Stadt diskutiert drei Instrumente der Ehrenamtsehrung

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Mi, 22. Januar 2020

Offenburg

Wie kann die Stadt bürgerschaftliches Engagements besser würdigen? Erste Vorschläge der Stadtverwaltung liegen auf dem Tisch.

OFFENBURG (rab). Dem Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, wird der Satz zugeschrieben: "Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss." Der Satz beschreibt die DNA des Ehrenamtes. Wobei nicht immer Großes beim ehrenamtlichen Engagement herauskommen muss. Oftmals sind es die sogenannten "stillen Helden", die mit ihrem Mehr an Mitmenschlichkeit die Gesellschaft zusammen halten. Da die Stadtoberen wissen, dass vieles ohne überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement nur teuer bezahlt oder eben gar nicht stattfinden würde, soll das bereits vorhandene Instrumentarium der öffentlichen Wertschätzung weiter verstärkt werden. Wie? Dazu hat die Stadt nun Vorschläge gemacht, die sie mit den Betroffenen diskutieren will.

Die Debatte im Haupt- und Bauausschuss zeigte, dass sich alle Beteiligten des nicht ganz unheiklen Charakters der Aufgabe bewusst sind. Allzuleicht wird jemanden, der längst eine Ehrung verdient hätte, übersehen. Oder eine "stille Heldin" ans Licht gezerrt, die das gar nicht will. Anderseits sollen die neuen Ehrungen auch nicht nach dem Gießkannenprinzip vergeben und damit entwertet werden. Welches neue Instrument ist das richtige? Zu Debatte stehen, wie Sozialbürgermeister Hans-Peter Kopp in der Haupt- und Bauausschusssitzung am Montag erklärte, drei Instrumente.

Ehrenamtskarte
Besonders Engagierte sollen durch sie Vergünstigungen bei Inanspruchnahme städtischer Leistungen erhalten. Wer hier womit in welcher Intensität belohnt werden soll, ist noch unklar. Das soll ebenso wie bei den anderen beiden Instrumenten bis Herbst 2020 geklärt werden.

Ehrenamtsgala
Ähnlich wie bei der Sportlerehrung könnten besonders verdiente Mitbürgerinnen und Mitbürger mit einem glanzvollen Festabend belohnt werden. Im Rahmen eines Beteiligungsprozesses und unter Beteiligung der Bürgerstiftung soll diese Form der Ehrung geprüft und mit Leben erfüllt werden.

Bürgerbudget, Bürgeretat
Da die Verantwortung Tragenden in den Stadtteilen und Ortsteile am besten wissen, wer eine besondere Ehrung verdient hat, gibt es die Idee, diesen ein Bürgerbudget oder einen Bürgeretat zur Verfügung zu stellen, damit diese eigenen Anreize für bürgerschaftliches Engagement schaffen können. Kriterien und Höhe der Mittel sollen in den kommenden Monaten erarbeitet werden.

Auch weitere Ideen seien willkommen, so Bürgermeister Kopp. Augenblicklich sei die Frage, ob das grundsätzlich die richtige Richtung sei. Dies bejahten die Fraktionen mit einem einstimmigen Votum, gaben aber weitere Anregungen. Norbert Großklaus (Grüne) mahnte, Jugendliche und interkulturelles Engagement bei den Ehrungen nicht auszuschließen. Albert Glatt (CDU) warnte, niemanden zu vergessen. Eine Gala im Stil des Neujahrsempfang der Stadt sei für seine Fraktion wertvoller als die Vergünstigungen einer Ehrenamtskarte. Tobias Isenmann erklärte für die Freien Wähler, dass eine Gala schön, aber die Ehrenamtskarte wichtiger sei, weil die Leute dann das ganze Jahr etwas davon hätten. Er regte darüber hinaus ein Haus des Ehrenamtes mit nutzwertigen Beratungsfunktionen an. Auch das Bürgerbudget erklärte er zum Instrument, das die Teilhabe erhöhen könne. Martina Bregler (SPD) erinnerte daran, dass gerade die "stillen Helden" oft gar nicht in die Öffentlichkeit gezerrt werden wollten. Sie regte an, den Bund in die Pflicht zu nehmen, damit besonders verdiente Ehrenämtler sich Rentenpunkte anrechnen lassen könnten. Thomas Bauknecht (FDP) erklärte, dass andere Städte eine Ehrungsschwelle von 250 Ehrenamtsstunden pro Jahr hätten.