Schlag gegen Darknet-Handel

dpa

Von dpa

Mi, 13. Januar 2021

Panorama

Ermittler heben riesigen illegalen Marktplatz im Internet aus / Verdächtiger in Untersuchungshaft.

Ermittler haben den nach eigenen Angaben wohl weltweit größten illegalen Marktplatz im Darknet ausgehoben und den mutmaßlichen Betreiber festgenommen. Die Plattform mit der Bezeichnung Dark Market sei am Montag geschlossen und die Server abgeschaltet worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Dienstag mit. Der 34 Jahre alte mutmaßliche Betreiber, ein Australier, sei am Wochenende nahe der deutsch-dänischen Grenze festgenommen worden.

"Der Dark Market war bis zur Schließung mit seinen fast 500 000 Nutzern und mehr als 2400 Verkäufern der wohl weltweit größte Darknet-Marktplatz", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Geführt wurden die Ermittlungen von der Zentralen Kriminalinspektion Oldenburg und der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Auch ausländische Behörden waren beteiligt.

Den Angaben zufolge wurden über den Marktplatz mehr als 320 000 Geschäfte abgewickelt und über 4650 Bitcoin sowie 12 800 Monero – zwei der gängigsten Kryptowährungen – bewegt. Das entspreche nach derzeitigem Kurs einer Summe von mehr als 140 Millionen Euro. Auf dem Marktplatz seien vor allem Drogen gehandelt worden. Daneben wurden auch Falschgeld, gestohlene oder gefälschte Kreditkartendaten, anonyme SIM-Karten, Schadsoftware und vieles andere mehr zum Kauf angeboten.

Drogendeals, Cyberangriffe und Falschgeldgeschäfte

Die weitreichende Infrastruktur von Dark Market mit mehr als 20 Servern in Moldawien und der Ukraine sei beschlagnahmt worden. Die Ermittler erhoffen sich aus den Daten neue Fahndungsansätze. Der mutmaßliche Betreiber ist in Untersuchungshaft. Er habe bislang keine Angaben zur Sache gemacht, hieß es.

An den Ermittlungen waren den Angaben nach zudem die Landeskriminalämter aus Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, US-amerikanische Behörden – darunter das FBI – sowie Polizeistellen in Australien, Dänemark, der Schweiz, der Ukraine und Moldawien beteiligt. Europol habe bei der Koordinierung geholfen.

Laut Generalstaatsanwaltschaft geht der Fahndungserfolg auf die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Cyberbunker an der Mosel zurück. Dort sei auch Dark Market gehostet worden.

In dem alten Bunker im rheinland-pfälzischen Traben-Trarbach sollen acht Tatverdächtige über Jahre hinweg ein illegales Rechenzentrum für kriminelle Geschäfte im Darknet betrieben haben. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Bande im Prozess Beihilfe zu mehr als 249 000 Straftaten vor: Vor allem millionenschwere Drogendeals, aber auch Cyberangriffe und Falschgeldgeschäfte sollen über Server im Cyberbunker gelaufen sein. Die unterirdische Anlage war 2019 in einer Aktion mit Hunderten Polizisten nach fünfjährigen Ermittlungen ausgehoben worden. In dem Prozess, der bis Ende 2021 terminiert ist, müssen sich vier Niederländer, drei Deutsche und ein Bulgare verantworten.