NSU-Prozess

Heilbronner Polizistenmord: Der letzte Zeuge

Rüdiger Bäßler

Von Rüdiger Bäßler

Di, 03. September 2013 um 08:31 Uhr

Südwest

Er hat das Attentat von Heilbronn überlebt. Seine Kollegin Michèle Kiesewetter starb. Der Polizeibeamte Martin A. wurde bisher abgeschirmt. Doch jetzt muss er im NSU-Prozess aussagen.

Womöglich hat ihm, als der Schuss fiel, eine instinktive Kopfbewegung das Leben gerettet. Die Pistolenkugel durchschlägt den Kopf des Martin A. an der Seite, in der Nähe des rechten Ohrs. Der 24-jährige Streifenbeamte wird schwer verletzt. Seine Kollegin Michèle Kiesewetter, 22, überlebt den Mordanschlag auf der Heilbronner Theresienwiese nicht. Die Beamten machen, im Streifenwagen sitzend, am Rand des Festplatzes wohl Mittagspause, als sie kurz nach 14 Uhr von hinten überfallen werden. Es ist der 25. April 2007.

Die am nächsten Tag herausgegebene interne WE-Meldung der Polizeidirektion Heilbronn (WE steht für "Wichtiges Ereignis") vermerkt, dass den Beamten die Dienstwaffen geraubt wurden. Von Michèle Kiesewetter fehlen zudem ein Ersatzmagazin, die Handschließe und ein Pfefferspray. "Staatsschutzdelikt: Nein", urteilt die Heilbronner Polizei in diesem ersten Protokoll, eine Fehleinschätzung, die von den Ermittlungsbehörden fatalerweise noch lange verteidigt werden wird.

Kein glückliches Ende
Die Überlebenskraft des Polizeibeamten Martin A. könnte rückblickend Stoff für eine Heldengeschichte sein. Ärzte retten ihn, er erholt sich von der schweren Verletzung, bewältigt nach und nach das Trauma des Attentats, rappelt sich während einer langen Rehabilitation wieder auf, absolviert eine Weiterbildung zum Kommissar und kehrt zurück in den Polizeidienst. Er ist intern eingesetzt, muss nicht wieder hinaus ins Feld, aber wer weiß, vielleicht will und schafft er das eines Tages auch wieder.

Leider ist dieser Mutmachergeschichte das glückliche Ende abhandengekommen. Seit dem 4. November 2011, dem Tag, als die NSU-Terroristen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe aufflogen, geht es Martin A. ...

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