Ein WM-Titel für die Geschichtsbücher

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Do, 28. Februar 2019

Skispringen

Ramona Straub ist beim Teamspringen beste Athletin im Weltklassefeld und landet im Einzelwettkampf am Mittwoch auf Rang 18.

SKISPRINGEN. Nach dem WM-Titel mit dem Team schien alles möglich für Ramona Straub. Doch tags darauf landete die Hochschwarzwälderin auf Rang 18. Mitfavoritin Katharina Althaus (SC Oberstdorf) verpasste die sechste Goldmedaille für den Deutschen Skiverband in Seefeld (Österreich) um 0,5 Punkte oder rund 20 Zentimeter, konnte sich aber auch über Silber hinter der Norwegerin Maren Lundby freuen. Juliane Seyfarth (WSC Ruhla) wurde Vierte, Ex-Weltmeisterin Carina Vogt (SC Degenfeld) sprang auf Rang zehn.

Im Teamspringen am Dienstag hatte die Topathletin des SC Langenordnach mit zwei brillanten Sprüngen begeistert. Gestern war ihre Chance auf eine weitere Spitzenplatzierung schon nach dem ersten Durchgang dahin. Beim Absprung am Schanzentisch war Ramona Straub zu spät dran, ihr Sprung bereits nach 92,5 Metern zu Ende. Halb ratlos, halb entschuldigend hob die 25-Jährige im Auslauf die Arme hoch und zuckte mit den Schultern. Zur für ihre Verhältnisse schwachen Weite kamen mittelmäßige Haltungsnoten – in der Summe bedeutete das Rang 28 bei Halbzeit.

Als dritte Springerin im Finaldurchgang der besten 30 rettete die Sportsoldatin dann, was noch zu retten war. Mit ihrem Satz auf 101 Meter übernahm sie die Führung, die lange Bestand haben sollte. Am Ende hatte sie sich noch auf Rang 18 verbessert und WM-Neuling Anna Rupprecht (SC Degenfeld/24.) deutlich hinter sich gelassen. Eine Platzierung, weit entfernt von ihrem Leistungsvermögen. Dennoch konnte Ramona Straub im ZDF-Interview schon wieder lachen. "Es war ärgerlich", sagte sie, dass sie im ersten Sprung "so daneben gedappt" sei. Aber der zweite Durchgang sei für sie "im Großen und Ganzen ein versöhnlicher Abschluss" gewesen. Ein Abschluss wohl auch deshalb, weil sich die Schwarzwälderin nun keine Gedanken mehr um eine mögliche Teilnahme am Mixed-Springen am Samstag machen muss, das eine weitere große Medaillen-, ja Titelchance für die deutschen Springer und Springerinnen ist.

Viele hatten am Vortag mitgefiebert mit Ramona Straub und ihren drei Kolleginnen beim historischen, weil ersten Sieg im Teamspringen der Frauen bei einer Weltmeisterschaft. Viele Fans des nordischen Skisports, ganz besonders natürlich die Menschen, die die junge Langenordnacherin auf ihrem Weg begleiten. Allen voran die Familie und ihr Heimtrainer Rolf Schilli.

Den größten Erfolg der 25-Jährigen erlebten sie am Dienstag daheim vor dem Fernseher. "Wahnsinnig, wir konnten fast nicht mehr sitzen bleiben", beschrieb Mutter Gaby Straub am Telefon kurz danach die Spannung – und konnte doch schon wieder lachen. "Optimal" nannte sie schlicht das, was ihrer Tochter und den Teamkolleginnen gerade gelungen war. Dass Ramona bei dieser WM-Premiere nicht nur die Beste des deutschen Quartetts war, sondern für ihre beiden Sprünge die meisten Punkte (244,2) aller im Finale vertretenen 32 Springerinnen gesammelt hatte, erfuhr die stolze Mutter bei der Übertragung der Siegerehrung im Livestream.

Beim zweiten Auftritt der neuen Weltmeisterin waren Gaby Straub, ihr Mann Michael und einer der drei Söhne dann nicht mehr auf Fernsehbilder und -kommentare angewiesen: Den Einzelwettkampf der Frauen erlebten sie gestern live vor Ort. Zusammen mit rund 20 Mitgliedern des Skiclubs Langenordnach hatten sie sich morgens um 7, nachdem die vier Milchkühe der "Hobbylandwirte" gemolken und gefüttert waren, in zwei Kleinbussen und Autos auf den Weg nach Seefeld gemacht. Bevor sie die heimatverbundene Hochschwarzwälderin an der Toni-Seelos-Schanze unterstützten, ging’s "zum Rennen vom Janosch" (Brugger). Der erste Kontakt mit Ramona war erst nach dem Springen geplant, "zwischendurch lassen wir sie in Ruhe".

"Ganz in Ruhe daheim" hatte sich am Dienstag Rolf Schilli das Teamspringen angeschaut. Der Landestrainer der baden-württembergischen Skispringer ist auch der Heimtrainer von Ramona Straub. An ihren Erfolgen hat Schilli einen gehörigen Anteil, das betont sie immer wieder.

"Der Erste war richtig gut", kommentierte er ihren Sprung auf 106 Meter im ersten Durchgang. Damit brachte sie das deutsche Team vom dritten Platz in Führung. Die gab das DSV-Quartett danach nicht mehr ab, obwohl Juliane Seyfarth und Olympiasiegerin und Rekord-Weltmeisterin Carina Vogt mit schwächeren Sprüngen den Vorsprung schmelzen ließen. Doch Ramona Straub mit 100 Metern im Finale und Katharina Althaus (99,5) erwiesen sich als Garanten des deutschen Triumphs.

Schilli erkannte in beiden Sprüngen von Straub "die Entschlossenheit, die ich ihr auch noch mal mitgegeben hab’" beim letzten gemeinsamen Training am Samstag. Nach dem Sieg schickte er ihr ein Foto, das er bei der Siegerehrung im Fernsehen geschossen hatte.