Zufrieden in die Ferien

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Mo, 20. Mai 2019

SC Freiburg

Der SC Freiburg beendet seine Flaute und besiegt den 1. FC Nürnberg mit 5:1 / Terrazzino, Waldschmidt, Petersen (2) und Grifo treffen.

FREIBURG. Am Schluss gab es kein Halten mehr. Wieso auch, wenn Fußball doch so schön sein kann. 5:1 (2:0) hat der Sportclub Freiburg sein letztes Punktspiel in der Saison 2018/19 beendet und den Gegner aus Nürnberg dabei geradezu deklassiert. Der Bierhahn war also offen, die Saiten und Felle der stimmungsmachenden Band gespannt. Alles hatte sich zum Schluss zum Guten gefügt, der Sportclub spielt weiter erstklassig, sogar die acht Spiele ohne Sieg anhaltende Flaute konnte rechtzeitig zum Finale gestoppt werden. Das vielköpfige Hurra, das Spieler, Trainer und Offizielle lange nach Spielschluss hinter den Tribünen zum Feiern begleitete, kam aus dem tiefsten Herzen.

Die Bundesliga, das weiß man in Freiburg, ist kein Selbstläufer. Jedes Jahr im Oberhaus gleicht, wie es Trainer Christian Streich unter der Woche anschaulich beschrieben hat, einem Ritt auf der Rasierklinge. Umso schöner also, dass der Sportclub ein weiteres Jahr der Beletage des deutschen Fußballs angehört. Und die Sommerpause fühlt sich für die Fans auf den Rängen gleich doppelt so schön an, wenn sich die eigene Mannschaft mit einem deutlichen Sieg in die Ferien verabschiedet.

Der Club war am Samstag nicht zu fürchten

5:1, das klingt wie Musik in den Ohren – auch wenn der samstägliche Gegner nicht gerade zum Fürchten gewesen ist. Der Club kam schon als Absteiger an die Dreisam gereist, unterstützt immerhin von einem 2400 Köpfe umfassenden Fantross, der bei der vorläufig letzten Reise durch die Stadien der ersten Liga unbedingt dabei sein wollte. Ein Abstieg ist schlimm, er kann erniedrigend sein. Da lassen Fans, die diese Bezeichnung verdienen, ihr Team nicht gerne im Stich.

Die Erwartungshaltung im Breisgau war eine ganz andere: Einmal so richtig jubeln dürfen. In den acht Spielen zuvor hatte der Sportclub schließlich nicht viel Gescheites fürs Punktekonto zusammengebracht. Gerade mal zu drei Zählern reichte es nach ebenso vielen Unentschieden. So geht man nicht in die Sommerpause. Ein Gedanke, der Mannschaft und Fans gleichermaßen umtrieb.

Doch nach 90 Minuten war alles gut, die Stimmung bestens. Der urplötzlich mal wieder ins grelle Stadionlicht gerückte Marco Terrazzino (7. Minute), Luca Waldschmidt (34.), Nils Petersen (64. und 56.) sowie Vincenzo Grifo (61.) schraubten das Ergebnis unter dem Jubel der Gemeinde auf 5:0, ehe dem Nürnberger Eduard Löwen (69.) noch der Ehrentreffer gelang. Die Torausbeute war im Grunde höher als erwartet, zumal man ja nicht so richtig wusste, ob der Sportclub noch einmal zu einem solchen Kraftakt fähig sein würde. Zuletzt waren die Vorstellungen der Südbadener nicht unbedingt von genialen Einfällen geprägt.

Zugutegekommen ist den Freiburgern wohl aber auch, dass die Nürnberger recht uninspiriert zu Werke gingen. Mancher Spielzug war zwar schön anzuschauen, doch schienen die Köpfe der Franken angesichts des bereits feststehenden Abstiegs recht leer zu sein. Richtig Druck bekam der Club jedenfalls nicht hinter seine Aktionen.

Dafür ist es beim SC umso erfreulicher gelaufen. "Wir haben gut trainiert und die Spannung noch mal hochgefahren. Wenn alle Fußball spielen wollen, dann geht das auch mit dem Tore schießen", bilanzierte ein zufriedener Dominique Heintz in den Stadionkatakomben. Der frühere Kölner hat es zum Rekordhalter an der Dreisam geschafft – zumindest, was die Einsatzzeiten anbelangt. In allen 34 Spielen dieser Saison stand er auf dem Platz.

Dort ist auch einer erschienen, mit dem eigentlich keiner mehr so richtig gerechnet hat. Marco Terrazzino, in Mannheim geborener Deutsch-Italiener, ist sogar als Torschütze in Erscheinung getreten. Mancher wird ihm das gewünscht haben. Terrazzino ist ein feiner Techniker, er kann viel anfangen mit dem Ball. Nur an der Durchschlagskraft fehlt es ihm bisweilen. Nicht auszuschließen, dass die Verantwortlichen da nochmals einen Leistungstest unter Wettkampfbedingungen anberaumt haben. Mit dem Abpfiff hat für die Freiburger schließlich gleichzeitig auch die Zukunft in der nächsten Runde der Liga begonnen.

Wie die genau aussehen wird, ist noch völlig offen. Gut, Vincenzo Grifo wird seinen Koffer packen und wieder gen Hoffenheim fahren müssen. So jedenfalls sieht es der Leihvertrag mit den Kraichgauern vor. Ob er dort allerdings bleiben kann, ist völlig offen. Jedenfalls gibt es nicht wenige Zeitgenossen, denen in diesem Zusammenhang Nils Petersen in den Sinn kommt. Auch bei dem endete mal eine Leihe, auch er sollte zurück zu Werder Bremen. Und tauchte dann plötzlich doch wieder in Freiburg auf. Weil er es unbedingt wollte. Dass Grifo Freiburg liebt und umgekehrt, gehört ebenfalls zu den Erkenntnissen der letzten Monate. Nicht nur Christian Streich rät deshalb zum Stillsitzen und Abwarten.

Flekkens Kampfansage an Alexander Schwolow

"Oh wie ist das schön" schallte es am Samstag ob der Vorstellung der Freiburger nicht nur von den Rängen, auch Mark Flekken dürfte das Lied still vor sich hingesummt haben. Erstmals durfte der vor Saisonbeginn vom MSV Duisburg gekommene Niederländer das Tor der Breisgauer hüten – und machte seine Sache ganz prima. Flekken ist, wie die meisten seiner Landsleute auch, ein offener, redseliger Typ. Weshalb er Stammkeeper Alexander Schwolow nach dem Abpfiff auch gleich den Kampf ansagte: "Klar, will ich hier mehr spielen." Diesbezüglich sei er schon sehr ehrgeizig.

Derweil saß Christian Streich sichtlich gelöst bei den Journalisten: "Ich bin froh, dass wir dieses Spiel, das so wichtig war, für uns, für die Fans, für die Mitarbeiter, so gut gestaltet haben", sagte er und lächelte. So hatte man ihn lange nicht gesehen. Viele Sorgen waren ihm zuletzt ins Gesicht geschrieben. Aber wieder hat es Streich geschafft. Eine Leistung, die nicht hoch genug bewertet werden kann.