Mobilität in der Krise

So soll das 9-Euro-Ticket in allen Nahverkehrsnetzen funktionieren

Otto Schnekenburger, Wolfgang Mulke & dpa

Von Otto Schnekenburger, Wolfgang Mulke & dpa

Do, 14. April 2022 um 18:38 Uhr

Deutschland

Wann kommt das Neun-Euro-Ticket? Was soll es bringen? Wie wird es finanziert? Und was gilt dann für Zeitkarten-Abonnenten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ein drei Monate geltendes Neun-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr gehört zum Entlastungspaket, das die Ampel-Koalition wegen der hohen Energiepreise plant. Diese Rahmenbedingungen stehen mittlerweile fest.

Wann soll das Ticket kommen?
Zum 1. Juni. Damit werden auch in den Sommerferienmonaten Juli und August Neun-Euro-Tickets verfügbar sein. Wegen des Gesetzgebungsprozesses sei der 1. Juni der frühestmögliche Zeitpunkt, hieß es in Berlin. Am am 20. Mai soll der Bundesrat letztlich grünes Licht geben.

Wie kann man sich die praktische Umsetzung des Tickets vorstellen?
Das Ticket soll online erwerbbar sein. Es soll auch über die Navigator-App der Deutschen Bahn und am Schalter erhältlich sein. Der Vertrieb wird derzeit noch vorbereitet, doch ab wann Tickets gekauft werden können, steht noch nicht fest. Das Ticket kostet pro Monat neun Euro. Es gilt nicht monatsübergreifend, sondern immer bis zum Ende des Monats, in dem es erworben wurde. Vermutlich wird es nicht an den Fahrkartenautomaten zu kaufen sein: Damit will man vermeiden, diese umrüsten zu müssen.

Wo soll das Ticket gelten?
Das Ticket soll bundesweit für alle Nahverkehrsmittel gültig sein. Eine regionale Beschränkung wurde als unpraktikabel verworfen. Es hat in Bussen und Bahnen sowie in den Regionalzügen Gültigkeit. Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet daher überfüllte Regionalzüge.

Was ist mit dem Vorschlag, ein Nulltarif-Ticket anzubieten?
Die Ampel-Koalition hat sich dagegen entschieden. Ein kostenloses Ticket hätte viele Nachteile, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium. Die Verkehrsunternehmen würden keine Informationen über die zusätzlichen Nutzer erhalten. Doch diese würden benötigt, um den Verkehr besser disponieren zu können und so Überlastungen, die durch zusätzliche Nutzer entstehen könnten, zu vermeiden. Man werde in den 90 Tagen genau beobachten, welche Auswirkungen vergünstigte Tickets auf das Nutzerverhalten haben. Die Ergebnisse sollen in eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines Ausbau- und Modernisierungspaktes für den ÖPNV einfließen.
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Was haben Monatsticket-Nutzer vom Neun-Euro-Ticket?
Zeitkarten-Abonnenten sollen eine Gutschrift oder eine Erstattung für die Differenz zwischen ihrem Abopreis und dem Neun-Euro-Ticket bekommen. Diese soll von den Verkehrsunternehmen verrechnet werden. Im jeweils eigenen Verkehrsverbund sollen auch die gewohnten Vergünstigungen wie bei der Fahrradmitnahme fortgelten. Niemand sollte sein Abonnement für diesen Zeitraum kündigen. Auch Inhaber von vergünstigten Semestertickets sollen profitieren, hier gibt es aber noch Klärungsbedarf.


Was soll das Ticket leisten?
Neben der Entlastung der Bürger, die gerade mit Preissteigerungen in mehreren Lebensbereichen zu kämpfen haben, verspricht sich Verkehrsminister Volker Wissing von der Einführung "als Hauptzielrichtung" Energieeinsparungen durch den Umstieg von Bürgern vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr.

Wie wird die Maßnahme finanziert?
Der Bund ist bereit, die Mindereinnahmen von geschätzt 2,5 Milliarden Euro zu übernehmen. Es wurden für diese Schätzung 30 Millionen Tickets veranschlagt.