In Ihringen angekommen

bex

Von bex

Do, 30. April 2015

Schülertexte

Eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien findet nach einer langen Flucht in Südbaden ein Zuhause.

Die Familie Allababidi lebt jetzt schon seit einem Jahr in Ihringen. Mutter Hanadi, Vater Ali und ihre fünf Kinder sind froh, jetzt endlich angekommen zu sein. Die beiden Schüler Felix Treiber und Marvin Hohwieler aus der Klasse 8d der Hugo-Höfler-Realschule in Breisach erzählen im Rahmen von Zischup über die Flucht der Familie aus Syrien und ihr Leben in Ihringen.

Sie haben eine schwierige Zeit hinter sich. Nachdem ihre Eltern 1948 aus Akka in Palästina vertrieben wurden, mussten sie nach Syrien flüchten. Dort besaßen sie in Homs eine Wohnung und sogar ein kleines Sommerhaus. Als ihr Stadtteil dann jedoch zwischen die Fronten der freien syrischen Armee und des Assad-Regimes geriet, mussten sie nach Libyen fliehen. Dort bauten sie zunächst ein halbwegs normales Leben auf, die älteste Tochter hatte dort sogar schon mit ihrem Studium begonnen. Doch die Lebensbedingungen wurden dort auch zunehmend schlechter. Deshalb bezahlten sie alles Geld, das sie noch übrig hatten, an Schlepper. Sie wurden dann in ein kleines, überfülltes Boot gesetzt. Als dieses zu kentern drohte, warfen sie alles Gepäck mitsamt der Pässe, Zeugnisse und Kleider über Bord, damit sie nicht untergingen. Als sie dann über Lampedusa das italienische Festland erreichten, wurden sie sofort in einen Zug nach Deutschland gesetzt. Da sie keine Aufnahmeunterlagen von Italien hatten, durften sie hier bleiben.

Jetzt haben sie einen anerkannten Flüchtlingsstatus und sind zuversichtlich, bald schon gut Deutsch zu sprechen. Die Lehrerin des Sprachkurses meinte, dass sie selten so eine motivierte Gruppe hatte. Die älteste Tochter ist verheiratet und hat dank des Helferkreises in Ihringen eine Wohnung zusammen mit ihrem Mann bekommen. Darüber freuen sich alle bei der gemeinsamen Geburtstagsfeier des Schwiegersohnes. Die sechsjährige Tochter besucht das Kinderturnen des Turnvereins, der 14-jährige Sohn schwimmt mit dem DLRG Ihringen und der Schwiegersohn kickt mit dem VfR Ihringen. "Endlich können die Kinder wieder ohne Angst draußen spielen", gibt Mutter Hanadi Allababidi zu verstehen. Doch wenn sie einen Hubschrauber hört, zuckt sie immer noch zusammen. Die Großeltern der Kinder sind immer noch in Syrien. Sie waren zu alt zur Flucht, doch die Familie macht sich große Sorgen. Täglich werden in Homs Menschen getötet, von der Geheimpolizei Assads bedroht und abgeholt.

Vater, Sohn und Schwiegersohn sind Handwerker und wollen, nachdem sie ihren Deutschkurs erfolgreich abgeschlossen haben, hier arbeiten. Der Schwiegersohn macht bereits ein Praktikum. Er hebt den Daumen und sagt: "Ihringen gut!" Da die Familie nicht dauerhaft in der Gemeindewohnung bleiben kann, suchen sie eine Vierzimmerwohnung, und zwar in Ihringen, denn in Ihringen fühlen sie sich jetzt schon zu Hause.