Schnapszahlen sind nicht wichtig

Cornelia Liebwein

Von Cornelia Liebwein

Di, 18. Februar 2020

St. Blasien

Den 20.02.2020 und andere besondere Daten fragen Heiratswillige in St. Blasien nicht sehr häufig nach.

ST. BLASIEN (lib). Jede Eheschließung ist etwas Besonderes – für das Brautpaar, die Angehörigen und auch den zuständigen Eheschließungsstandesbeamten. Spielen beim Suchen eines Hochzeitstermins Schnapszahlen, wie dieses Jahr der 20.2.2020, eine Rolle? Gibt es an solch einem Datum Hochzeitsstau in den Amtsstuben?

Wer an einem markanten Datum heiratet, der läuft sehr viel weniger Gefahr, dass der Hochzeitstag im Alltag untergeht, weiß Eheschließungsstandesbeamtin Andrea Rudolf vom Standesamt St. Blasien. Noch stehe aber für den 20. Februar 2020 keine Eheschließung im Terminkalender. Nach einem Schnapszahlentermin werde im St. Blasier Standesamt eher wenig gefragt. "Einmal war der 8.8.18 das Wunschdatum eines Brautpaares", berichtet Andrea Rudolf, welcher, wie sie sagt, auch geklappt hat.

Sie sitzt in ihrem Büro am Schreibtisch und entwirft gerade eine Rede. "Im Vorfeld der Trauung erzählen mir die Paare über ihr Leben". Das, was sie dort erfährt, verarbeitet sie zu Worten für den großen Tag, für jedes Paar ganz persönlich und aus der täglichen Arbeit heraus mit viel Fingerspitzengefühl.

16 Trauungen wurden im vergangenen Jahr geschlossen, 2018 waren es 27. Das waren schon viele, verrät sie. Waren früher Trauungen ein trockener amtlicher Akt im Rathaus, haben Brautpaare heute Einfluss und Mitspracherecht, um diesen bedeutenden Teil mitzugestalten. Die verliebten Paare können sich zwischen dem Eberlesaal oder dem Winterhaltermuseum in Menzenschwand als Trauort entscheiden. "Im Rathaus wird so gut wie nicht getraut", sagt die Standesbeamtin. "Bei größeren Hochzeiten gibt es fast immer jemanden, der Klavier spielen oder singen kann. Ansonsten kommt die festliche Musik vom Tonträger.

Rudolf ist immer wieder berührt von den Geschichten der Paare und den Überraschungen: "Ich hatte auch schon eine Braut, der sind von Anfang bis Ende die Tränen gekullert, da habe ich einfach mitgeweint." Speziell wird es, wenn Kinder oder Hunde in die Zeremonie eingebunden werden. Dann wird zuhause geübt, dass sie die Ringe bringen, oder der Vierbeiner wird darauf vorbereitet.

Bei der Namensgebung gehe der Trend weg vom Doppelnamen. "99,9 Prozent wählen den Namen des Mannes, ich brauch kaum noch danach zu fragen". Gleichgeschlechtliche Eheschließungen, die seit 2017 in Deutschland erlaubt sind, werden in der Domstadt selten geschlossen. Davor habe sie drei Lebenspartnerschaften besiegelt, "jeweils Männer, die noch geheiratet haben oder noch heiraten werden, im vorigen Jahr waren es zwei Frauen, die getraut werden wollten".

Aus Datenschutzgründen werden anstehenden Trauungen nicht mehr ausgehängt, sagt Andrea Rudolf. "Geändert hat sich auch, dass man keine Trauzeugen mehr haben muss, natürlich darf man Trauzeugen mitbringen, aber das ist keine Pflicht mehr", sagt sie. Nach dem Ja-Wort gehen die meisten Paare durch Höhen und Tiefen, weiß Rudolf, und oftmals gebe sie den Paaren etwas mit auf den Weg, was sie glaubt, dass es wichtig ist, wie: "Eine Ehe ist manchmal nicht einfach, aber es lohnt sich, nicht aufzugeben".