Sonnendächer für Stromer

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger (dpa)

Sa, 20. Februar 2021

Auto & Mobilität

Solarzellen im Dienst der Elektromobilität.

Im Schatten parken? Nö, wenn es nach manchem Autohersteller geht, dann stellen Autofahrer ihren Wagen künftig besser in der prallen Sonne ab. Ingenieure setzen dabei auf Solarzellen.

Solarenergie fürs Autos ist nicht ganz neu. Aber als vor über 20 Jahren erste Autohersteller Solarmodule in den Schiebedächern ihrer Luxuslimousinen integrierten, lieferten die allenfalls genügend Strom für den Standlüfter. Beim Ringen um maximale Reichweite bei E-Autos will man nun die Sonne stärker anzapfen.

Das ist weder Spinnerei, noch Spielerei, heißt es beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg: "Um eine CO2-freie Energieversorgung in allen Sektoren zu realisieren, müssen wir den Ausbau der Photovoltaik massiv vorantreiben, auch jenseits von Hausdächern und Freiflächen", sagt Institutsleiter Andreas Bett.

Das Start-up Sono Motors hat seinen Kleinwagen Sion als erstes selbstladendes Elektroauto proklamiert. Wenn der Wagen nächstes oder übernächstes Jahr ab 25 500 Euro in den Handel kommt, sind in der Karosserie kaum sichtbar knapp 250 Solarzellen integriert. Über sie kann der Sion laut Hersteller bei gutem Wetter Strom für bis zu 35 Kilometer am Tag nachladen. Ansonsten bleibe immer noch die Steckdose für den Akku.

In den Niederlanden hat ein weiteres Start-up im letzten Jahr den deutlich schnittigeren und für die Langstrecke konzipierten Lightyear One vorgestellt. Das flache und strömungsgünstige Coupé trägt nach Herstellerangaben fünf Quadratmeter Solarzellen auf dem Blech – genug für bis zu 70 zusätzliche Kilometer am Tag. Der Verkauf des Viertürers mit so bis zu 725 Kilometer Reichweite soll noch in diesem Jahr für knapp 180 000 Euro starten.

Dritter im Bunde der Sonnentanker ist das amerikanische Start-up Aptera. Das tüftelt seit einigen Jahren an einem eigenwilligen Dreirad mit extrem niedrigem Luftwiderstand und hat dessen Elektroantrieb mittlerweile ebenfalls um Solarpanels ergänzt. Mit einer Fläche von drei Quadratmetern sollen die 180 Zellen pro Jahr den Strom für knapp 20 000 Kilometer vom Himmel holen. Das soll die allermeisten Kunden ohne Zwischenstopp an der Steckdose durchs Leben bringen, schwärmt Firmenchef Chris Anthony. Die Preise für den wie ein Flugzeug ohne Tragflächen gestalteten Kleinwagen sollen je nach Antrieb und Ausstattung zwischen 25 000 und 50 000 US-Dollar liegen. Die Produktion soll noch in diesem Jahr beginnen.

Auf Sonnenenergie schwören aber auch etablierte Großserienhersteller. Toyota etwa bietet den Prius Plug-in mit einem Solardach an. Laut Hersteller sorgt es für fünf weitere Kilometer elektrische Fahrt am Tag. Bei 200 Sonnentagen im Jahr kämen damit mehr als 1000 Kilometer zusammen. Auch Hyundai baut solche Technik in sein US-Modell Sonata ein. Wenn die Koreaner im Sommer mit dem Ioniq 5 ihre neue Elektromarke starten, wird der Stromer dem Vernehmen nach ebenfalls ein Solardach für mehr Reichweite tragen.

In Japan experimentiert Toyota bereits mit deutlich größeren Flächen. Allerdings sehen die Prototypen nicht sonderlich elegant aus. Das muss nicht sein, sagen sie beim Fraunhofer-Institut und verweisen stolz auf ein selbst entwickeltes Solardach, das sich in beliebigen Farben individuell lackieren lässt und so nahezu unsichtbar wird. Bei einem Mittelklasse-Fahrzeug soll es Strom für bis zu zehn Kilometer pro Tag erzeugen.