Brandenburger Tor

Dieser Landwirt aus Nonnenweier war beim Bauernprotest in Berlin dabei

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Mi, 27. November 2019 um 18:30 Uhr

Schwanau

Von Buhrufen und Gänsehautmomenten: Thomas Frenk aus Nonnenweier war beim Bauernprotest am Brandenburger Tor.

Bauern aus ganz Deutschland haben am Dienstag in Berlin gegen die Agrarpolitik protestiert. BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger hat den Landwirt Thomas Frenk gefragt, wie er die Proteste erlebte, zu denen laut Veranstalter 40 000 Teilnehmer kamen.

BZ: Herr Frenk, eine zentrale Forderung der Bauern lautete: Sprecht mit statt über uns. Gehört dazu nicht auch, dass man der Umweltministerin Svenja Schulze zuhört und sie nicht ausbuht?

Frenk: Die ersten vier Minuten ihrer fünfminütigen Rede war es mucksmäuschenstill. Aber sie zeigte keine Einsicht auf unsere Kritik hin, dass die neue Düngeverordnung zu pauschal ist und auf ungerechten Fakten basiert.

BZ: War für Sie die Rede der Agrarministerin Julia Klöckner überzeugender?

Frenk: Sie hat viel geredet, hat aber ohne Zugeständnisse. Das war enttäuschend.

"Das Papier wollen wir uns nicht bieten lassen." Thomas Frenk

BZ: Wie fanden Sie die Atmosphäre bei der Demo?

Frenk: Rund 9000 Traktoren in der Stadt und 3000, die laut Polizei nicht mehr reingelassen werden konnten – da läuft einem die Gänsehaut hoch und runter. So ein Protest ist noch nie da gewesen.

BZ: Jetzt ist die Demo vorbei und die Politik hat Gespräche angekündigt. Werden Sie als ein Pressesprecher der initiierenden Bewegung "Land schafft Verbindung" an Gesprächen teilnehmen?

Frenk: Nein. Die Landwirte in Baden-Württemberg sind neben dem Agrarpaket der Bundesregierung mit dem Eckpunktepapier des Landes beschäftigt, mit dem die Regierung auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" reagiert hat. Das Papier wollen wir uns nicht bieten lassen.

"Es war eine Gewaltaktion."

BZ: Planen Sie dazu auch eine Demo?

Frenk: Es ist zu früh, um das zu sagen. Wir sind noch ein bisschen gerädert von Berlin. Noch sind nicht alle zu Hause angekommen. Ein Kollege vom Kaiserstuhl ist fast den ganzen Weg mit seinem Schmalspurschlepper gefahren. Der wird sich erst mal die Bandscheiben sortieren lassen müssen (schmunzelt).

BZ: Sie selbst sind mit dem Bus gefahren. War das komfortabler?

Frenk: Es war eine Gewaltaktion. Nach einem Arbeitstag bin ich um 20.30 Uhr in den Bus gestiegen. Dann tauscht man sich bis in die Nacht aus und steigt um 7 Uhr in Berlin aus. Dort war’s kalt und windig.



BZ: Hat es sich aus Ihrer Sicht gelohnt?

Frenk: Wir haben vermutlich die größte Demo auf die Beine gestellt, die es je in der Landwirtschaft gab und alles blieb friedlich. Vor allem sind wir unserer Meinung nach positiv rübergekommen und die Bevölkerung ist ins Nachdenken über die Landwirtschaft gekommen.
Thomas Frenk (42) ist Pressesprecher von "Land schafft Verbindung" für Baden-Württemberg. Der Nonnenweirer Landwirt ist verheiratet und hat drei Kinder.