Nordische Kombination

Titelverteidiger Fabian Rießle krönt die DM mit Doppel-Gold

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

So, 20. Oktober 2019 um 22:00 Uhr

Skispringen

Der Nordische Kombinierer der Skizunft Breitnau dominiert die deutsche Meisterschaft in Klingenthal. Das von Rolf Schilli trainierte Springerquartett aus dem Land gewinnt überraschend Team-Silber

"Da muss man nicht schimpfen", sagt Trainer Albert Wursthorn. Die Kombinierer und Skispringer aus Baden-Württemberg gewannen bei der deutschen Meisterschaft in Klingenthal sechs Medaillen. Star der Titelkämpfe war wie vor einem Jahr Kombinierer Fabian Rießle (28) von der SZ Breitnau, der im Einzelwettkampf und im Teamsprint mit Manuel Faißt (Dritter im Einzel) vom SV Baiersbronn seine Titel souverän verteidigte. Im Teamspringen gewannen Claudio Haas (Schonachj), Tim Fuchs (SC Degenfeld) Adrian Sell und Luca Roth (beide Meßstetten) sensationell Silber.

Fabian Rießle gibt sich in der Stunde nach dem zweiten Triumph bei der DM so, wie er immer ist, wenn alles geklappt hat. Gelöst, unprätentios, aber nicht übermäßig redselig. Die Taten sprechen schließlich für sich. Natürlich hatte er von der Titelverteidigung geträumt, aber da waren ja noch ein paar Weltcup-Kollegen, die Rießles Heimtrainer Albert Wursthorn vor dem Breitnauer erwartet hatte: Johannes Rydzek aus Oberstdorf, am Ende Zweiter. Oder der fünfmalige Weltup-Gesamtsieger Eric Frenzel, nach verpatztem Sprung auf Skirollern chancenlos und am Ende enttäuschter Siebter.

"Das Normale

war das Perfekte."

Skisprungtrainer Rolf Schilli
Mit Rang zwei auf der Schanze, nur überflügelt durch Manuel Faißt vom SV Baiersbronn, der in Oberried lebt, überraschte Rießle die Konkurrenz: "Das war der entscheidende Kick", freut sich der Wahl-Kirchzartener im Gespräch mit der BZ "und auf Skirollern ging’s dahin". Manuel Faißt rollte zur Bronze-Medaille und absorbiert den Stress der vergangenen Monate mit dem von Heimtrainer Wursthorn erhofften Befreiungsschlag.

Am Sonntagmorgen dominierten Rießle/Faißt im Zweier-Team zuerst auf der Schanze in Klingenthal und dann auf Asphalt in Johanngeorgenstadt. "Es war eng, aber ich wusste, dass wir’s können", blickt Rießle auf die Rollerhatz über 15 Kilometer im steten Wechsel mit Faißt zurück. Im Zielsprint hieß es dann wie vor einem Jahr in Breitnau: Schwarzwald vor Sachsen. Rießle distanzierte Eric Frenzel, der mit Terence Weber unterwegs war, um 1,1 Sekunden. "Die DM im Sommer hat zwar nicht mehr den Stellenwert wie vor 30 Jahren auf Schnee", befand Rießle nach dem Doppeltitel, "aber Gold geht immer. Ich freu’ mich riesig."

Jonas Maier (19) von der SZ Breitnau sprang und lief im Einzelwettkampf auf Rang 17, sein drei Jahre jüngerer Bruder Pirmin wurde Elfter der Junioren, Paul Schlegel von der SZ Breitnau landete auf Rang zwölf. Der Tag, an dem Rolf Schilli, Skisprung-Landestrainer und Schanzenversteher, mal nichts zu sagen hat, wird wohl nie kommen. An diesem famosen Samstag ist er erstmal ganz still. Dann bricht es aus ihm heraus: "Unglaublich." Das muss reichen, um zu erklären, was da gerade eben seinen Fliegern aus dem Land, die im zweitklassigen Continentalcup oder noch zwei Wettkampfebenen tiefer meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit abheben, gelungen ist: Hinter dem durch die Weltmeister Karl Geiger und Markus Eisenbichler aufgepeppten bayerischen Team landen der Schonacher Claudio Haas und drei Schwaben auf Rang zwei. Es ist die Sensation der DM.

Wie das gelingen konnte? "Das Normale war das Perfekte", sagt Schilli, der zusammen mit seinem kongenialen Trainerkollegen Andreas Günter seinen Springern vor dem Wettkampf erklärt hatte, dass es im Vergleich mit Fliegern aus der Weltspitze nicht darum gehe, zu zaubern. "Was der Claudio mit der gleichen Anlauflänge wie Eisenbichler bot, war einfach topp", lobt Schilli den 17-Jährigen, der zweimal 133,5 Meter weit flog. Am Tag zuvor hatte Haas bei den Junioren mit zwei soliden Sprüngen Bronze gewonnen. Adrian Sell (Meßstetten), im Einzel DM-Achter, kämpfte auf der Schanze um jeden Meter Luftraum. Tim Fuchs (Degenfeld) haderte ein bisschen mit dem Timing ("an der Kante war ich zu spät dran"), hatte im zweiten Durchgang aber maßgeblichen Anteil am Silber-Triumph.

Nur Junioren-Vizeweltmeister Luca Roth (Meßstetten), im Einzel 17., blieb im Erfolgsquartett blass. "Das waren die zwei schlechtesten Sprünge, die er seit dem Sommer gezeigt hat", so Schilli, aber wer ein Großer werden könne, müsse solche Tiefflüge ertragen. In der Juniorenwertung landete Quirin Modricker vom SC Hinterzarten auf Rang fünf, Teamkollege Yannick Idesheim, dem kurz vor der DM der Frontschnabel seines Skischuhs gebrochen war, blieb mit neuem Schuhwerk unter seinen Möglichkeiten, Julian Ketterer von der SZ Breitnau ist noch auf Formsuche. Ein Ausrufezeichen setzte Finn Braun. Der 16-jährige Baiersbronner, der unter Schillis Regie am Skiinternat Furtwangen ausgebildet wird, sprang 116,5 und 125 Meter weit zum deutschen Jugendmeistertitel.

Im Wettkampf der Frauen überraschte Agnes Reisch vom WSV Isny, die in Neukirch lebt und im Schanzentrum Hinterzarten trainiert. Hinter Juliane Seyfarth (Ruhla) und der Olympiazweiten Katharina Althaus (Oberstdorf) gewann die 19-Jährige Bronze. Eine Medaille, die Schillis Hartnäckigkeit zu verdanken ist, der Reisch, die auch wegen Gewichtsproblemen aus dem DSV-Kader geflogen war, für eine zu Unrecht Unterschätzte hält.