Sportmedizin

Doping-Aufklärung an der Uni Freiburg: Druck, Blockaden, Ultimaten

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 16. Juli 2016 um 00:00 Uhr

Sportpolitik

Der Kampf um die Aufklärung der Freiburger Dopinggeschichte wird mit immer härteren Bandagen geführt – und Forscher Singler setzt Rektor Schiewer unter Druck. Andreas Strepenick fasst zusammen.

Neun Jahre ringen Forscher nun schon um die Aufklärung der Freiburger Doping-Vergangenheit. Sie kamen weit voran, sind aber noch lange nicht am Ziel. Gefochten wird nicht länger mit dem Florett, sondern mit dem schweren Säbel. Gutachter Andreas Singler setzt Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer unter Druck, droht ihm mit einer Klage und stellte ihm zuletzt auch ein Ultimatum. Die Uni gerät ins Schlingern und beantwortet Fragen der Badischen Zeitung wie so oft ausweichend. Ein Blick auf das laufende Gefecht.
Der 20. Mai 2011 war, soweit man sich daran erinnern kann, ein schöner und sonniger Tag. Die Kommission zur Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin tagte auf dem Areal der Universitätsklinik und sprach mit Zeitzeugen. Die Klinik hatte den Aufklärern um die damalige Kommissionschefin Letizia Paoli für die heiklen und sensiblen Befragungen den denkbar öffentlichsten Ort zur Verfügung gestellt: einen Tagungsraum im Casino. Das ist so eine Art Klinik-Mensa. Hunderte von Ärzten gingen in der Killianstraße 2 ein und aus. Sie nahmen ihre Mahlzeiten ein und konnten ganz genau mitansehen, wer sich der Kommission denn nun als Zeitzeuge zur Verfügung stellen würde. Es ist möglich, dass Sportmediziner, die aussagen wollten, beim Gang durch das Casino just ehemaligen Kollegen begegneten, die es bis heute vorziehen zu schweigen.
War der Tagungsraum aber erst einmal erreicht, änderte sich die Szenerie schlagartig. Die Kriminologin Paoli sicherte den Zeitzeugen absolute Anonymität zu und verpflichtete sich zu einem in jeder Hinsicht sorgfältigen Umgang mit allem, was der Gast zu sagen hatte. Paoli nennt das heute ein "zweistufiges Verfahren". Andreas Singler, der damalige Kommissionssekretär, erstellte ein Protokoll von dem Gespräch. Dieses durfte dann nur den Mitgliedern der Aufklärergruppe selbst zugänglich gemacht werden. Für den Fall, dass auch nur ein einziger Satz aus dem Protokoll jemals ...

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