Vorbereitungen

Schüler aus Stegen planen 20.000 Euro für ihre Abi-Feier ein

Markus Donner

Von Markus Donner

Fr, 15. März 2019 um 11:30 Uhr

Stegen

Knapp 100 Schüler legen am Kolleg St. Sebastian in Stegen ihr Abitur ab. Das soll mit einem Ball im Volante in Kirchzarten stilvoll gefeiert werden. Doch das hat seinen Preis.

Noch sind es einige Wochen hin, bis die knapp 100 Schüler am Kolleg St. Sebastian in Stegen ihre Abiturprüfung ablegen. Ein einschneidendes Ereignis für junge Menschen, das die Schullaufbahn krönt. Und das soll gebührend gefeiert werden – mit Mitschülern, Lehrern, Eltern, Geschwistern. Bereits seit anderthalb Jahren laufen die Vorbereitungen für den Abschlussball. Wer edel feiert, muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Ein Budget von 20.000 Euro steht da im Raum. Gefeiert wird im Volante in Kirchzarten – und das hat eben seinen Preis.

Angemessen feiern – da gehen die Vorstellungen von Schülern und einigen wenigen Eltern, wie es heißt, auseinander. Paul Zimpfer ist einer der Schüler, die in diesem Jahr ihr Abitur am Kolleg ablegen werden. "Der Abi-Ball hat bei uns Tradition", sagt er. Das Fest werde schon immer in einem stilvollen Rahmen gefeiert. Er gehört zum achtköpfigen Team der Stufensprecher, das seit dem Wechsel vom Klassenverband in die Kursstufe mit den Vorbereitungen für die Abschlussfeier befasst ist. Von Anfang an gab es den Beschluss, dass wir den Abi-Ball wollen, und zwar in sehr feierlichem Rahmen. So sei das auch kommuniziert worden.

30 bis maximal 45 Euro für eine Karte

Dann habe sich die Frage gestellt, wo das Fest über die Bühne gehen wird. "Wir waren uns einig, dass wir im Dreisamtal bleiben wollen, da kam als einzige geeignete Location nur das Volante in Kirchzarten in Betracht", sagte Paul Zimpfer. Freilich seien sich die Abiturienten darüber im Klaren gewesen, dass dies edel und nicht gerade billig sei. "Trotzdem haben wir uns entschlossen, diesen Weg zu gehen." Es habe viele Abstimmungen darüber gegeben, wie das Ganze zu finanzieren sei. Wenn das Budget dieses Jahr sehr hoch ausfalle, sei dies damit zu erklären, weil es sich 2019 um einen großen Jahrgang handle und deshalb das Volante noch zusätzliches Mobiliar benötige.

So werde eine zweite Bar gebraucht, auch sei ein weiterer Caterer erforderlich, das Team in der Küche benötige zusätzliches Personal. Was die Kartenpreise betrifft, ist sich der Stufensprecher ziemlich sicher, dass man sich im üblichen, durchaus vertretbarem Rahmen bewege. Noch sei nicht exakt ermittelt, was die Karte tatsächlich kosten werde. Zimpfer geht von 30 bis maximal 45 Euro aus. In diesem Preis sei ein fünfstündiges Unterhaltungsprogramm und das Essen inkludiert – Getränke gehen extra.

Doch die Schüler hätten die Hände nicht in den Schoss gelegt, sondern Ideen gesammelt, wie über verschiedene Aktionen die Kasse aufgebessert werden kann. Ein Unternehmen im Dreisamtal entlohnte die Abiturienten für eine Landschaftsputzede, zudem seien durch Kuchenverkäufe, die Versorgung bei Elternabenden und anderen Veranstaltungen in der Schule mit Essen und Trinken respektable Einnahmen erzielt worden. Auch am Weihnachtsmarkt seien die Schüler mit einem Stand vertreten gewesen.

"Geht es nicht auch kleiner und bescheidener?" Vater eines Abiturienten
Paul Zimpfer betont nachdrücklich, dass der Abi-Ball nicht von der Schule organisiert werde, sondern von den Schülern selbst – natürlich in Rücksprache mit den Elternvertretern, der Schulleitung und den Lehrern am Kolleg. "Wir haben für unser Tun viel Akzeptanz erfahren."

Axel Scherzinger, dessen Tochter das Kolleg St. Sebastian besucht, gehört dem siebenköpfigen Elterngremium an und springt den Schülern zur Seite: "Wo immer es geht, helfen wir Eltern den Schülern bei den Abi-Vorbereitungen und haben auch ein Auge darauf, dass die Finanzen im Lot sind." Scherzinger bewundert die Abiturienten dafür, mit welcher Ernsthaftigkeit sie ans Werk gehen, auch was die Kalkulation betrifft. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass die Schüler auch noch mit den schulischen Vorbereitungen für ihre Abiturprüfung befasst sind.

