Sehnsucht nach dem vermaledeiten 24. Titel

dpa

Von dpa

Di, 01. September 2020

Tennis

Serena Williams will bei den US Open mit der Australierin Margaret Court gleichziehen.

So richtig in Plauderlaune war Serena Williams vor ihren Jubiläums-US-Open nicht. Es sei ein "chaotisches Jahr", sagte die 38 Jahre alte US-Amerikanerin vor einem der bislang wohl ungewöhnlichsten Grand-Slam-Turniere der Tennis-Historie. Über die von Novak Djokovic geplante revolutionäre Gründung einer neuen Spielervereinigung wisse sie zu wenig, um sich darüber zu äußern. Dass Naomi Osaka zuletzt zu ihrem Halbfinale zunächst nicht angetreten war, um damit gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren, sei deren Entscheidung gewesen, sagte Williams.

Am Dienstag wird die in Saginaw im US-Bundesstaat Michigan geborene Ausnahmeathletin zum 20. Mal im Flushing Meadows Corona Park aufschlagen. Und erneut einen Angriff auf den Grand-Slam-Rekord und Titel Nummer 24 bei einem der vier bedeutendsten Turniere starten. Sicher im Arthur-Ashe-Stadium, der größten Arena, die ihr Sport zu bieten hat. Aber ohne das Popcorn-Geraschel der viel zu lauten Fans, ohne Video-Clips von sich unter Sponsoren-Logos küssenden Menschen auf den Tribünen und auch ohne lärmende Klatschpappen-Aufmunterung.

Wegen der Coronavirus-Pandemie werden die US Open ohne Zuschauer und unter strengen Hygiene- und Sicherheitsauflagen ausgetragen. Dass sie überhaupt stattfinden, schien vor Wochen noch undenkbar. Doch nun steht Serena Williams zum 20. Mal in der US-Open-Meldeliste. Gleich in ihrem zweiten Jahr 1999 schnappte sie sich die Trophäe, es folgten weitere fünf US-Open-Titel, sieben Wimbledon-Triumphe, sieben Australian-Open-Gewinne und drei French-Open-Krönungen.

Bei 23 Grand-Slam-Turnieren hat es Serena Williams bislang geschafft, kein Match zu verlieren, nur Margaret Court aus Australien hat mehr (24). Für die jüngere der beiden Williams-Schwestern gilt die zuweilen inflationär gebrauchte Phrase "Sie hat in ihrer Sportart alles erreicht, was es zu erreichen gibt" wie für nur wenige Profis. Und doch kann und will Serena Williams nicht ruhen, nicht aufhören. Die Sehnsucht nach diesem vermaledeiten 24. Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere treibt sie an. "Offensichtlich bin ich nie zufrieden. Das ist die Geschichte meiner Karriere", sagte die aktuelle Nummer acht der Weltrangliste kurz vor dem Turnierstart.

Angelique Kerber aus Kiel hat bei den US Open ihr Auftaktmatch am Montag gegen Ajla Tomljanovic (Australien) 6:4, 6:4 gewonnen. Für Kerber war es der erste Auftritt seit dem Achtelfinal-Aus im Januar bei den Australian Open. Die Männer-Partie Dominik Koepfer (Furtwangen) - Taylor Harry Fritz (USA) dauerte bei Redaktionsschluss an.