Seit jeher ein beliebtes Symbol der Hoffnung

Angelika Prauß

Von Angelika Prauß (KNA)

Mo, 27. April 2020

Panorama

Nicht nur zu Corona-Zeiten hat der Regenbogen Konjunktur, schon die Germanen sahen in ihm eine Verbindung zu den Göttern.

In Fenstern und auf Asphalt gemalt sieht man ihn derzeit häufig: den Regenbogen. Die fröhlich-bunten Zeichnungen mahnen, zu Hause zu bleiben und auf bessere Zeiten zu hoffen.

Einen Regenbogen zu sehen, macht immer gute Laune. Und seit jeher sind Menschen von dem Naturschauspiel fasziniert. Fast greifbar, doch weit weg, verschwinden die mal kräftigen, mal zarten Farbbögen nach wenigen Minuten. Auch wenn der April 2020 mit einer ausgesprochen Schönwetterperiode glänzt – normalerweise ist der Monat bekannt für seine Wetterkapriolen. Damit verbunden sind häufige Wechsel von Sonne und Regen – und damit auch Regenbögen. Nicht ohne Grund begeht man in den USA den 3. April als "Find a Rainbow Day" – "Finde-einen-Regenbogen-Tag".

Seit der französische Philosoph René Descartes 1649 und später Wissenschaftler wie Isaac Newton die physikalischen Erklärungen geliefert haben, ist bekannt, dass ein Regenbogen durch Brechung und Reflexion von Sonnenlicht in den einzelnen Regentropfen entsteht. Doch trotz aller wissenschaftlicher Erklärung schöpfen Menschen aus dem Zeichen des Regenbogens seit jeher auch innere Kraft und Zuversicht. Die Germanen haben den geheimnisvollen Lichtbogen, der Boden wie Himmel berührt, als Brücke zwischen Göttern und Menschen gesehen. In der Bibel gilt der Bogen als Zeichen des Bundes zwischen Mensch und Gott. So gibt dieser nach der großen Sintflut den Überlebenden ein Zeichen seiner Treue und der Versöhnung mit seinen Geschöpfen für alle Zeiten. "Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache", heißt es im Alten Testament.

Wie auch immer man ihn deuten mag – heute drückt die Beliebtheit des Regenbogens wohl auch eine Sehnsucht nach Trost und einer besseren Welt aus. Das Symbol wird immer wieder neu interpretiert, etwa in der mit Regenbogen unterlegten Pace-Fahne. Die Idee dazu hatte 2002 im Vorfeld des drohenden Irak-Kriegs ein italienischer Ordensmann. So bunt und schillernd wie den Regenbogen nehmen Homo-, Bi- und Transsexuelle ihre geschlechtliche Identität wahr und haben den farbenfrohen Bogen daher zu ihrem Erkennungszeichen gemacht.

Die Musikwelt hat dem Wetterphänomen mit "Over the Rainbow" ein Denkmal gesetzt. Erstmals sang 1939 Judy Garland in der Filmmusik von "Der Zauberer von Oz" den Titel. Im Zweiten Weltkrieg verkörperte das Lied für viele Soldaten die Sehnsucht nach der Heimat. Zuletzt eroberte die Fassung des 1997 gestorbenen hawaiianischen Künstlers Israel Kamakawiwo’ole die Herzen und Ohren vieler Musikfans. Vielleicht lädt er gerade jetzt dazu ein, sich in den eigenen vier Wänden an einen Ort fernab von Corona zu träumen, "where troubles melt like lemon drops", wo Sorgen dahinschmelzen wie Limonendrops.