Spannungsreich und kraftvoll

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mi, 13. Februar 2019

Klassik

Die Studentenkantorei mit Musik von Zelenka in Freiburg.

Die "Missa Sanctissimae Trinitatis" des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka (1679–1745) bietet, was man sich von einem barocken Chorwerk wünscht: konzertante Chorsätze, Fugen, Arien, Orchesterklang und kammermusikalisch intime Momente. Der Evangelischen Studentenkantorei Freiburg unter Leitung von Florian Cramer ist mit dem Ars Viva Ensemble und den Solisten Miriam Feuersinger (Sopran), Elvira Bill (Alt), Michael Connaire (Tenor) und Marian Krejcik (Bass) in der Freiburger Christuskirche (und zuvor in Schopfheim) eine überzeugende Darbietung gelungen.

Sorgsam und durchdacht gestalteten die Musiker das eher düstere Werk. Cramer hatte seine Sänger in der herausfordernden gemischten Aufstellung platziert. Bei der Studentenkantorei führte diese zu einem Chorklang von ausgewogener Homogenität und ausgezeichneter Intonationssicherheit. Mit einem hohen Maß an Einigkeit in der dynamischen und artikulatorischen Gestaltung überzeugten die konzertanten Chorsätze: Beim "Credo" und der viermaligen Repetition des Wortes "passus" in den dynamischen Abstufungen Mezzoforte, Forte, Piano und schließlich wieder Forte entwickelten die Sängerinnen und Sänger den Klang stimmgruppenübergreifend spannungsreich und kraftvoll. Bei den Chor-Fugen hätte man sich indes ein bisschen mehr Kante und Stimmgruppen-Klarheit gewünscht. Hier verschwammen nach den Themenköpfen die Linien etwas.

Historische Informiertheit zeichnete das Spiel des Ars Viva Ensembles aus. Nahezu vibratolos, luftig artikuliert und mit mitreißendem Schwung spielten die Instrumentalisten. Kleine Stolperer bei rasanten Läufen im "Sanctus" in den Violinen oder nicht ganz exakte Einsätze verzieh man ob der feinen Gestaltung.

Lebendig und reich an Binnendynamik interpretierten die Solisten ihre Arien. Bassist Krejcik integrierte sich voll in den Chor, lediglich bei seinen Soloparts trat er (auch räumlich) hervor. Während Feuersinger und Bill fast durchweg mit wenig Vibrato und doch großer Wärme in der Stimme sangen, überraschte Connaire bei seinen Tenorarien zunächst mit deutlichem Vibrato. Doch beim Terzett mit den Sängerinnen im Credo "Et unam sanctam" interpretierte auch er schlicht und geradlinig und fügte sich in den klaren Klang der Frauen ein. Komplettiert wurde das Zelenka-Programm mit dem "Miserere" in c-Moll.