Lupenreine Klänge lassen aufhorchen

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Di, 21. Mai 2019

Staufen

Can-Tanten mit spannungsreichem Konzert in Wettelbrunn.

STAUFEN-WETTELBRUNN. Mit einem Kammerkonzert unter dem Motto "Raritäten der Romantik" begeisterte der Frauenchor Can-Tanten unter der Leitung von Bezirkskantorin Karin Karle die Hörer im Bürgersaal. Auf dem Programm standen Werke für Chor, Harfe und Hörner von Johannes Brahms, Josef Rheinberger und Gustav Holst. Die Harfenistin Julia Weissbarth sowie Hannah Rottmayer und Gabriel Berg am Horn bereicherten das Konzert mit ihren Solodarbietungen und der subtilen Begleitung des Chores.

Mit Gustav Holsts "Two Eastern Pictures" machten Chor und Harfe den Auftakt. Die anmutigen und geheimnisvollen Stimmungsbilder "Spring" und "Summer" waren der Beginn einer Reihe romantischer Interpretationen, welche die Ästhetik von nahezu gregorianischer Reinheit im vokalen Bereich und die wundervolle Sanftmut der Harfe eindrucksvoll unter Beweis stellten. Der Vortrag von drei Liedern für Chor und Harfe aus einer weiteren fernöstlich inspirierten Komposition von Gustav Holst, "Choral Hymns from the Rig Veda", erwies sich als nicht weniger effektvoll. Dabei wurden Kontraste zwischen mystischen, lebhaften und mitreißenden Klangbildern in kongenialem Duktus gestaltet.

Das Naturstimmungsbild "Der Gebirgsbach" von Josef Rheinberger, der andächtig zelebrierte Hymnus "Mondnacht" von Alexis Hollaender und Johannes Brahms sehnsuchtsvoll präsentiertes Liebelied "Gang zur Liebsten" waren lupenreine A-cappella-Vorträge, die aufhorchen ließen. Die exzellente A-capella-Disziplin der Can-Tanten wurde auch deutlich beim Vortrag "Im Walde" von Hollaender und Rheinbergers mit sakralem Gespür dargebotenem Abendlied "Gute Nacht". Dirigentin Karle und der Chor bildeten eine unverbrüchliche Einheit, und der Spannungsbogen der Lieder riss nicht einen Moment ab.

Die virtuosen Solodarbietungen von Julia Weissbarth auf der Harfe waren atemberaubend. Das zarte Klanggewebe der "Serenade mélancolique" von Alphonse Hasselmans war nicht nur technisch feinsinnig ausgesponnen, sondern auch spannend interpretiert. John Thomas" "The Minstrels Adieu to his Native Land" entführte die Hörer mit wehmütigen Klängen und rasanten Läufen in eine effektvolle Welt sich steigernder Gegensätze.

Von ganz anderer Klangqualität war das "Duett für zwei Hörner" von Peter Rasmussen. Hannah Rottmayer und Gabriel Berg inszenierten das vitale Stück als pure musikalische Waldeslust mit herrlichen Kantilenen – ein überzeugendes Duo.

Beim Konzertfinale der "Vier Gesänge" von Johannes Brahms dann unter Karin Karles souveräner Leitung mit Gesang, Harfen- und Hörnerklang die unterschiedlichen Stimmungsbilder: Lyrische, volksliedhafte und sagenumwobene Texte wurden hier in einem Klanggemälde vereint, das an Ausdruck, Intonationsreinheit und gestalterischer Raffinesse nicht zu wünschen übrigließ. Gut gewählt war dann auch die mit heftigem Beifall geforderte Zugabe "Abend will es wieder werden". Ein Konzert, das romantische Lyrik, eingekleidet in musikalischen Zauber, auf geniale Weise vereinte.