Wahnsinn im kleinen Tennisdorf

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 29. Juli 2019

Tennis

Badenliga-Neuling TC 1923 Grenzach macht die Meisterschaft perfekt und kämpft nun um den Aufstieg in die Regionalliga.

GRENZACH-WYHLEN. Auch einen Tag später hätte Fabian Beck noch immer jemanden benötigt, der ihn zwickt. In schöner Regelmäßigkeit, um ihm die Gewissheit zu verliehen, dass er nicht träumt. Und um Beck gleich nochmal zu zwicken, dass er auch das Zwicken nicht träumt. "Es ist irgendwie unglaubwürdig", sinnierte der Kapitän des TC 1923 Grenzach über den zweiten Titelgewinn in Folge. Nach Rang eins im Vorjahr in der Oberliga kürte sich der Neuling nun auch in der Badenliga zum Meister. "Wahnsinn, dass es tatsächlich so ist", sagte Beck.

Die Grenzacher Equipe hatte am Samstag auch ohne ihren Kapitän ihr Meisterstück gemacht. Durch den 5:4-Sieg bei Verfolger TC Wolfsberg Pforzheim II war dem Aufsteiger der Titel nicht mehr zu nehmen. Und auch wenn sich dieser Triumph in den vergangenen Wochen der kurzen Badenliga-Runde zunehmend angekündigt hatte, für Beck wirkt er auch 24 Stunden später noch immer unwirklich. Dass Grenzach, "so ein kleines Dorf in solch einer Liga spielt", schwärmte der Kapitän über das Glück der TC-1923-Tennisgemeinde, Matches mit teils noch aktiven ATP-Spielern sehen zu können. "Das ist etwas Einzigartiges. Wie sich all das entwickelt hat – genial."

Für die Grenzacher schien das über Jahre bestehende Ansinnen, sich aus der Oberliga empor auf höchstes badisches Liganiveau zu hieven, fast schon schwieriger, als sich dort nun an die Spitze zu setzen. Für die vierthöchste Spielklasse hatte sich der Verein dabei nur punktuell verstärkt, bot in vier der acht Badenliga-Partien ausschließlich Akteure aus der Aufstiegsmannschaft auf – und gewann diese allesamt. Nur eine Niederlage war für den TC 1923 vermerkt (4:5 gegen TC BW Villingen). Nach der alten Regelung, in der die Mannschaftssiege entscheidend waren, wäre Grenzach ebenso Meister geworden wie nun nach dem neu eingeführten Schweizer Modell, in dem die Matchpunkte ausschlaggebend sind. Daher war auch "das Match gegen den TC Markdorf" entscheidend, so Beck über den 8:1-Sieg beim damaligen Spitzenreiter. Es war der Moment, in dem die Grenzacher ihre Titelchancen allmählich realisierten.

"Die Saison war unglaublich, es hat alles gepasst: Wir hatten keine Verletzungen, konnten rotieren und alle Spieler standen zur Verfügung", nennt der Teamkapitän einige Faktoren. Wie sehr die Grenzacher vom eigenen Erfolg überrascht wurden, zeigt die Urlaubsplanung einzelner Akteure. So weilen mit Klaus Jank und Beck zwei Stammkräfte am Samstag bereits fernab der Heimat, wenn der TC 1923 zuhause um den Aufstieg in die Regionalliga kämpft. Gegner ist der TC Doggenburg, ungeschlagener Meister der Württemberg-Liga. "Sie sollen sehr stark sein", so Beck über den Kontrahenten aus Stuttgart, der mehrere ehemalige ATP-Spieler aufbietet.

Aufstiegsspiel am Samstag

zuhause gegen Doggenburg

Für das finale Spiel in Pforzheim war die Grenzacher Erwartungshaltung eher zurückhaltend, "wir wollten schauen, dass wir ein 4:5 schaffen", so Beck. Wobei auch eine knappe Niederlage wohl zum Titel genügt hätte. Im Aufgebot rotierte der TC 1923, unter anderem kam Marcel Rodewald zu seinem zweiten Saisoneinsatz. Die Gäste gewann die Einzel an den Positionen eins bis drei, die hinteren Duelle gingen an Pforzheim. Im Doppel ließ Grenzach keine Zweifel aufkommen: Jacob Kahoun und Muhammed Fetov sowie Dimitar Grabul und Nico Rasenberger machten mit zwei Zwei-Satz-Erfolgen den 5:4-Sieg perfekt – und damit auch die Meisterschaft. Pforzheim hätte bei neun Matchpunkten Rückstand in seinem letzten Saisonspiel zwar noch gleichziehen können, hätte dann aber aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs gegenüber Grenzach das Nachsehen gehabt.

Beck könnte jeden Teamkollegen hervorheben, wie Jacob Kahoun ("Unglaublich, er hat er nur ein Match verloren"), oder Dimitar Grabul, der an Position eins und zwei "so viele Matches gewonnen hat", nämlich fünf von sieben. Zugleich hat Grenzach die Zukunft im Blick, bot in Pforzheim mit Moritz Schmidt im Doppel "einen der jungen Akteure auf, die nachkommen", so Beck. Der wartete unterdessen in Grenzach auf seine Teamkollegen. Als diese aus Pforzheim zurückkehrten, "haben wir echt kräftig gefeiert", sagte der Kapitän verschmitzt. Wann für ihn die Titelsause endete? "Oh je, das weiß ich auch nicht mehr." Zumal der Verein zum großen Saisonabschluss mit all seinen Teams geladen hatte. Wobei: Für die Badenliga-Mannschaft ist die Saison nun eben doch noch nicht abgeschlossen.