Schulhaus für Koakoaghin

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 18. Februar 2021

Emmendingen

Stiftung Brücke vernetzt Projekt mit Nähausbildungswerkstatt Ouahigouya .

(BZ). Mitten in der Savanne Burkina Fasos hat Stiftung Brücke in Koakoaghin ein neues Schulhaus errichtet. Damit kann sich die Abschlussklasse der Primarschule auf die weiterführende Schule vorbereiten. Drei junge Frauen, die im 250 Kilometer entfernten Ouahigouya eine ebenfalls von der Stiftung geförderte Schneiderinnenausbildung machen, lieferten Schulrucksäcke und Masken aus eigener Produktion.

"Vor einem Jahr haben wir um 10 000 Euro für das neue Schulhaus gebeten und pünktlich zum Schulbeginn im Herbst konnte die Klasse starten!", beschreibt Bettina Mühlen-Haas, Vorstand von Stiftung Brücke, in einer Presseinformation. In Koakoaghin, im Südosten Burkina Fasos, waren bereits drei Schulräume für die sechsjährige Primarschule in Betrieb. Der Staat bezahlt die Lehrkräfte – mittlerweile sind es fünf – sobald ein Schulhaus zur Verfügung gestellt wird. Der vierte Schulraum in einem eigenen Gebäude war nötig geworden, weil der Staat dies für die Abschlussklasse vor dem Übergang auf die weiterführende Schule fordert. 130 Kinder kommen jeden Tag in die Schule, drei von ihnen laufen dafür jeden Tag 18 Kilometer. Da die Schultaschen verschlissen waren, organisierte Stiftung Brücke eine Zusammenarbeit mit der Ausbildungsnähwerkstatt im 250 Kilometer entfernten Ouahigouya. Dort leben sieben junge Frauen in einer Wohngemeinschaft der Stiftung und lernen Nähen, medizinische Berufe oder werden Lehrerinnen. Die angehenden Schneiderinnen fertigten 130 Schulrucksäcke sowie 140 Mund-Nase-Masken aus Stoff.

Besonders erfreulich ist das Engagement der Eltern, die alle Analphabeten sind. Sie freuen sich, dass ihre Kinder eine Ausbildung erhalten, die auch ihnen eine neue Welt eröffnet. 2019 legten die Eltern auf dem Gelände der Schule ein Feld mit Getreide und Gemüse an, um die vom Staat geforderten Eigenleistungen an Nahrungsmitteln für die Schulkantine zu erwirtschaften.

Dazu kommen einkommenschaffende Maßnahmen für etwa 30 Frauen. Sie wollen mit Aufzucht und Verkauf von Hühnern das Schulgeld und Schulmaterial für ihre Kinder verdienen. Stiftung Brücke ermöglichte ihnen diese Geschäftsidee mit Kleindarlehen von je 50 Euro. So ist aus dem ersten Schulbau im Jahr 2012 ein kleines Dorfentwicklungsprojekt geworden.
Beim Schulgebäude half die ganze Elternschaft mit, zum Beispiel aus Sand und Zement Bausteine herstellen. Die komplizierten oder sicherheitsrelevanten Arbeiten übernahm ein Handwerksbetrieb. Ein Vater engagierte sich so, dass die Firma ihn als auszubildenden Maurer anstellte. Mittlerweile kann er mit dieser Stelle seine Familie ernähren. Die ersten neun Absolventinnen besuchen bereits die weiterführende Schule in Khogo, etwa zwölf Kilometer entfernt. Sie müssen meist bei dort ansässigen Verwandten wohnen, denn es gibt weder Straßen noch öffentliche Verkehrsmittel.

Die Stiftung Brücke wurde 2001 gegründet und hilft Menschen in Armutsregionen, sich selbst dauerhaft aus Armut zu befreien. Alle für die Stiftung tätigen Personen arbeiten ehrenamtlich, Spenden kommen ausschließlich den Betroffenen zugute.