Das hat Haut gekostet

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Von dpa

Mi, 14. August 2019

Sonstige Sportarten

Deutscher Coup bei Kletter-WM: Der 19-jährige Yannick Flohé aus Aachen gewinnt Boulder-Bronze.

HACHIOJI (dpa). Mit blutenden Fingerkuppen und einem beeindruckenden Kraftakt hat Yannick Flohé bei der Kletter-Weltmeisterschaft in Japan für einen deutschen Coup gesorgt. Der 19-Jährige kämpfte sich am Dienstag in der Disziplin Bouldern zur Bronzemedaille und dem größten Erfolg seiner Karriere. Zugleich bescherte er dem Deutschen Alpenverein das erste Edelmetall in Hachioji und eine hervorragende Ausgangslage für die Kombinationswertung. Bei dieser werden die ersten sieben Startplätze für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vergeben.

Nach einem fulminanten Auftritt musste sich Flohé nur Weltmeister und Lokalmatador Tomoa Narasaki sowie dem Österreicher Jakob Schubert geschlagen geben. Der Sportler von der Alpenvereinssektion Aachen war zuvor noch nie in einem Boulder-Finale gestanden. "Ich konnte ohne Druck klettern und habe einfach Spaß gehabt", sagte Flohé nach seinem Erfolg. "Ich bin ja relativ spontan zur Weltmeisterschaft mitgefahren und hatte dann einfach Bock."

In einem extrem schwierigen Finale ließ er selbst Szene-Star Adam Ondra (Tschechien), der als bester Kletterer der Gegenwart gilt, hinter sich. Schon nach zwei von vier Boulder-Prüfungen bluteten Flohé die Finger, dennoch sicherte er sich mit einem starken Finish die Plakette. "Das hat ganz schön Haut gekostet", berichtete er. "Aber es war geil."

"Yannick ist bei uns der junge Wilde und mit diesem Elan angereist", hatte Bundestrainer Urs Stöcker schon vor dem Finale gesagt. "An ihn gab es kaum Erwartungen, er konnte das Feld von hinten aufrollen. Er ist unglaublich in Form und hervorragend geklettert." In der Disziplin Bouldern, also dem Klettern ohne Seilsicherung in Absprunghöhe, ist Flohé der erste deutsche WM-Medaillengewinner nach Jan Hojer (2014). Der Routinier aus Köln und Mitfavorit auf das Podium hatte das Finale in seiner Paradedisziplin am Dienstag verpasst, darf aber noch auf den abschließenden Kombinationswettkampf hoffen. Nach den Einzeldisziplinen Bouldern, Lead (Vorstiegsklettern mit Seilsicherung) und Speed (Geschwindigkeitsklettern an einer genormten Wand) treten die zusammengerechnet besten 20 Athleten im sogenannten "Olympic Combinded"-Format noch mal gegeneinander an. Die besten Sieben sichern sich ihr Ticket für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr. Hojer hatte in dem Dreikampf 2018 bereits WM-Bronze geholt.

Auch Megos kämpft um seine Chance

Als dritter deutscher Starter kämpft Alexander Megos um seine Chance. Seine Spezialdisziplin ist das Lead-Klettern, bei dem am Mittwoch die Qualifikation ansteht. Der Erlanger gehört zu den Mitfavoriten.

Im Frauen-Finale war Favoritin Janja Garnbret nicht zu schlagen. Die 20-jährige Slowenin ist die mit Abstand beste Kletterin der vergangenen Jahre, gewann in dieser Saison alle sechs Boulder-Weltcups und setzte sich nun vor Akiyo Noguchi aus Japan und der Britin Shauna Coxsey durch. Als einzige deutsche Starterin war Afra Hönig aus Landshut in der Qualifikation knapp gescheitert.