Der Sprung in große Fußstapfen

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Von dpa

Fr, 22. November 2019

Skispringen

Am Wochenende steht für Stefan Horngacher der erste Weltcup als deutscher Skisprung-Bundestrainer an / Leyhe zuversichtlich.

PLANEGG (dpa/BZ). Stefan Horngacher ist entweder ein guter Schauspieler – oder eine verdammt coole Socke. Von Nervosität ist beim neuen Skisprung-Bundestrainer kurz vor dem Weltcup-Auftakt nichts zu spüren. "Die Aufregung ist so wie immer", sagt der Österreicher, der mit seiner Familie in Titisee-Neustadt lebt und verwurzelt ist. Dabei hätte Horngacher allen Grund, zumindest ein bisschen nervös zu sein. Schließlich beginnt für die DSV-Weitenjäger um den dreifachen Weltmeister von 2019, Markus Eisenbichler, nach der goldenen Werner-Schuster-Ära an diesem Wochenende im polnischen Wisla eine neue Zeitrechnung.

Unter Schuster holten deutsche Skispringer WM-Titel und feierten Olympiasiege. Horngacher freut sich, von seinem Landsmann und ehemaligen Chef ein funktionierendes System zu übernehmen, wie er sagt. Als besonderen Druck wertet er das schwere Erbe nicht. Der 50-Jährige kennt seinen Vorgänger gut, arbeitete bei ihm bereits als Assistent für den Deutschen Ski-Verband (DSV). Doch Horngacher hat eigene Ansätze.

"Er setzt andere Reize", sagt Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler und erklärt: "Im Krafttraining ist er extrem, er hat da den Daumen drauf. Man hat schon gemerkt, dass es schnell wirkt." Teamkollege Karl Geiger spricht ebenfalls von neuen Schwerpunkten in diesem Bereich: "Wir haben geschaut, dass wir da noch mal einen Schritt nach vorne machen."Zudem setzt Horngacher auf mehr Zentralisierung und weniger Verantwortung für Heimtrainer. "Es findet eine lückenlosere Überwachung des Trainings statt", erklärt der Tiroler, der sich auch als Typ von Schuster unterscheidet.

Dieser sah es auch als persönliche Aufgabe an, seinen Sport in der Öffentlichkeit zu erklären, für die Zuschauer verständlich zu machen. "Ich bin da nicht so offensiv", sagt Horngacher über sich selbst. "Der Stef ist ein Mensch, der sich gerne kurz hält, der einfach nur Fakten benennt", erklärt Geiger. "Er hält die Ansprache kurz und knackig."

In Horngachers Premieren-Winter als DSV-Chefcoach sind der Oberstdorfer Geiger und vor allem Flug-Spezialist Eisenbichler als Leistungsträger besonders gefordert. In Olympiasieger Andreas Wellinger und David Siegel fallen zwei starke Springer mit Kreuzbandrissen lange aus – Wellinger definitiv für die komplette Saison. Auch Nachwuchs-Talent Justin Lisso fehlt lange. Der von mehreren Knieverletzungen gebeutelte frühere Gesamtweltcupsieger Severin Freund arbeitet noch an seinem Comeback.

Stephan Leyhe freut sich besonders auf Wisla

Außer Horngacher ebenfalls im Schwarzwald lebt der Hesse Stephan Leyhe, der in Breitnau wohnt und für den SC Willingen startet. Er freut sich besonders auf den Saisonauftakt: "Die Vorfreude auf Wisla ist riesig – nicht zuletzt aufgrund des letztjährigen Weltcups, wo ich mit dem zweiten Platz das erste Einzelpodest meiner Karriere holen konnte." Nach einem alles andere als optimalen Sommer kommt dem Auftaktwochenende aus Horngachers Sicht eine ganz besondere Bedeutung zu. "Wir sind auf einer Kreuzung, in Wisla sehen wir, wo wir hingehen", sagt er.

In einer Saison ohne WM und Olympia schaut Horngacher aber auch schon nach vorn. Mit Blick auf Peking will er die Weichen bereits jetzt auf 2022 stellen und weitere junge Springer aufbauen. Fachmann Horngacher sieht sich auch als Entwickler: akribisch, aber auch mit der nötigen Unaufgeregtheit.

Der Weltcup im polnischen Wisla ist am Samstag (15.30 Uhr) und Sonntag (11.15 Uhr) bei ZDF und Eurosport zu sehen. Eurosport zeigt zudem die Qualifikation am Freitag (17.55 Uhr).