Vorbehalte von Seiten einiger Eltern

Auch Schulleiter Bernhard Moser stärkt seinen Abiturienten den Rücken und äußert seine Bewunderung für die Sorgfalt bei den Vorbereitungen des großen Abschlussfestes. Mit der Auswahl der Lokalität hat der Schulleiter ebenfalls keine Probleme. Für die erwartete Personenzahl gebe es auf dem Schulgelände keine räumlichen Möglichkeiten, und ein Festzelt sei da auch keine Alternative. Dass ein solches Fest nicht zum Nulltarif organisiert werden kann, verstehe sich von selbst, und ein Kartenpreis um die 30 Euro einschließlich Essen sei nicht überzogen, gemessen an dem, was sonst monatlich etwa für eine Handy-Flatrate oder eine Musik-CD ausgegeben werde, so der Schulleiter. In früheren Jahren seien die Abiturienten zum Feiern in die Kageneckhalle gegangen. Doch die sei für den starken Abi-Jahrgang zu klein – und dort vereitle die Versammlungsstättenverordnung und Brandschutzauflagen eine Veranstaltung in dieser Größe.

Einige Eltern melden dennoch Vorbehalte an. "Ist eine Abi-Feier zu diesem Preis das richtige Zeichen? Geht es nicht auch kleiner und bescheidener?", so ein Vater gegenüber der BZ, der auch an die Familien denkt, die sich die Eintrittskarten von 30 Euro und mehr nicht leisten können. Ferner sei zu bedenken, dass auch die Abi-Zeitung finanziert werden müsse. Sie sei mit nochmals ungefähr 5000 Euro anzusetzen. Eine Nummer kleiner wäre doch auch okay. Die Eltern hätten zum Beispiel den Nachtisch selbst mitbringen können.

Nichtsdestotrotz gibt es Anerkennung für die Aktionen der Schüler: Keller entrümpelt, Weihnachtsgebäck und Socken verkauft, bei der Schwimmnacht in Kirchzarten dem Veranstalter geholfen und anderes mehr. Der Vater gesteht ein, dass er und seine damaligen Mitschüler bei der eigenen Abi-Feier diesen Eifer wohl kaum an den Tag gelegt hätten.

Faust-Gymnasium Staufen feierte in der Freiburger Messe

Noch zu bedenken sei, dass für den perfekten Schulabgang auch der Besuch im Modegeschäft zu Buche schlage. Ein exklusives Abend- oder Cocktailkleid mit entsprechender Raffinesse kostet bei den entsprechenden Labels schon mal bis zu 300 Euro. Und die passenden Schuhe zur Traumrobe oder dem noblem Anzug sollen es ja dann auch noch sein. Es soll Eltern geben, die ihre Kinder in Hollywood-Manier in einer Stretchlimousine zur Abi-Feier chauffieren lassen. Kosten: 130 Euro die Stunde.

In der Nachbargemeinde Kirchzarten wird es auch einem Abi-Ball geben. Doch der findet im Foyer des Schulzentrums statt. Allerdings sind es am Marie-Curie-Gymnasium in diesem Jahr nur 69 Abiturienten, so dass beim Abi-Ball die Besucherzahl mit 420 Personen entsprechend kleiner sein wird. Auch in Kirchzarten haben die Abiturienten das Heft für die Feier selbst in der Hand, sobald der Schulleiter seine Festrede gehalten hat und die Zeugnisse und Preise verteilt sind. Die Eintrittskarten sollen 25 Euro kosten.

Beim Event Abi-Ball lassen sich auch die Schüler an anderen Gymnasien in Freiburg und im Umland nicht lumpen. Im vergangenen Jahr feierte das Faust-Gymnasium Staufen in der Freiburger Messe. Eine Eintrittskarte kostete 37 Euro. Das Bad Krozinger Kreisgymnasium vergnügte sich im Denzlinger Bürgerhaus bei Eintrittspreisen zwischen 35 und 40 Euro. Das Freiburger St.-Ursula-Gymnasium hatte die Sick-Arena gebucht. Eine Eintrittskarte kostete 40 Euro. Im Vergleich befinden sich die Stegener Abiturienten vom Kolleg also in guter Gesellschaft. Ein Schulleiter aus der Ortenau gibt zu Protokoll: "Es scheint heute so, die Feier sei wichtiger geworden als das Abiturzeugnis."

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