Sieben Medaillen bei der DM

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 01. April 2019

Skilanglauf

In Reit im Winkl holt Sandra Ringwald Bronze und Silber und wird mit Steffi Böhler verabschiedet.

SKILANGLAUF. Es hätte gern die ein oder andere Medaille mehr sein dürfen, sagt Landestrainer Dieter Notz, doch das verhinderten personelle Ausfälle und Pech. So kamen die Skiverbände Baden-Württemberg (SBW) bei der stimmungsvollen deutschen Meisterschaft in Reit im Winkl im Teamsprint und über die Langstrecke zu einem Titel, zwei zweiten und vier dritten Plätzen.

"Sehr gut" beurteilt Notz die Ausbeute zum Auftakt. Im Teamsprint in der klassischen Technik stürmten Moritz Moosmayer (TSG Leutkirch) und der Kirchzartener Matteo Lewe bei der männlichen Jugend U 16 zum Meistertitel. Nach jeweils drei Runden über einen Kilometer lagen der Allgäuer und der Schwarzwälder mit ihrer Zeit von 15:50,16 Minuten im Ziel 9,48 Sekunden vor Thüringen 1. Das zweite SBW-Duo, Philipp King (SV St. Georgen) und Leopold Hensler (SC Langenordnach), lief ebenso auf Rang fünf wie bei den gleichaltrigen Mädchen Milena Maier (WSG Feldberg) und Emily Weiss (SV Kirchzarten).

Bronze erkämpften sich über acht Kilometer in der U 18 die Schwaben Tobias Horelt und Nico Fehleisen sowie bei den Frauen Pia Fink (SV Bremelau) und Sandra Ringwald (ST Schonach-Rohrhardsberg) und bei den Junioren über je fünf Runden Valentin Haag (SV Kirchzarten) und Friedrich Moch (WSV Isny). Auf Bronze-Kurs über zehn Kilometer der Männer lagen auch Christian Winker (SSV Spaichingen), der für den erkälteten Andreas Katz eingesprungen war, und Josua Strübel (SC Seebach). Doch als Strübel in seiner letzten Runde in einer Kurve stürzte, zog der Thüringer Schlussläufer an ihm vorbei und das SBW-Duo wurde Vierter. Diesen Rang sicherten sich unter 13 Teams der weiblichen U 18 auch die Schwäbin Lina Gold und Amelie Wehrle (SC Hinterzarten), die am Ski-Internat Furtwangen zusammen bei Dieter Notz trainieren.

Der sah in den Freistil-Massenstartrennen am Samstag "sehr viele Stockbrüche" seiner Kaderläufer. Seinen Sohn Florian erwischte es im Getümmel schon 30 Meter nach dem Start, Moosmayer brauchte sogar zweimal neues Material, was immer Zeit kostete. Doch auch mit den Ski hatten die Baden-Württemberger an diesem Tag etwas Pech: Morgens auf der gefrorenen und damit schnellen Skatingpiste liefen sie gut, doch mit der Erwärmung bis auf 17,5 Grad bauten sie im tiefen sulzigen Schnee zusehends ab. Da habe das Wachsteam kein glückliches Händchen gehabt, so der Landestrainer selbstkritisch. Die Strecken selbst im Ort waren laut Notz "richtig toll, die Stimmung klasse" und die ganze Veranstaltung vor sehr vielen Zuschauern "DM-würdig".

Das Rennen der Männer über 30 Kilometer war für Florian Notz und Janosch Brugger (WSG Schluchsee) besonders hart. Beide waren am Dienstag vom Weltcup-Finale in Kanada zurückgekehrt, mussten am Mittwoch und Donnerstag bereits wieder bei der Internationalen Zollmeisterschaft in Galtür (Österreich) zwei Wettkämpfe bestreiten und sollten jetzt noch mal eine Energieleistung abrufen.

