Sprechchöre für mehr Klimaschutz

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Fr, 24. Mai 2019

Staufen

200 Schüler und Lehrer des Faust-Gymnasiums zogen am Donnerstag nach Schulschluss durch Staufen.

STAUFEN. Mehr als 200 Schüler des Faust-Gymnasiums haben am Donnerstag an einer Demonstration für mehr Umwelt- und Klimaschutz teilgenommen. Die angemeldete und durch die Polizei begleitete Demonstration fand nach Angaben der Organisatoren bewusst in der Mittagspause statt. Veranstaltet wurde die Aktion von der Gruppe "Faust for future", in der seit Februar Schüler und Lehrkräfte mehrere kleinere Aktionen gestartet haben, die ein stärkeres Bewusstsein für den Klimawandel schaffen sollen.

Aufgerufen zur Teilnahme waren die Klassen sieben bis elf, nachdem eine Vollversammlung der Schüler Anfang der Woche die Aktion beschlossen hatte. In dem Aufruf hieß es: "Zusammen unterstreichen wir kurz vor den Wahlen den überragenden Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes für unsere Zukunft!" Dazu machten sich nun 200 Schüler auf den Weg vom Faust zum Platz vor dem Rathaus und schreckten mit Sprechchören Cafébesucher und Passanten aus der Mittagsruhe: "Wir sind hier. Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut". Die Theater AG setzte ein kurzes Gedicht zum Thema szenisch um – und immer wieder erklang das italienische Partisanen- und Friedenslied "Bella Ciao", das durch die Netflix-Serie "Haus des Geldes" und den Jugendlichen bestens bekannt war.

Am Rand der rund halbstündigen Kundgebung warb Bürgermeister Michael Benitz in Gesprächen um das Interesse von Jugendlichen für die Aktionen der Stadt in Sachen Klimaschutz. Er wolle sehr gern mit den Jugendlichen über das Thema in einen Dialog treten, ihnen schildern, was die Stadt unternehme, und woran ein noch gezielteres Vorgehen im Moment scheitere. Auch der Arbeitskreis Klimaschutz und der BUND waren mit Plakaten und Demonstranten vertreten.

Nach den ersten Klima-Demonstrationen in Freiburg, an der auch Schüler des Faust teilgenommen hatten, hatte die Schulleitung im März in einem Brief an die Eltern Stellung bezogen. Darin hieß es: "Als Institution, die auch einen Erziehungsauftrag hat, nämlich Jugendliche auf dem Weg zu mündigen Bürgern zu begleiten und zu fördern, begrüßen wir ausdrücklich das politische Engagement unserer Schülerschaft." Dennoch waren damals 33 Jugendliche, die entschuldigt gefehlt hatten und zur ersten großen Klimademo in Freiburg gefahren waren, zu einem Nachsitz-Termin in die Schule gebeten worden; dabei wurde vier Stunden lang über ein weiteres Engagement im Klimaschutz diskutiert.

Schulleiter Jürgen Gutgsell warb in dem Brief um Verständnis dafür, dass unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht nicht ohne Konsequenz bleiben könne. "Das Schulgesetz sieht hierbei unter anderem Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen für Schülerinnen und Schüler, beispielsweise in Form von Nachsitzen, sowie Bußgelder für deren Erziehungsberechtigte – vollstreckt durch die Ortspolizeibehörde – vor." Besonders diese Formulierung hatte einige Eltern aufgebracht, zumal es in dieser Frage kein einheitliches Vorgehen an den Kreisgymnasien gab.