Bohrerdamm

Spatenstich für das umstrittenste Projekt des Freiburger Hochwasserschutzes

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Fr, 07. Februar 2020 um 08:49 Uhr

Günterstal

Es geht um Hochwasserschutz für die Freiburger Stadtteile Günterstal, Wiehre, Vauban, Haslach und Weingarten: Am Mittwoch war Spatenstich für den Bau des Bohrerdamms.

Kleine Ursache, große Wirkung: Am Donnerstag wurden mehrere Spaten in einen Haufen Erde gestochen – ab Herbst 2022 müssen deshalb die Stadtteile Günterstal, Wiehre, Vauban, Haslach und Weingarten kein Hochwasser mehr fürchten. Gestern nämlich begannen an der Schauinslandstraße bei Horben symbolisch die Bauarbeiten für das Hochwasser-Rückhaltebecken Bohrertal – ein 20-Millionen-Euro-Projekt.

Platz für 200.000 Kubikmeter Wasser

Technisch gesehen ist das Hochwasser-Rückhaltebecken im Bohrertal keine größere Herausforderung; seine Bedeutung für einige Freiburger Stadtteile ist umso eindrücklicher. Das Becken soll bis zu 200.000 Kubikmeter Wasser speichern. Dazu wird ein fast 14 Meter hoher und 280 Meter langer Damm auf Horbener Gemarkung gebaut, der mittendrin einen betonierten Auslauf hat, durch den der Bohrerbach fließt. Bei Hochwasser wird der Auslauf automatisch heruntergeregelt, vor dem Damm kann dann ein rund sechs Fußballfelder großer See entstehen. Das heißt: In den am Bach liegenden Stadtteilen kommt das Wasser nur noch kontrolliert an, ohne Überschwemmungen zu verursachen.

Komplettiert wird das Projekt Hochwasserschutz durch ein weiteres Becken, nämlich das Rückhaltebecken Breitmatte zwischen den Stadtteilen Wiehre und Günterstal. Das wird ab Sommer von 17 000 auf 40 000 Kubikmeter erweitert und nimmt das restliche Wasser auf, das quasi von der Seite zufließt. Dazu wird der Damm von Breitmatte mit 20 000 Kubikmetern Erde auf 4,50 Meter erhöht. In Horben bewegen die Bagger immerhin 100 000 Kubikmeter.

Die Arbeiten an beiden Becken werden zusammen 19,5 Millionen Euro kosten, 8,8 Millionen schießt das Land Baden-Württemberg zu. Das hat die Kommunen zum Hochwasserschutz verpflichtet. "Vor allem", sagt Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, "indem wir auf gefährdeten Flächen nicht mehr bauen. Aber die Wiehre ist halt schon da." Deshalb muss nicht nur zu ihrem Schutz ein Rückhaltebecken errichtet werden. Selbst der geplante Stadtteil Dietenbach soll von dem Doppel-Bauwerk profitieren, das im September 2022 fertig sein soll.

Erstmal hagelte es Kritik

"Seit 2006 beschäftigt uns das Thema", wusste am Donnerstag Baubürgermeister Martin Haag. Es war ein ziemlich großer gordischer Knoten, den die Verwaltung da in jahrelanger Arbeit zerschlagen musste: Nach den ersten Planungen mit einem weit größeren Damm hagelte es Kritik, dann wollte ein Landwirt seine Flächen nicht verkaufen und einigte sich erst nach Klage und Enteignungsdrohung mit der Stadt, schließlich erklärte sich die Gemeinde Horben damit einverstanden, den Damm auf ihrer Gemarkung zuzulassen. "Ein dickes, fettes Dankeschön dafür" wandte sich Haag an Horbens Bürgermeister Benjamin Bröcker, dessen Vorgänger Markus Riesterer das Projekt unterstützt hatte. Das sei ein schönes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit. "Wir glauben, dass wir damit dem hundertjährigen Hochwasser trotzen können", so der Baubürgermeister, "hoffentlich muss es der Damm nie beweisen."

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