STILFRAGE: Mag nicht – gibt’s doch

Elisabeth Bonneau

Von Elisabeth Bonneau

Sa, 14. März 2020

Stilfrage

Wir hatten Gäste eingeladen, und die gaben uns im Vorfeld bekannt, was sie essen und was nicht. Ist das nicht etwas keck?

Es gab eine Zeit, da war man froh, wenn man anderswo etwas Feines serviert bekam. Das war einmal. Heute isst nicht jede und jeder alles.

Gesundheitlich bedingte Einschränkungen – Allergien, Diabetes, Alkoholkrankheit – hat es immer gegeben, religiöse Gründe – wie das Verbot von Schweinefleisch – ebenso. Häufig nahmen davon betroffene Personen der Einfachheit halber keine Einladungen zu Mahlzeiten in anderen (Ess-)Kulturkreisen an und servierten selbst nur das, was sie persönlich verzehren durften. Heute teilen die "Anders-Esser" selbstbewusst mit, was sie essen und was nicht, manchmal drücken sie dem Hobby-Koch oder im Restaurant der Kellnerin eine Liste in die Hand mit dem, was geht und was nicht. Ich sehe es geradezu als Pflicht des Gastes, Gastgebern beim Annehmen einer Einladung reinen Wein einzuschenken.

Was aber, wenn es nicht um Gesundheit und Überzeugung geht, sondern "nur" um Vorlieben? Sie können sich natürlich auf den Standpunkt stellen "Mag nicht – gibt’s nicht". Doch was haben Sie davon, wenn die Leute Ihr Verwöhnprogramm als Zumutung empfinden und lustlos in Ihren liebevoll zubereiteten Kreationen herumstochern? Ist es da nicht besser, Sie stellen langfristig sicher, dass Ihre Gäste Ihr Essen genießen werden?

Machen Sie sich das Leben leichter und Ihren Gästen auch. Bereiten Sie ein variantenreiches Buffet vor oder eine Reihe Tapas: jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wollen Sie lieber ein Menü bieten? Fragen Sie Ihre Gäste im Vorfeld, ob Sie sie damit glücklich machen werden. Oder fragen Sie sie, was sie generell gern essen und was nicht – je nachdem, welche Liste kürzer ist. Sind Sie kulinarisch sehr versiert, lassen Sie alles offen und sagen einfach "Wünscht euch was!"

Die Autorin ist Kommunikationstrainerin
und lebt in Freiburg.