Eine trügerische Idylle

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Mi, 25. September 2019

Staufen

Galerie K in Staufen spürt mit zeitgenössischen Werken gegenwärtigen Problemen nach.

STAUFEN. Ernst ist das Leben, und heiter ist die Kunst? Ja, in weiten Teilen, aber nicht nur. Denn zu allen Zeiten sahen sich Kunstschaffende aller Couleur aufgerufen, die in ihrer jeweiligen Epoche als Probleme wahrgenommenen Zeichen ihrer Zeit kritisch aufzugreifen und sichtbar zu machen. In der zeitgenössischen Malerei gehören zu ihnen die zwei Künstler, deren Arbeiten als Auftakt der neuen Saison in der Galerie K zu Grunern zu sehen sind: David Stegmann und Johannes Mundinger.

Im Jahr 1982 geboren, in Freiburg der eine, in Offenburg der andere, gehören sie zu der Generation, die sich einer außergewöhnlichen Herausforderung gegenübersieht: dem Klimawandel und seinen unabsehbaren Folgen für oder gegen den Fortbestand der Erde. Dieser Thematik stellen sie sich – jeder auf seine Weise. Vor rund 20 Jahren begannen sie etwa zeitgleich damit, sich in der sogenannten "Streetart" auszuprobieren, die sich ja in letzter Zeit zu einer anerkannten Kunstform entwickelt hat. In ihrer Eröffnungsrede formulierte die Kunsthistorikerin Antje Lechleiter es so: "Schließlich ist diese Kunst auch eine Form des Protestes gegen eine vorbestimmte und aufgezwungene urbane Welt. Insofern bieten sogenannte ‚Murals‘ die Möglichkeit, aktiv an einem städtischen Veränderungsprozess teilzunehmen." Die Ausdrucksformen haben sich mit der Fortentwicklung der Problematik gewandelt, die Grundhaltung ist geblieben.

Wer bei den Titeln "Schwazwaldstille" und "Waldzeit", die der in Staufen lebende David Stegmann seinen Bildserien gibt, Idylle, Flucht in die Natur und damit heile Welt erwartet, sieht sich bald getäuscht und je nach Einstellung angenehm überrascht. Denn hier reflektiert einer mit den Mitteln der Malerei über das gestörte Verhältnis zwischen Mensch und Natur, interpretiert die klassische Landschaftsmalerei neu.

Den Charme der zarten Andeutung entdeckt

Dabei nimmt er, hat Lechleiter herausgefunden, gern Bezug auf Klassiker wie Hieronymus Bosch oder Caspar David Friedrich, macht aber auch unzweideutig klar, dass ihm nichts ferner liegt als eine wie auch immer geartete romantische Verklärung seines Sujets. Die Stille in seinem Schwarzwald ist eine trügerische, den Betrachter beschleicht die leise Ahnung, dass die Idylle früher oder später zerstört werden könnte. Und in den großformatigen Bildern im Obergeschoss der Galerie ist diese Katastrophe bereits in vollem Gange. David Stegmann hat damit einen Stil gefunden, der seinen Ursprung in der Streetart nicht verleugnet, jedoch in anderer Form, nämlich als gerahmtes Bild, fortsetzt.

Nicht ganz so weit von seinen Wurzeln entfernt hat sich Johannes Mundinger, der nach wie vor, wie er uns versicherte, seine Ideen in Außenbereichen, etwa an großflächigen Hauswänden, Gestalt annehmen lässt. Mittlerweile lebt er in Berlin, wo er wie zahlreiche Malerkollegen auf die zeitlich begrenzte Nutzung von leerstehenden Studios angewiesen ist. Darauf bezieht sich der Titel des Werks "Zwischennutzung", das sich vom herkömmlichen Rechteck weit entfernt mit seinen sich überlappenden und in alle Richtungen ausufernden Flächen und die größte Wand der Galerie einnimmt.

Mundingers Experimentierfreudigkeit beweisen aber auch die kleinformatigen Hinterglasbilder, die sich auf der Galerie aneinanderreihen. Da hat einer den Charme der zarten Andeutung entdeckt, die sich durch die Reihenfolge im Auftrag der Farben ergibt, aber auch durch die Möglichkeit, bereits Aufgetragenes wieder zu entfernen. Durch diese Technik wird zuweilen eine Brüchigkeit visualisiert, die nichts dauerhaft bestehen lässt und so nichts Geringeres als die Vergänglichkeit des Irdischen thematisiert.

Ausstellung "Stegmann Mundinger". Galerie K, Ballrechter Straße 19, Staufen-Grunern. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen, 15 bis 18 Uhr. Bis 17. November 2019.