Slowenische Tour-Dominanz

dpa

Von dpa

Mo, 14. September 2020

Radsport

Primoz Roglic und Tadej Pogacar dominieren die 15. Etappe und hängen Vorjahressieger Egan Bernal ab / Simon Geschke fährt stark.

Als sich die Slowenen Primoz Roglic und Tadej Pogacar auf dem großen Podium in 1501 Metern Höhe abwechselnd die vielen Ehrungen abholten, war der geschlagene Titelverteidiger Egan Bernal bereits auf dem Weg ins Tal. Beim Doppelsieg des wie entfesselt fahrenden Slowenien-Express’ war der kolumbianische Champion von 2019 der große Verlierer.

7:20 Minuten – eine halbe Ewigkeit im Radsport – kassierte Bernal am Sonntag auf den verwaisten Rampen des Grand Colombier auf Tagessieger Pogacar und Gelbträger Roglic und büßte alle Chancen auf den Gesamtsieg der 107. Tour de France ein.

Alles läuft auf einen Zweikampf der beiden Slowenen hinaus. Pogacar rückte nach der 15. Etappe in der Gesamtwertung dank der Bonussekunden bis auf 40 Sekunden an Spitzenreiter Roglic heran und zeigte sich gleich in Angriffslaune: "Im Moment scheint er nicht zu stoppen zu sein. Aber vielleicht gibt es einen Tag, an dem er Schwächen zeigt", sagte Pogacar. Zuvor hatte der 21 Jahre alte Tour-Debütant bei der ungewöhnlichen Kletterpartie über 17,4 Kilometer mit durchschnittlich 7,1 Prozent Steigung, bei der keine Zuschauer wegen der Corona-Pandemie erlaubt waren, seinen Landsmann kurz vor dem Zielstrich noch übersprintet.

Roglic bleibt im Gesamtklassement nach 2648,5 Kilometern aber in Führung, den kleinen Sekundenverlust kann der frühere Skispringer verschmerzen. "Wir sind da, wo wir sein wollen. Wir haben die Etappe beherrscht. Ich muss den Hut vor meiner Mannschaft ziehen. Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist", sagte Roglic. Der 30-Jährige zeigt mit seinem Super-Team Jumbo-Visma bislang nicht den Hauch einer Schwäche. Die kolumbianischen Kletterspezialisten um Bernal sind dagegen zunehmend demoralisiert. Auch der zweimalige Tour-Zweite Nairo Quintana verlor fast vier Minuten. "Ich kümmere mich nicht um die Anderen. Ich schaue nur auf mich. Das ist die Taktik", sagte der wortkarge Roglic.

Es läuft alles darauf hinaus, dass Roglic seine verblüffende Metamorphose vom Skispringer zum Toursieger zu einem krönenden Ende bringen wird. Seit dem Wiederbeginn nach der Corona-Pause fährt der Slowene der Konkurrenz davon. Auf dem Colombier wurde er zwar noch von Pogacar übersprintet, doch der 30-Jährige hat noch das Bergzeitfahren am vorletzten Tour-Tag in den Vogesen in der Hinterhand.

Die deutschen Asse spielten beim Schlagabtausch zur "Pyramide von Bugey" hinauf nur eine Nebenrolle. Emanuel Buchmann hat immer noch nicht sein altes Niveau erreicht und konnte im Kampf um den Tagessieg nicht eingreifen. Auch von Lennard Kämna gab es nach dem "Kraftakt" der zurückliegenden beiden Tage keine Heldentaten mehr zu sehen.

Dafür hat sich der Mann mit dem Rauschebart zurückgemeldet: Der in Freiburg lebende Simon Geschke, der vor fünf Jahren eine Tour-Etappe in Pra-Loup gewann, war in einer Ausreißergruppe unterwegs. Der 34-Jährige beendete die 15. Etappe als 35. und schnellte in der Gesamtwertung um zehn Plätze auf Rang 66 nach vorn.

Die Sorgen vor dem Coronavirus sind indes weiter ein ständiger Begleiter der Rundfahrt. Am Samstag wurden in Frankreich erstmals mehr als 10 000 Neuinfektionen vermeldet, auch der Tourchef Christian Prudhomme befindet sich nach einem positiven Test weiterhin in Quarantäne. Noch gehen die Verantwortlichen davon aus, dass sie Paris erreichen werden.

Tour am Montag: Ruhetag.