"Wenn 15 Jahre gutes Zureden nicht hilft..."

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 25. Juni 2019

Handball Ortenau

BZ-INTERVIEW mit dem Bezirksvorsitzenden Gerhard Kempf vor dem Bezirkstag über nötige Umstrukturierungen und fehlende Männer und Frauen in Schwarz.

HANDBALL. Der Vorsitzende des Bezirks Offenburg/Schwarzwald, Gerhard Kempf, möchte beim Bezirkstag am Dienstag ein letztes Mal gewählt werden. Der 65-jährige Elgersweierer unterhielt sich mit Wolfgang Künstle über den Zusammenschluss der Verbände im Jahr 2010, den Schiedsrichternotstand und weshalb einige Handballer vielleicht bald zum Spielen ins Ausland fahren dürfen.

BZ: Ein Fazit nach neun Jahren im Bezirk Offenburg/Schwarzwald: Wie hat sich der Bezirk bewährt?

Kempf: Der Zusammenschluss war auf alle Fälle notwendig, weil sonst nicht mehr alle Spielklassen stattgefunden hätten. Die Zusammenlegung fand im Rahmen einer Strukturreform des Verbandes statt. Der andere große Zusammenschluss war der Bezirk Oberrhein zusammen mit Freiburg. Es waren Schritte in die richtige Richtung, aber sicher noch nicht die endgültige Struktur.

BZ: Wo gibt es geographisch weiteren Handlungsbedarf?

Kempf: Wir haben im Bereich Bodensee zu wenige Mannschaften, da schielt man momentan nach Württemberg rüber. Die Bodenseeteams müssen ja teils recht weit fahren, obwohl die Vereine aus Württemberg oft nur 20 Kilometer entfernt sind. Vielleicht könnte man sogar irgendwann nach Vorarlberg blicken, wobei eine grenzübergreifende Lösung noch ganz andere Anforderungen mit sich brächte. Das alles sind momentane Ideen und bei Weitem noch nicht spruchreif.

BZ: Das heißt, die Größe des Bezirks Offenburg/Schwarzwald ist notwendig?

Kempf: Gerade in der Jugend hat man immer wieder Eltern erlebt, die die weiten Strecken zu den Spielen kritisiert haben. Oft haben sie mit den Fußballern verglichen, bei denen die Struktur noch dichter ist, doch das kann man nicht vergleichen. Andere Sportarten müssen teils noch viel weiter fahren.

BZ: Wie steht der Handball im Bezirk da?

Kempf: Der Handball steht sehr gut da. Wir haben mit dem TV Willstätt einen Verein in der Dritten Liga, im weiblichen Bereich sind wir in der Oberliga Baden-Württemberg. Und die Südbadenliga wird von den Offenburger Mannschaften dominiert. Im Jugendbereich ist die Folge des demografischen Wandels, dass nicht mehr in jedem Ort genügend Jugendliche gleichen Jahrgangs existieren und somit Spielgemeinschaften gegründet werden müssen. Dies wird sich auch im Seniorenbereich mehr und mehr entwickeln, womit es insgesamt weniger Mannschaften gibt.

BZ: Welches sind die entscheidenden Aufgaben für die Zukunft?

Kempf: Ein großes Problem ist der Schiedsrichtermangel. Obwohl man versucht hat, die Vereine durch gutes Zureden zu motivieren, sich um neue Schiedsrichter zu kümmern, ist die Zahl der Personen, die neu hinzukommen, bei weitem nicht groß genug. Viele aktive Schiedsrichter sind 50 oder älter, da ist es absehbar, dass die irgendwann ihre Laufbahn beenden. Dies wird ein Thema beim Bezirkstag sein und beim Verbandstag Mitte Juli werden wir den Antrag stellen, härtere Strafen für Vereine durchzusetzen, die sich nicht darum kümmern. Hier sind höhere Geldstrafen möglich oder auch Punktabzüge.

BZ: Das klingt hart.

Kempf: Eine solche Änderung ist natürlich nur mit der Zustimmung der Vereine möglich. Aber wenn es nach 15 Jahren guten Zuredens nichts hilft… Die Vereine kümmern sich um neue Spieler, neue Ausrüstung, aber nur wenige um Schiedsrichter.

BZ: Worin liegen die Gründe, dass junge Menschen nicht mehr Schiedsrichter sein wollen?

Kempf: Als Schiedsrichter bist du halt Einzelkämpfer mit deinem Partner. Der Sport in einer größeren Mannschaft ist für viele interessanter.

BZ: Hat auch die zunehmende Verrohung einen Einfluss darauf? Stichwort Beschimpfungen und Bedrohungen.

Kempf: Das ist ein Punkt von vielen. Es stimmt, dass man als Schiedsrichter ein dickes Fell braucht. Wobei wir diese Konflikte zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern sehr gut in den Griff bekommen haben. Unqualifizierte Bemerkungen kommen vorwiegend von der Tribüne. Wobei einzelne Eltern im Jugendhandball teils problematischer sind als eine volle Halle.

BZ: Was ist noch zu tun?

Kempf: Die Entwicklung des Verbands Baden-Württemberg wird die nächsten Jahre ein zentrales Thema sein. Ich denke, dass sich da in den nächsten fünf Jahren etwas tun muss. Es sind Bestrebungen im Gang, nur noch einen Ansprechpartner für das Land zu haben, deshalb steht eine Neustrukturierung hin zu einem einzigen Landesverband im Raum. Der Deutsche Handballbund will sich verstärkt auf den Spitzensport konzentrieren, dann wird die Organisation des Breitensports verstärkt Ländersache.

BZ: Sie möchten sich beim Bezirkstag nochmal zur Wahl des Vorsitzenden stellen. Was motiviert Sie, weiterzumachen?

Kempf: Manchmal fragt man sich schon, warum man das macht, wenn es mal Ärger gibt und nicht die sachliche Seite im Vordergrund steht. Aber ich bin mit dem Handball groß geworden, er ist Teil des Lebens in der Familie. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und möchte das Amt noch für drei Jahre ausüben. Handball ist vorwiegend ein Sport für junge Leute, deshalb soll die Leitung dann auch in jüngere Hände übergehen. Darauf werde ich hinarbeiten.

Der Bezirkstag des Handballbezirks Offenburg/Schwarzwald findet am Dienstag, 25. Juni, um 20 Uhr in der Gunter-Bimmerle-Halle in Oppenau statt. Im Mittelpunkt des Abends stehen Neuwahlen. Der Bezirksjugendtag startet bereits um 18 Uhr.