Schutzmaßnahmen greifen

dpa

Von dpa

Fr, 20. März 2020

Panorama

In Afrika gibt es wieder mehr Spitzmaulnashörner, Breitmaulnashörner werden weiter stark gejagt.

GLAND (dpa). Die Population des Spitzmaulnashorns in Afrika hat sich nach den dramatischen Einbrüchen seit den 1970er Jahren leicht erholt. Zwischen 2012 und 2018 wuchs die Zahl der Tiere in der Wildnis von geschätzten 4845 auf 5630 Exemplare, wie die Weltnaturschutzunion (IUCN) am Donnerstag berichtete. Gleichwohl bleiben die Dickhäuter auch weiterhin vom Aussterben bedroht.

Der Verband mit 1300 Mitgliedsorganisationen weltweit hat die Rote Liste der bedrohten Arten aktualisiert. Die Experten haben seit Dezember 2019 fast 4000 weitere Tier- und Pflanzenarten beurteilt. Insgesamt umfasst die Liste heute 116 177 Arten. 31 030 gelten als gefährdet, etwa 850 mehr als im Dezember.

Die Erholung des Spitzmaulnashorns zeige, dass Schutzanstrengungen funktionierten, sagte die amtierende IUCN-Generaldirektorin Grethel Aguilar. In den Bemühungen nachzulassen wäre aber gefährlich, meinte sie: "Wilderei und illegaler Handel bleiben akute Bedrohungen." Wichtig sei es, dass die ortsansässige Bevölkerung an Schutzprogrammen beteiligt sei und davon profitiere.

Die Weltnaturschutzunion wehrte sich im Februar gegen Vorwürfe, sie stehe unter ungebührlichem Einfluss von Trophäenjägern oder Herstellern etwa von Lederwaren. Vertreter von Jagdverbänden versuchten in einflussreichen IUCN-Gremien, Jagdrechte auch bei bedrohten Arten auszuweiten, hieß es im einem Artikel der Webseite Buzzfeed. Der Verband teilte dazu mit, dass gut regulierte Jagd eine positive Rolle beim Naturschutz spiele. So könnten mit dem Geld aus Jagdlizenzen Wildhüter engagiert werden, die Bestände schützen.

Die Unterart Südwestliches Spitzmaulnashorn hat sich so weit erholt, dass die IUCN sie in ihrer aktualisierten Roten Liste der bedrohten Tiere jetzt von "gefährdet" auf Kategorie "potenziell gefährdet" herabstufte. Vom Breitmaulnashorn gibt es zwar mehr Exemplare, aber der Trend ist bedrohlicher. Zwischen 2012 und 2017 sei die Zahl um 15 Prozent auf 18 000 gesunken. Das Wachstum der Population in den fünf Jahren davor sei praktisch zunichte gemacht worden. Problem sei vor allem die Wilderei im Kruger-Nationalpark in Südafrika. Dort lebt die größte Population. Das nördliche Breitmaulnashorn sei in der Wildnis wohl bereits ausgestorben.

Das Breitmaulnashorn mit seinem größeren Horn sei bei Wilderern beliebter, so die IUCN. Das Horn gilt gerieben etwa in Vietnam und China als Heilmittel gegen Krebs, medizinische Hinweise dafür gibt es nicht. Während 2015 noch nach Schätzungen etwa 1450 Nashörner gewildert wurden, waren es 2018 noch knapp 900, so die IUCN. Vorläufige Zahlen für das vergangene Jahr deuteten auf einen weiteren Abwärtstrend.