Schokibunker wird Sahnehäubchen

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Mo, 22. November 2021

Müllheim

Sanierung des ersten Gebäudeteils der Beruflichen Schulen in Müllheim ist fertig / Feierliche Schlüsselübergabe.

. Von außen betrachtet hat sich so gut wie nichts verändert – drinnen dafür umso mehr. Der erste von zwei Gebäudeteilen der Gewerblich-Kaufmännischen Schulen (GKS) mit Beruflichem Gymnasium in Müllheim ist komplett saniert worden, und das wurde mit einer feierlichen Schlüsselübergabe am Freitagnachmittag begangen. Die neuen Räumlichkeiten stießen auf großen Zuspruch. Und so lässt sich nun auch die einstmals heftige Debatte um die Zukunft der beruflichen Schulen in Müllheim in milderem Licht sehen.

Schokibunker – so wird der Gebäudekomplex der beruflichen Schulen in Müllheim angesichts seiner Kastenform und seiner braunen Fassade halb spöttisch, halb liebevoll im Volksmund genannt. Nach heutigem Empfinden kein wirklich ästhetischer Bau – und daran hat die nach zwei Jahren nun abgeschlossene Sanierung des Gebäudeteils A zunächst einmal wenig geändert. Umso stolzer waren Schulleiterin Beate Wagner und Vertreter des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, dem Träger der Schule, der wegen Corona bewusst überschaubar gehaltenen Gästeschar zu zeigen, was sich im Innern des Schokibunkers getan hat. Lichtdurchflutete, funktionale Räume, für unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten oft flexibel ausgestaltet, sind entstanden. Wertige und angenehme Materialien und Oberflächen sorgen geradezu für eine Wohlfühlatmosphäre.

"Vom Schokibunker zum Sahnehäubchen", das sei die Vision für die Sanierung gewesen, erklärte Schulleiterin Wagner – die sich nun konkret erfüllt habe. 9,8 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet, 2 Millionen Euro hat der Landkreis vom Land als Zuschuss erhalten. 4025 Quadratmeter Fläche des in den 1950er- und 1970er-Jahren entstandenen Gebäudes sind umgebaut worden, erläuterte Bauleiter Stefan Bregenhorn, dem das Projekt besonders am Herzen lag, war er doch selbst einmal Schüler der GKS (damals stand das Kürzel noch für Georg-Kerschensteiner-Schule) gewesen, wie er berichtete.

90 Räume wurden entweder umgestaltet oder komplett neu geschaffen. Für die Schüler gibt es schöne Aufenthaltsbereiche, die neue Cafeteria wartet pandemiebedingt noch auf ihre Inbetriebnahme. Um die Verwaltungsarbeit etwas zu entzerren, wurde ein eigenes Sekretariat für den Schülerkontakt im Erdgeschoss geschaffen. Für spezielle Beratungsgespräche und individuelle Lernangebote gibt es nun ausreichend Räumlichkeiten.

Ein Highlight ist das neue Lehrerzimmer, in dem sich einige Gäste fast wie in einer Café-Lounge wähnten, zudem haben die Lehrerinnen und Lehrer nun einen separaten Bereich für ungestörtes Arbeiten. Für eine zeitgemäße technische und digitale Ausstattung wurde gesorgt – das "Kreidezeitalter" ist hier endgültig vorbei, große Bildschirmtafeln lassen sich flexibel einsetzen und bei Bedarf auch von einem Smartphone oder Tablet ansteuern.

Was angesichts der gelungenen Sanierung fast in Vergessenheit geraten könnte: Auslöser dafür war eine intensive, kontroverse, ja in Teilen sogar erbittert geführte Diskussion um die Neustrukturierung der beruflichen Bildung im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die beruflichen Schulen in Müllheim platzten aus allen Nähten, zur Entlastung entschied sicher der Landkreis für eine komplett neue Schule in Bad Krozingen – gegen den Widerstand aus Müllheim, wo man eine Schwächung des Schulstandorts und Nachteile für Schülerinnen und Schüler vor allem aus dem Bereich südlich von Müllheim sah.

Der für die Stadt schmerzliche Abzug der damaligen Kaufmännischen Schule wurde mit dem Versprechen verbunden, den in Müllheim verbleibenden Schulteil – dessen Schwerpunkt auf der gewerblich-kaufmännischen Ausbildung liegt während Bad Krozingen auf den gesundheitlich-sozialen Bereich fokussiert – entsprechend aufzuwerten. Das sehen unter anderem Müllheims Bürgermeister Martin Löffler und die Landrätin Dorothea Störr-Ritter erreicht. "Der nicht ganz unsteinige Weg hat sich gelohnt", befand die Landrätin. Letztlich, das betonte alle Festredner, gehe es um eine Stärkung der beruflichen Bildung – nicht zuletzt angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels. "Es lohnt sich um jeden zu kämpfen. Wir brauchen jeden", erklärte Störr-Ritter. Die Sanierung des zweiten Gebäudeteils soll 2023 starten. Kalkuliert wird mit einem ähnlichen Aufwand und Kostenrahmen.