Janosch Brugger lässt es austrudeln und wird Siebter

Florian Notz habe in der zweiten Runde resigniert und das Rennen ebenso wie Brugger "austrudeln lassen". Doch während der 21-jährige Hochschwarzwälder ausgelaugt war, erkannte Notz irgendwann, dass sein Rückstand auf die Führenden nicht allzu groß war. In der dritten Runde drehte er nochmals auf und sicherte sich 17,2 Sekunden hinter seinem WM-Staffelkollegen Jonas Dobler (SC Traunstein/1:12:26,7) noch Bronze. Strübel (1:13:10,1) wurde Fünfter, Janosch Brugger lief im letzten Rennen seiner an Höhepunkten reichen Saison nach 1:13:57,3 Stunden als Siebter der 44 Finisher ins Ziel. Achtbar schlug sich bei seinem Ausflug zu den Spezialisten der zweite Hochschwarzwälder im Feld: Kombinierer Fabian Rießle (SZ Breitnau) schaffte es über die ungewohnt lange Distanz als 21. mit fünf Minuten Rückstand auf den Sieger in die erste Hälfte.

Seine Freundin Sandra Ringwald, die in Freiburg ein Lehramts-Studium beginnen will, wurde im letzten Rennen ihrer Karriere deutsche Vizemeisterin über 20 Kilometer, 0,3 Sekunden vor der Oberwiesenthalerin Julia Belger. Nur deren Vereinskameradin Katharina Hennig war 10,3 Sekunden schneller als die 28-jährige Sprintspezialistin aus dem Schwarzwald.

Auch Junior Friedrich Moch erkämpfte sich über 30 Kilometer Silber und damit seine zweite DM-Medaille in Reit im Winkl. Sein bayerischer Zoll-Kollege Florian Knopf hatte im Ziel nach 1:12:50,5 Stunden 49,6 Sekunden Vorsprung. Valentin Haag behauptete sich als 14. (1:20:55,5) in der ersten Hälfte.

Matteo Lewe, dem Notz "eine super Saison" bescheinigt, war als Elfter über 15 Kilometer bester Baden-Württemberger der U 16, seine SVS-Kollegen Leopold Hensler und Philipp King liefen als 17. und 19. ins Ziel. Über dieselbe Distanz wurde Amelie Wehrle, die lange an den Folgen ihrer Meniskus-Operation laborierte, 17. der U 18. Das Rennen der weiblichen U 16 über zehn Kilometer beendete Milena Maier auf Rang 15, 22. wurde Emily Weiss.

Auch die Senioren kämpften um DM-Titel über die Langstrecke. Drei Schwarzwälder holten in ihrer Altersklasse Gold: Altmeister Walter Kuß (SZ Brend) aus dem SBW-Trainerteam in 1:26:54,7 Stunden in der M 51, Josef Ilgner (SV St. Georgen) in der M 71 und Angela König (SC Bubenbach), die als Einzelkämpferin der W 66 etliche jüngere Starterinnen hinter sich ließ. Sohn Arnt (1:26:36,5) musste sich als Zweiter der M 36 nur dem früheren Weltklasse-Kombinierer Björn Kircheisen um 7:48 Minuten geschlagen geben, Ehemann und Vater Edi König sicherte sich in der M 71 Bronze.

Bei der DM der Vereinsstaffeln gestern landeten in der Mixed-Wertung die Geschwister Rießle – Lena, Philipp und Fabian – als 28. vor dem König-Trio (53.).

Sandra Ringwald und Stefanie Böhler (SC Ibach), über viele Jahre die besten Skilangläuferinnen aus dem Skiverband Schwarzwald (SVS) und als Frohnaturen auch menschlich eine Bereicherung im Weltcup, wurden mit Elisabeth Schicho (SC Schliersee), die ebenfalls ihre Karriere beendete, bei der Siegerehrung am Samstag vom Deutschen Skiverband (DSV) in würdigem Rahmen verabschiedet – "das war schön", sagt Dieter Notz.