"Wir wollen spielen und nicht pauken"

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Fr, 29. März 2019

Schliengen

BZ-INTERVIEW mit Frieder Reich, Dirigent des Musikvereins Schliengen, über das Jugendorchester und das anstehende Frühjahrskonzert.

SCHLIENGEN. Frieder Reich ist seit 2017 Dirigent des Hauptorchesters des Musikvereins Schliengen, zunächst kommissarisch, dann nach der offiziellen Wahl als fester Dirigent. Im Januar dieses Jahres übernahm er als Nachfolger von Wolfgang Wetzel auch die Leitung des Jugendorchesters und wird jetzt beim Frühjahrskonzert beide Ensembles dirigieren. Dorothee Philipp sprach mit Reich über dessen Arbeit und das geplante Konzertprogramm.

BZ: Herr Reich, sind die Jugendlichen fit für das Konzert?

Reich: Aber natürlich! Es war allerdings sehr spannend, da wir mit den Proben erst in diesem Januar angefangen haben.

BZ: Sie haben also nicht auf bestehendes Repertoire zurückgegriffen?

Reich: Nein, wir haben komplett neue Stücke erarbeitet. Das war ein Experiment, das aber aufgegangen ist, finde ich. Mein Vorgänger Wolfgang Wetzel hat mir aber auch ein sehr gut funktionierendes Jugendorchester überlassen.

BZ: Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil beschreiben? Sind Sie als Dirigent der dominierende Typ oder eher ein Teamplayer?

Reich: Ich versuche, spielerisch an die Arbeit heranzugehen. Die Kinder und Jugendlichen sind von der Schule her stark geprägt, ein Arbeitsergebnis als "richtig oder falsch" zu bewerten. Beim Musizieren geht es mir vor allem um den Einsatz als solchen. Wir wollen beim Musizieren spielen und nicht pauken. Und ich lege Wert darauf, dass das gelobt wird, was richtig gemacht wurde, auch bei den Erwachsenen. Auf Disziplin und Pünktlichkeit lege ich allerdings großen Wert, denn diese bedeutet auch Respekt vor der Zeit der anderen. Ich lasse mich durchaus auch vom Mannschaftssport inspirieren, wo es auf Teamgeist und Fairness ankommt.

BZ: Und da kommen dann solche guten Ergebnisse heraus?

Reich: Freiheit und Offenheit schaffen eher gute Probenmotivation als Diktat von oben. Was mich freut: Viele der Jugendlichen kommen auch schon früher zur Probe, um beim Aufbauen zu helfen. Das ist doch ein gutes Zeichen. Ich werde mich in Zukunft auch mit den jeweiligen Lehrkräften der Jugendmusikschule abstimmen, die die jungen Leute unterrichten. Teamwork bringt viel mehr, als nach einem Konzert etwa gute oder schlechte Noten zu verteilen.

BZ: Profitieren Sie auch von der Einrichtung der Bläserklassen?

Reich: Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Ausbildung, die die Hebelschule durch Matthias Westphal anbietet. Das ist eine Riesenaufgabe, die sich in vielerlei Hinsicht lohnt. Wichtig ist mir dabei jedoch, nicht ausschließlich auf die Investition in die Zukunft hinzuweisen. Es sind unsere Kinder, sie leben aus dem Moment heraus und erleben die Bläserklasse als Gelegenheit, musikalisch wirksam sein zu können. Da sollte man nicht im Hintergrund die Hände reiben und sagen: Toll, diese oder jener werden dann einmal genau diese Lücke im Jugend- oder Hauptorchester füllen.

BZ: Wie war es für Sie, als man Ihnen die Leitung des Jugendorchesters übertragen hat?

Reich: Ich hatte durchaus Respekt vor der Leistung meines Vorgängers. Es überzeugt aber, wenn Jugend- und Hauptorchester in einer Hand sind, da dies die Durchlässigkeit zwischen beiden Ensembles erhöht. Darüber hinaus ist es mir ein Anliegen, das Leben junger Menschen zu prägen. Das betrifft nicht nur die Musik, sondern auch das allgemeine Miteinander.

BZ: Sie hatten als Vorbereitung mit der Jugendkapelle auch ein Probenwochenende.

Reich: Genau. Und da wurde nicht nur geprobt, sondern wir haben uns mit gruppenbildenden Spielen auch besser kennengelernt. Nachdem ich gemerkt hatte, dass sich die Jugendlichen untereinander auch nicht alle kennen, haben wir beispielsweise ein musikalisches Spiel gemacht, bei dem alle in einem großen Halbkreis in einer Reihe saßen und die Register gemischt waren. Mit Kärtchen habe ich gezeigt, wer wann welchen Ton spielen soll. Das hat allen total Spaß gemacht. Ich habe die richtig lieb gewonnen. Als in der Faschingswoche keine Probe war, habe ich die Arbeit mit der Jugendkapelle schon ein wenig vermisst.

BZ: Sie haben sich mit dem Konzertprogramm am Samstag etliches vorgenommen.

Reich: Mit dem Hauptorchester ist das jetzt das dritte Jahreskonzert für mich. Die waren im vorigen Jahr so gut drauf, dass ich gedacht habe, wir können jetzt einmal richtig in die Vollen gehen. Die drei Hauptwerke, die wir vorbereitet haben, beinhalten die drei Stichworte des Mottos "Mensch, Natur, Musik". Das wird bei der Moderation noch ein bisschen näher erläutert werden. Das sind sehr anspruchsvolle Kompositionen, die an die Musiker sehr hohe Anforderungen stellen. Dann gibt es auch ein Solostück für Xylophon und als neuen Akzent ein Posaunentrio mit Themen von George Gershwin.

Frieder Reich wuchs in einer Musikerfamilie in Calw auf. Er studierte zunächst Schulmusik an der Musikhochschule Freiburg und belegte dazu einen Bachelor-Studiengang Trompete, der ihn auch an das Konservatorium Madrid führte. Seit dem Abschluss als Master mit künstlerisch-pädagogischem Profil 2015 lebt er freischaffend in Freiburg. Frieder Reich konzertiert solistisch sowie in zahlreichen Ensembles und ist nicht zuletzt seit der Veröffentlichung seiner "Methode für das Trompetenspiel" ein gefragter Trompeten-Dozent. Derzeit ist er Dirigent in den Musikvereinen Schliengen und Umkirch. In der BDB-Musikakademie Staufen hat er einen Dozentenauftrag für Trompete. Ferner leitet er Lehrgänge für die Posaunenarbeit der Evangelischen Landeskirche Baden und ist Jurymitglied beim Landeswettbewerb Jugend musiziert. Kontakt: http://www.friederreich.de

Frühjahrskonzert des Musikvereins Schliengen morgen, Samstag, 30. März, 20 Uhr, Bürger- und Gästehaus Schliengen, Eintritt acht Euro.