 Quadratmeter zur Verfügung. Das sei kein Vergleich zu früher, sagt Clemens Becker, der stellvertretende Zoodirektor. Zu der Zeit, als Benny als Jungtier nach Karlsruhe kam, lebten drei Schimpansen, so Becker, über Jahrzehnte "auf 60 Quadratmeter eingepfercht".

50 Jahre im Zoo seien damals auch "50 Jahre Gefangenschaft" gewesen. Der Umzug in das zehn Mal so große Gelände erfolgte Anfang der 1990er. In einem so genannten "Masterplan 2015", der ein Entwicklungskonzept beschreibt und den Zoo auch für moderne Anforderungen rüsten soll, sind auch Neubauten für die Affenhaltung angedacht, aber bislang noch nicht umgesetzt.

Corona verändert das Leben der Tiere im Zoo

Clemens Becker hat ein ganz besonderes Verhältnis zu seinem im fortgeschrittenen Schimpansenalter angekommenen Zögling Benny. Nicht nur, dass er täglich von seinem Bürofenster aus den direkten Blick auf das Außengehege aller drei in Karlsruhe lebenden Schimpansen hat. Benny liege ihm "als Menschenaffe besonders am Herzen", sagt der Biologe.

"Wir haben die meiste Zeit seines Lebens zusammen verbracht." Biologe Clemens Becker über Benny
Beide kennen sich seit langem. Becker kam 1985 in den Karlsruher Zoo. "Wir haben die meiste Zeit seines Lebens zusammen verbracht", resümiert er. Benny suche immer "den direkten Kontakt", was derzeit wegen Corona eingeschränkt ist. Die dicken Plexiglasscheiben am Außengehege sind jetzt selbst an den Stoßfugen verklebt. Dort habe Benny früher Grashalme durchgesteckt oder sei "auf Geruchfühlung" gegangen. Doch jetzt tragen auch die Pfleger im Gehege eine Maske. Weil nicht klar ist, ob das Virus auch auf Menschenaffen übertragbar ist.

Für Gisela Fischer, die Vorsitzende der Vereinigung Karlsruher Zoofreunde, ist Benny "eine ganz starke Persönlichkeit". Zwar gehöre sie – anders als etwa Clemens Becker – noch nicht "zu dem auserwählten Personenkreis", den der Schimpanse persönlich begrüße. Sie schenke ihm jedoch bei jedem Besuch Aufmerksamkeit, sagt sie – so wie es "auch für meinen jüngsten Enkel wichtig ist, regelmäßig bei Benny vorbei zu gehen". Fischer ist sich sicher: Benny habe während des Corona-Lockdowns, als der Zoo mehrere Wochen keine Besucher hatte, "der Publikumskontakt gefehlt". Das bestätigt auch Clemens Becker. "Menschenaffen sind für mich Denker", sagt er überzeugt. Deshalb überlege er ständig, was an der Haltung noch weiter verbessert werden könne.

Mehr zum Thema: