Roman Rees startet beim Weltcup in Ruhpolding

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Di, 14. Januar 2020

Biathlon

Nachklapp zum Biathlon-Weltcup in Oberhof: "Durchputzer" bei Benedikt Doll, der in Thüringen unter seinen Möglichkeiten bleibt.

OBERHOF. Die gute Nachricht zuerst: Roman Rees vom SV Schauinsland wurde für den bevorstehenden Weltcup in Ruhpolding nominiert. Der Biathlet hat sich den Weltcupeinsatz mit zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang im IBU-Cup sowie einer zuletzt hundertprozentigen Trefferquote am Schießstand verdient. Lucas Fratzscher (WSV Oberhof), zuletzt im Weltcup eingesetzt, muss zurück in den IBU-Cup, und Simon Schempp (SZ Uhingen) legt eine Wettkampfpause ein und konzentriert sich im Training auf seinen Formaufbau. Deshalb rücken Rees und Philipp Nawrath (SK Nesselwang) ins A-Team auf.

Die Schießleistungen beim jüngsten Weltcup in Oberhof waren extrem. Im Massenstartrennen verfehlte der Norweger Tarjei Boe, der in dieser Saison bisher auf eine exzellente Trefferquote von 90 Prozent kommt, sieben Scheiben. Keiner der 30 Starter kam ohne Fehlschuss durch. Dorothea Wierer traf als zweite Starterin der italienischen Frauenstaffel beim Stehendschießen mit acht zur Verfügung stehenden Patronen nur drei Scheiben und musste zweimal in die Strafrunde. Zum einen sind die Kapriolen am Schießstand dem böigen Wind geschuldet – aber lag es allein daran? Benedikt Doll, Schwarzwälder Vorzeigebiathlet der Ski-Zunft Breitnau, sagte zu seinen 44. Platz im Sprint: "Beim Stehendschießen war ich richtig kaputt im Kopf und hatte mit dem Wind zu kämpfen. Das war kein toller Tag." Er habe sich schon vor dem Wettkampf "nicht bereit" gefühlt, "nicht richtig aktiviert". Und: "Ich musste total viel investieren, um ins Laufen zu kommen." All das wirkt sich natürlich auf die Leistungen am Schießstand aus, denn beim Anvisieren der Scheiben muss man alle Sinne beisammen haben. Benedikt Dolls Frau Miriam sagte zum Auftaktwettkampf ihres Mannes nach der weihnachtlichen Pause: "Nach so einer Pause ist er meistens nicht so gut. Er braucht ein paar Rennen, um wieder reinzukommen." Benedikt Doll selbst bezeichnete den Sprint als "Durchputzer".

Im Staffelrennen der Männer kam keines der ersten drei Teams ohne Strafrunde durch. Auch Doll musste als Schlussläufer des deutschen Quartetts eine Runde drehen: "Körperlich ging es mir besser als im Sprint. Es war aber wieder windig und richtig schwierig am Schießstand." Hinter dem führenden Norweger Christiansen war Doll mit Fillon-Maillet zum letzten Schießen gekommen. Der Franzose musste nur einmal nachladen und war schnell weg, während der 29-jährige Schwarzwälder lange am Schießstand stand und den russischen Schlussläufer herannahen sah: "Da habe ich mir gesagt, bevor ich diesen letzten Schuss lange ausziele und am Ende doch nicht treffe, haue ich ihn schnell raus und nehme die Strafrunde in Kauf, dann habe ich vor dem Russen immer noch einen kleinen Vorsprung." Dolls Kalkül stimmte. Er ging mit einem Vorsprung auf die Schlussrunde und lief den dritten Platz der deutschen Staffel sicher nach Hause.

Im Massenstartrennen war der Weltmeister von 2017 erneut ein Gefangener der schwierigen Bedingungen. Er häufte sieben Fehler bei den vier Fünferserien am Schießstand an und fand sich auf Platz 22 wieder. Erneut kein toller Tag für ihn – wie für viele andere auch. Matvey Eliseev ist mit einer Trefferquote von 91 Prozent einer der besten Schützen im Weltcup, auch der Russe verfehlte vier Scheiben im Massenstartwettkampf.

Oberhof war für Janina Hettich ein Erfolg

Für Janina Hettich vom SC Schönwald war der Weltcup in Oberhof ein Erfolg. Als 39. war sie die drittbeste Deutsche und wurde daraufhin für die Staffel nominiert. "Darüber habe ich mich mega gefreut, ich war vor dem Rennen aber schon sehr nervös", sagte die 23-Jährige. Sie machte ihre Sache aber sehr solide, musste liegend und stehend am Schießstand nur einmal nachladen, um alle fünf Scheiben abzuräumen. Als 13. war sie nach einer Strafrunde der deutschen Startläuferin auf die Strecke gegangen und arbeitete sich bis zum Wechsel auf den neunten Platz vor. Es erstaunt daher nicht, dass Janina Hettich wie Roman Rees und Benedikt Doll für den Weltcup in Ruhpolding nominiert wurde. Der Sprint der Frauen wird morgen, Mittwoch (14.30 Uhr), ausgetragen, der Sprint der Männer folgt am Donnerstag zur gleichen Zeit.