"Die Erde gehört nicht den Menschen"

Gudrun Gehr

Von Gudrun Gehr

Di, 19. November 2019

Schopfheim

In Schweigmatt wurde "Die Rede des Häupling Seattle" als Gesamtkunstwerk aufgeführt – mit prominenter Unterstützung.

SCHOPFHEIM-SCHWEIGMATT. Ein außerordentliches Kunstprojekt entstand bei der Michael-Gemeinschaft Schweigmatt, einer Jugendhilfeeinrichtung mit Schule und Wohngruppen: Der Theaterregisseur Elias Götte und der Verein "TakepART" aus Müllheim hatten mit den Schülern für das Herbstfest ein Theatermusical unter dem Namen "Die Rede des Häuptling Seattle" einstudiert. Zur ersten Aufführung am Wochenende kam dabei prominenter Besuch: Die Leiterin der Einrichtung, Silke Chalk, ist seit Jahren in der Fanszene rund um den Abenteuerschriftsteller Karl May unterwegs und nutzt ihre Kontakte. So lotste sie Christopher Barker, Sohn des "Old Shatterhand"-Darstellers Lex Barker, zur ersten Veranstaltung am Freitag, die dieser mit einer Ansprache eröffnete. Sein Vater Lex
Barker hätte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ebenfalls den Weg nach Schweigmatt fand Jean-Marc Birkholz, Hauptdarsteller der Karl-May-Festspiele in Elspe, der die "Rede des Häuptling Seattle" vortrug. Auch konnte der Biograf von Lex Barker, Reiner Boller, begrüßt werden. Am Samstag fand die zweite Aufführung des Musicals vor den Angehörigen der Darsteller statt.

Vorwort von Christopher Barker: In seinem Vorwort freute sich Christopher Barker auf einen "Abend voll Geist und Seele" mit den Kindern der Jugendeinrichtung, die in ihren jungen Jahren von ihrem Umfeld schon oft betrogen worden seien. In der Geborgenheit der Einrichtung in Schweigmatt könnten die Jugendlichen wieder Werte erlernen, an die sie glauben können.

Die Aufführung: Der Inhalt des Musicals ist aktueller denn je. Die "Rede des Häuptling Seattle" entstand, nachdem im Jahr 1855 der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin Pierce, vom Indianerstamm der Duwamish Länder erwerben wollte. Die Indianer sollten in ein Reservat ziehen. Der Häuptling Noah Seattle hielt daraufhin eine vielfach publizierte Rede. Seattle führte einen letztlich vergeblichen Kampf gegen die weiße Übermacht, und gegen das Unvermögen des weißen Mannes, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. Stimmungsvoll sprach Jean-Marc Birkholz in gemessenen Worten. Resignierend stellte der Häuptling fest: "Gott liebt das Volk der Weißen und hat seine roten Kinder verlassen." Seattle mahnte auch die Tragik der zukünftigen Bewohner seines Landes an: "Die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde."

Das Stück: 26 Kinder und Jugendliche hatten mit Elias Götte ein Gesamtkunstwerk rund um die Rede entwickelt. Die Kinder und ihre Betreuer tanzten, sangen und agierten schauspielerisch. Unter anderem hatten sie mit ihrem Regisseur einen Stabtanz und ein Trommelstück entwickelt. Auch Darstellungen einzelner Schüler begeisterten die Gäste: Ein junger Rap-Tänzer, ein Geigenspiel und ein berührend vorgesungenes Stück auf Arabisch einer Jugendlichen gingen zu Herzen. Die Begeisterung des Publikums zeigte sich nach einer Stunde Programm in lang anhaltendem Applaus.

Das Publikum: Zur ersten Aufführung des Theatermusicals am Freitagabend hatten sich etwa 50 Gäste im Festsaal der Jugendeinrichtung eingefunden, der Saal war bis auf die letzten Plätze gefüllt. Darunter befanden sich auch viele von fern angereiste Besucher des großen Fankreises des Abenteuerschriftstellers Karl May, wie eine in Zürich wohnhafte Herstellerin von Indianerschmuck oder ein Filmemacher aus der Schweiz, der jährlich die Originalschauplätze der Filmabenteuer von Old Shatterhand und Winnetou in Kroatien aufsucht.

Der Regisseur: Elias Götte ist Künstler, Multi-Instrumentalist und lebt in Müllheim. Mit seinem Verein hat er sich auf Kunstprojekte mit Jugendlichen und Erwachsenen spezialisiert. Er komponiert die anspruchsvollen Bühnenstücke selbst und stellt sich den Fragen der Gegenwart. Elias Götte sagt: "Das Seattle-Projekt ist auf erschreckende Weise aktuell." Aber er hat Hoffnung: "Ich habe große Zuversicht, dass die Jugend jetzt aufsteht. Auch künstlerisch ist Protest möglich."

Meet and Greet: Im Anschluss bot sich beim "Meet and Greet" ein Abendessen für die Gäste unter Gleichgesinnten an. Stargast Christopher Barker, ausgebildeter Sänger und Schauspieler, hatte noch eine Überraschung parat: Mit seiner beeindruckenden Bariton-Stimme sang er A-Capella den Klassiker von Frank Sinatra "My way" sowie "Summertime" von George Gershwin. Gerne erfüllten die prominenten Akteure danach eine Vielzahl an Autogrammwünschen.