Streit im Hause Assad

Karim El-Gawhary

Von Karim El-Gawhary

Fr, 22. Mai 2020

Ausland

Rami Makhlouf, Cousin der syrischen Diktators Bashar al-Assad, soll offenbar aus dem inneren Zirkel der Macht gedrängt werden / Er wehrt sich via Facebook.

Es ist ein Streit, der für einen Moment einen Einblick gibt in die geheimnisumwobene Welt des syrischen Regimes. Es geht um Rami Makhlouf, den milliardenschweren Cousin der syrischen Diktators Bashar al-Assad. Seit Jahrzehnten stellt er für viele Syrer den Inbegriff der Korruption dar. Geld aus seinen Geschäften hat auch die Kriegsmaschinerie des Regimes geschmiert, weshalb die USA und die EU ihn auf die Sanktionsliste setzten. Doch nun ist Makhlouf in Ungnade gefallen. Diese Woche haben die syrischen Behörden verkündet, das Guthaben des Milliardärs und sowie das seiner Frau und seiner Kinder zu beschlagnahmen. Auch wird er für fünf Jahre aus staatlichen Verträgen ausgeschlossen. Makhlouf bezeichnete das in einem Facebook-Post als illegal.

Es ist der Höhepunkt in einer Familiensaga, die den inneren Zirkel des syrischen Regimes vor eine Zerreißprobe stellt. Zunächst fand sie im Verborgenen statt. Makhlouf wurde unter Druck gesetzt, seinen Goldesel, den größten syrischen Handyanbieter Syriatel, aufzugeben. Dagegen setzte er sich via Facebook zur Wehr. Die letzte von drei Videobotschaften wurde am Sonntag veröffentlicht. Darin spricht der reichste Geschäftsmann Syriens mit sanfter, Bescheidenheit heuchelnder Stimme: "Meine Firma ist eine der erfolgreichsten Firmen in Syrien und vielleicht sogar der gesamten arabischen Welt. Es ist ein Sünde, diese zu ruinieren."

Zudem beschwert er sich über die Verhaftung einiger seiner Manager durch syrische Sicherheitskräfte. "Eure Methoden schüchtern die Angestellten ein, einige haben Angst andere wollen nicht mehr zur Arbeit kommen", sagt er und verbindet offen sein Schicksal mit dem der Ökonomie seine Landes: "Das ist eine Katastrophe für die gesamte syrische Wirtschaft", so Makhlouf.

Doch es half nichts. Zwei Tage nach der Veröffentlichung des Videos wurde die Beschlagnahmung seines Vermögens verkündet. In einem Brief des syrischen Finanzministeriums hieß es, die Regierung wolle sich Garantien sichern, dass Makhlouf die Steuern bezahlt, die er dem Staat aus seinen Geschäften mit Syriatel schulde – dabei gehe es um mehr als 230 Milliarden Syrische Pfund, das sind heute umgerechnet 120 Millionen Euro.

Es gibt mehrere Theorien, was hinter dem Machtkampf steckt. In Syrien herrschte bisher eine Art Triumvirat aus dem Präsidenten Bashar al-Assad, seinem Cousin Rami Makhlouf, der sich um die Finanzen kümmerte, und al-Assads Bruder Maher, der eine Eliteeinheit der Armee befehligt und selbst ein Geschäftskonglomerat sein Eigen nennt. Nun, heißt es, will der Präsidenten-Bruder den Präsidenten-Cousin aus dem inneren Zirkel drängen. Wobei er die Zustimmung des Präsidenten habe. In einer anderen Theorie heißt es, der Ausschluss Makhloufs erfolge auf Wunsch des Kremls. Russland, ohne dessen militärische Unterstützung das Assad-Regime nicht mehr am Leben wäre, sähe die Korruption und Zurschaustellung des Reichtums der Familie Makhlouf als Belastung in einem Land, in dem laut UN-Angaben 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

In seinem letzten Video am Sonntag erklärt Rami Makhlouf, dass er zugestimmt habe, die ausstehenden Steuern zu bezahlen. In einem Brief, datiert vom 10. Mai, beteuert er, dass seine Firma sofort bereit sei, die erste Rate zu überweisen. Seine Anteile an Syriatel wollte er aber nicht abgeben. "Wer immer glaubt, dass ich mich unter diesen Umstände zurückziehe, der kennt mich nicht", hatte er verkündet, bevor sein Vermögen beschlagnahmt wurde. Nun wartet alles auf die nächsten Folgen der al-Assad-Telenovela.