Konzert

Straßenmusiker Crack Cole spricht über den Blues und sein Banjo

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Mo, 11. März 2019 um 12:27 Uhr

Der gute Ton (fudder)

Mit Banjo und Mundharmonika spielt der Musiker Crack Cole Konzerte und als Straßenmusiker in Freiburg. Mit fudder sprach er über Hinterwäldler und den Klang seines Zupfinstrumentes. An diesem Montag spielt er im Amara.

Wie würdest du deinen musikalischen Ansatz beschreiben?

Ich liebe akustische, handgemachte, ehrliche Musik und versuche technischen Firlefanz wegzulassen. Dadurch kann ich überall spielen. Ich muss bei schönem Wetter weder im Proberaum sitzen, noch bin ich auf eine Band angewiesen. Neben dem Banjo spielt mittlerweile auch die Harmonika eine tragende Rolle in meiner Musik.

Wie kamst du auf das Banjo?

Früher habe ich in Black- und Thrash-Metal-Bands Gitarre und Bass gespielt und gesungen. Irgendwann kam ich mit Blues, Country und Folk in Berührung. Das Banjo weckte erstmals 2014 bei einem Konzert des schweizerischen Duos Anaheim mein Interesse. Danach musste ich mir unbedingt auch eins besorgen. Wirklich genutzt habe ich es anfangs aber nicht, da ich noch zu sehr in meine Resonanzgitarre verliebt war. Intensiv spiele ich das Banjo erst seit einem Jahr. Für eine zweimonatige Radreise durch Neuseeland wäre eine Resonanzgitarre zu schwer gewesen, deshalb habe ich es eingepackt und bin seitdem drangeblieben.



Was hast du mit dem Instrument in Neuseeland erlebt?

In Neuseeland herrscht eine viel größere Wertschätzung für Straßenmusik. Immer, wenn ich einen anderen Musiker traf, haben wir zusammen gespielt. In Kneipen hieß es häufig, dass ich für ein Lied ein Bier bekomme. Über das Banjo hatte ich immer einen Anknüpfungspunkt mit den Einheimischen.

Was verbindest du mit dem Klang?

Der rohe, staubige Sound des Banjos begeistert mich. Das Instrument klingt für mich nach Freiheit. Ich spiele mit dem "Hillbilly"-Begriff, weil ich ursprünglich aus einem Dorf in einem abgeschiedenen Tal komme und mit dem Klang auch eine gewisse Einfachheit verbinde.

Hillbilly kann man mit Hinterwäldler übersetzen – das ist kein unbedingt positiver Begriff?

Ich habe den Begriff bewusst gewählt, um mich von diesem technischen Gedanken zu lösen. Ich könnte auch Techno machen oder Beats basteln, möchte dem aber etwas Simples, Ehrliches entgegenstellen. Das Banjo verkörpert für mich Nostalgie. Was mich beispielsweise auch stark beeinflusst hat, ist die Straßenmusik aus New Orleans. Da spüre ich das Ungeschliffene und die rohe Energie der akustischen Musik.

Du bist in Freiburg selbst als Straßenmusiker aktiv?

Straßenmusik mache ich fast noch lieber als Konzerte, weil ich dabei mit verschiedensten Leuten in Berührung komme. Außerdem bin ich da zeitlich flexibler. Am liebsten spiele ich in der Dreherstraße bei der Galeria Kaufhof. Dort ist die Akustik schön und die Stimmung nicht so gehetzt wie an anderen Standorten.



Hast du dabei schon negative Erfahrungen gemacht?

Ein Café-Besitzer hat mich einmal mit deutlichen Worten verscheucht. Außerdem hat mich auch mal ein Musikerpärchen vertrieben, das es auf meinen Platz abgesehen hatte. Es wurden mir Schläge angedroht. Die waren in der Überzahl, deshalb machte ich mich lieber aus dem Staub (lacht).

In deinen Texten beschäftigst du dich mit ernsten Themen?

Für Blödelmusik wäre ich der Falsche. Zum Beispiel habe ich für den "Mary Jane Blues" den "Cocaine Blues" umgetextet. "Her Man" habe ich für meine Freundin geschrieben, um ihr zu zeigen, wie sehr ich sie schätze und was ich für sie empfinde. Mir müssen die Inhalte wichtig sein.

Du machst persönliche Musik über dich und dein Leben – wäre es da nicht angebracht unter dem echten Namen aufzutreten?

Auch wenn Crack Cole authentisch ist, ist es in gewisser Weise eine Kunstperson. "Crack" hat nichts mit der Droge zu tun, sondern steht für "durchgeknallt". "Cole" habe ich gewählt, weil ich einen kraftvollen Vornamen wollte. Crack Cole hat einen Wiedererkennungswert und passt zur englischsprachigen Musik besser als mein bürgerlicher Name.



Was erwartet die Leute auf einem Konzert von Crack Cole?

Mit meinem Banjo brauche ich keine große Rockbühne, da können es auch 20, 30 Gäste sein. Bei dieser Intimität fällt es mir leichter, Kontakt zum Publikum aufzubauen. Zuletzt habe ich ein Wohnzimmerkonzert gegeben, das sehr viel Spaß gemacht hat. Bei den nächsten Konzerten werden mich auch Mitmusiker unterstützen, was für mich sehr bereichernd ist.
Crack Cole heißt eigentlich Sascha Künstle, ist 35 Jahre jung, lebt in Freiburg, kommt ursprünglich aus dem Umland und arbeitet als Gruppenleiter in der Caritaswerkstätte St. Georg.

Crack Cole: YouTube & Soundcloud
Bevorstehende Konzerte

  • 11.3., 17 Uhr, Amara, An der Mehlwaage 2, Freiburg
  • 23.3. Schlosskeller, Emmendingen
  • 30.3. Wagenplatz Schattenparker, Freiburg
  • 5.4. Internationale Musikkneipe im Mehrgenerationenhaus, Freiburg-Weingarten
  • 27.4. Bikefestival im Hausbiergarten Ganter, Freiburg