Bedenken gegen Rundwanderweg Laufenburger Acht

Schweizer Anwohner wollen deutsches Biotop schützen

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Fr, 24. Mai 2019 um 12:48 Uhr

Laufenburg

Zerstörung eines Biotops, Trittschall, "allzu ausufernde" Benutzung: Drei Bewohner der Schweizer Altstadt erklären ihre Bedenken gegen die Pläne für die grenzüberschreitende Laufenburger Acht

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Laufenburger Acht." Dies betonten die drei Altstadtbewohner Tino Brütsch, Bettina Zinder und Leo Balmer aus Laufenburg/Schweiz, als sie im Gespräch mit der Badischen Zeitung ihre Bedenken gegen den Bauabschnitt II auf der badischen Seite (von der Fischerhütte bis zur Codmananlage) erläuterten. Ihre Kritikpunkte: eine Störung des Biotops am Rheinufer, eine aus ihrer Sicht nicht überzeugende bauliche Gestaltung und eine mangelnde Informationspolitik.

Die Laufenburger Acht ist ein Rundweg, bei dem die Besucher die Möglichkeit bekommen sollen, auf beiden Ufern entlang des Rheins zu wandern und dabei in Form einer Acht den Fluss drei Mal zu überqueren. Als Brütsch bei der Informationsveranstaltung im April seine Bedenken äußerte, sei erstmals deutlich geworden, dass viele Bürger aus der Schweiz gar nichts über dieses wichtige Projekt wüssten. "Wir haben mit Altstadtbewohnern gesprochen, und es zeigte sich, dass auf Schweizer Seite niemand Informationen bekommen hatte", so Brütsch. Immerhin sei er einmal von Bürgermeister Ulrich Krieger angerufen worden, "aber dabei blieb es dann auch." Überrascht zeigen sich die drei auch, dass die Laufenburger Acht wegen ihres grenzüberschreitenden Charakters zwar als Interreg-Projekt von der Europäischen Union gefördert werde, die beiden Städte ihre Pläne aber jeweils alleine voranzutreiben schienen. Fakt ist: Zum Projekt gibt es einen Ausführungsvertrag der Städte mit Interreg.

Auf der Schweizer Seite lässt sich der Rundweg leicht herstellen, auf deutscher Seite ist gerade der Bauabschnitt zwischen Fischerhütte und Codmananlage anspruchsvoll, weil dort zwei Uferstege und Hängeseilbrücken geplant sind, die durch ein Biotop am Rheinufer führen. "Dieses Biotop ist in mehr als 100 Jahren gewachsen, es gibt dort Eisvögel, Nachtigallen und Fledermäuse, außerdem alte Bäume, die die Silhouette prägen", erklärt Ökologin Bettina Zinder. Zwar seien Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen, aber bis dort etwas Vergleichbares entstehe, dauere es wieder 100 Jahre. Um das Biotop zu schonen, könne der Weg über Bahnhof- und Zimmermannstraße geführt werden (wo freilich ein Radweg entlangführt). "Wenn man das Geld hat und es für die Acht ausgeben will, dann gibt es bessere Alternativen", sagt Brütsch.

Auch von der architektonischen und ästhetischen Qualität der Brücken und Stege ist der Architekt und Bauberater des Aargauischen Heimatschutzes, Leo Balmer, nicht überzeugt: "Die Vorarbeit war undurchsichtig, für ein so wichtiges Projekt wäre ein Wettbewerb unter Einbeziehung von Architekten und Landschaftsplanern der bessere Weg gewesen." Gerade an dieser sensiblen Stelle, in unmittelbarer Nachbarschaft der Altstadt, komme es sehr auf die baulichen Details an, und diese seien anhand der Visualisierungen, die das Ingenieurbüro Tillig vorgelegt habe, nicht ersichtlich.

Die Warnung vor "allzu ausufernder" Benutzung

Zudem fragen die drei, wie man mit durch Trittschall verursachtem Lärm und solchen Besuchern umgehen solle, die den Rundweg "allzu ausufernd" (Brütsch) nutzen würden. Von seinem Balkon aus kann man erleben, dass Wasser ein hervorragender Reflektor ist. "Wenn sich Leute auf der anderen Seite des Rheins am Bahnhof unterhalten, verstehe ich hier jedes Wort", berichtet Brütsch und fragt: "Ist es wirklich klug, etwas zu bauen, wenn Nutzungskonflikte vorprogrammiert sind."

Auch bezweifeln die Altstadtbewohner den touristischen Mehrwert. Um diesen abzuschätzen, hätte man auswärtige Touristikern und die Betroffenen befragen sollen. "Die Laufenburger Acht ist wohl mehr eine Erlösungshoffnung für den Laufenburger Tourismus, als dass sie eine echte Grundlage für einen Mehrwert böte", resümiert Brütsch.