Sehnsucht nach Kita-Alltag

bz, mkt

Von BZ-Redaktion & Kurt Meier

Mo, 11. Mai 2020

Elzach

Wie Erzieher und Kinder Zusammenhalt beweisen / Zwei Beispiele aus Prechtal und Yach.

ELZACH (BZ/mkt). Die vielen Einschränkungen und Veränderungen dieser Zeit machen auch vor den Jüngsten nicht Halt. Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Viele Menschen fragen sich, was nun im Kindergarten vor sich geht, wenn doch gar keine Kinder da sind?

Der Alltag im katholischen Kindergarten St. Konrad in Prechtal ist ein ganz anderer als gewohnt. Wo sonst viele Kinder spielen, toben, lachen, lernen und ihren Tag in der Gemeinschaft verbringen, ist es nun ungewöhnlich still. Einige wenige Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten beziehungsweise Präsenzpflicht an ihrem Arbeitsplatz haben, werden derzeit in einer Notfallgruppe von ihren vertrauten Erzieherinnen betreut. Sie erleben hier eine ganz besondere Kindergartenzeit mit individueller Begleitung und viel Raum für eigene Ideen.

Zugleich wird die Zeit der Schließung intensiv genutzt, um fällige Sanierungsarbeiten im Gebäude vorzunehmen. So wurden zum Beispiel in zwei Gruppenräumen die Böden durch eine ortsansässige Fachfirma erneuert und passende Teppiche angeschafft. Auch die Erzieherinnen nutzen die Arbeitszeit ohne Kinder, um die Einrichtung auf Vordermann zu bringen. In sämtlichen Räumen wurde aufgeräumt, ausgemistet, repariert, geputzt, das Spielzeug gepflegt, Altes und Ausgedientes entsorgt sowie Neues angeschafft, heißt es in einer Pressemitteilung der Kita.

Die pädagogische Arbeit stehe dennoch im Vordergrund. Die Erzieherinnen nehmen sich immer wieder Zeit für den Austausch, die Planung und Überarbeitung pädagogischer Konzepte. Beispielsweise gehen jede Woche aktuelle E-Mails mit Sachinformationen an die Eltern heraus, aber auch mit kleinen Anregungen, Spiel- und Bastelideen für zu Hause, Geschichten und Liedern passend zur Jahreszeit und zu den Festen. Besonders große Freude haben die Kinder an einem selbstgedrehten Video, in dem die Kuscheltiere der einzelnen Gruppen von ihrem Alltag im Kindergarten erzählen. Zu Hause dürfen die Kinder als kleines Symbol der Gemeinschaft einen Stein bemalen und beim Kindergarteneingang ablegen. Diese Möglichkeit haben schon viele Familien genutzt und es entsteht ein wunderschönes Werk aus vielen, individuell gestalteten Steinen. In Form von Emails, Briefen, selbstgemalten Bildern und kleinen Videobotschaften haben sich schon viele Familien im Kindergarten gemeldet und so ist zumindest ein bisschen Kontakt möglich.
Zu Ostern hoppelte der Osterhase zu jedem Kind und stellte eine kleine Osterüberraschung vor der Tür ab und auch die Eltern dürfen sich in diesem Jahr auf eine kleine Überraschung vom Kindergarten freuen. Eltern haben bei Bedarf auch die Möglichkeit, einen telefonischen Gesprächstermin zu vereinbaren und aktuelle Themen, die ihr Kind betreffen, mit der Bezugserzieherin zu besprechen. Nicht zuletzt wird auch schon jetzt vieles für den Neustart nach der Kindergartenschließung vorbereitet. Die Kinder sollen sich vom ersten Tag an wieder wohlfühlen in ihrem Kindergarten, wenn sie ihn dann endlich wieder mit Leben füllen dürfen.

Auch im Yacher Kindergarten Bruder Klaus arbeitet man nach dem Motto "Wir halten zusammen, auch wenn wir uns zur Zeit nicht jeden Tag im Kindergarten sehen können". Eine der Initiativen der sieben Erzieherinnen und Erzieher im derzeit von Corona bestimmten Alltag ist die "Herzaktion".

Seit dem 13. März ist der Kindergarten Bruder-Klaus in Yach geschlossen. Erst Anfang Mai nahm eine Notgruppe ihren Betrieb auf. Trotzdem "wollen wir allen unseren Kindern das Gefühl geben, dass wir sie nicht vergessen haben, dass wir für sie da sind", sagt Kindergartenleiterin Laura Scherer. Und so gestalten sie den Alltag der Kinder, die zwangsweise zuhause bleiben müssen, ein Stückweit mit: mit Briefen, Anrufen, Spielvorschlägen und Aktionen.

Regelmäßig wird eine Kindergartenzeitung gedruckt. Geburtstagskinder werden mit einer Geschenktüte beglückt. Auch zum Mutter- und zum Vatertag gab und gibt es besondere Überraschungspakete. "Das bringen wir dann immer zu den Kindern nach Hause", so Erzieherin Silke Wisser. "Entweder wir stecken’s in den Briefkasten, oder übergeben es an der Haustür – immer mit Abstand natürlich". "Es tut schon weh, die Kinder nicht in den Arm nehmen zu können", bekennt Laura Scherer. "Wir vermissen unsere Kinder sehr".

Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl soll, so gut es geht und trotz der vorgeschriebenen räumlichen Distanz, erhalten bleiben. Die Idee für die "Herzaktion" ist folgende: Jedes Kind sollte zuhause ein buntes Herz malen. Dabei wurden der Fantasie keine Grenzen gesetzt. "Alle 45 Kinder unseres Kindergartens haben mitgemacht", freut sich Silke Wisser. "Es sind echt tolle Bilder entstanden", so Laura Scherer. Die sind es wert, ausgestellt zu werden, war man sich einig – und so wurden die Bilder laminiert und zu Collagen zusammen gestellt. Diese wurden auf Holztafeln aufgeklebt, die von einem ortsansässigen Handwerksbetrieb gespendet und auf Maß zugeschnitten wurden. Der städtische Bauhof lackierte sie und stellte die Tafeln an vier verschiedenen Standorten in Yach auf. "Das sind echte Hingucker", freut sich nicht nur das Kindergartenteam. Auch die kleinen Künstler selbst sind stolz auf ihre Werke.

Wie geht es weiter im Kindergarten in Yach? "Wir wissen es noch nicht", so Laura Scherer. Die von der Landesregierung angekündigten Lockerungen gäben allerdings Hoffnung. Noch gebe es keine konkreten Vorgaben, wie der Betrieb wieder aufgenommen werden soll. Aber "wir bereiten uns drauf vor, so gut wir können", um für den Tag X gerüstet zu sein. "Wir alle freuen uns jedenfalls schon sehr darauf!"