Kanzlerfrage

Sie sollten auf Platz, nicht auf Sieg setzen

Dieter Körschges

Von Dieter Körschges (Freiburg)

Di, 20. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Söder punktet, Laschet nicht", Beitrag von Norbert Wallet und Christopher Ziedler (Politik, 14. April)

Kluge Politiker zeichnet ein Weitblick aus, um schwierige Situationen zu meistern. Bei der Frage, wer Kanzlerkandidat der CDU/CSU für die nächste Bundestagswahl im Herbst werden soll, kann den beiden Kandidaten Söder (CSU) und Laschet (CDU) ein Blick in ihre nächste Umgebung empfohlen werden. Nur einen Steinwurf von Laschets Wohnort Aachen entfernt liegt das Städtchen Würselen, der Wohnort von Martin Schulz. Dieser wurde von der SPD-Fraktion 2017 einstimmig zum Kanzlerkandidaten gewählt. Ergebnis: Die SPD verlor die Bundestagswahl 2017 krachend. Nur einen Steinwurf von der Münchner Residenz des Ministerpräsidenten Söder entfernt liegt Wolfratshausen – der Wohnsitz des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Dem bot 2002 die damalige CDU-Vorsitzende Angela Merkel die Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2002 an (Weitblick?). Kanzler wurde der SPD-Mann Gerhard Schröder.

Ist es vor diesem Hintergrund den beiden potenziellen Unionskandidaten nicht zu empfehlen, auf Platz und nicht auf Sieg beim momentanen Rennen der beiden um die Kandidatur zu setzen? Der Unionszweite des gegenwärtigen Ausscheidungsrennens kann dann nach der Bundestagswahl im Herbst verkünden: Mit mir wäre das nicht passiert!

Übrigens: Diese Überlegungen lassen sich nicht eins zu eins auf die Diskussion der Grünen um ihren Kanzlerkandidaten beziehungsweise um ihre Kanzlerkandidatin übertragen. Dieter Körschges, Freiburg