Reportage

In Abwicklung - das Ende der Papierfabrik Albbruck

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 19. Januar 2012 um 08:25 Uhr

Südwest

Es ist ein Einschnitt, der sich vielfach auswirkt: In Albbruck schließt nach 140 Jahren die Papierfabrik. Die Gemeinde verliert ihren Mittelpunkt, die Menschen ein Stück Heimat - und Ehre.

Zusammen bringen sie es auf 127 Jahre Betriebszugehörigkeit. Seit 44, 43 und 40 Jahren gehen Karl Mutter, Carmelo Cucuzza und Erich Wölbel Tag für Tag vorbei am längst nicht mehr besetzten Pförtnerhäuschen der Papierfabrik in Albbruck und machen sich ans Werk. Am Dienstag haben sie erfahren, dass noch am gleichen Tag die Maschinen heruntergefahren werden. Um 19 Uhr endete eine Epoche. Bis Ende Januar wird noch aufgeräumt. Sie müssen noch antreten, auch wenn es nichts mehr zu tun gibt. 127 Jahre, das sind drei Menschenleben – und es kommt der Lebenszeit der Fabrik sehr nahe.

Die drei sitzen zusammen in der "Börse", einem Lokal neben dem Rathaus der Gemeinde Albbruck und reden über ihre Zeit in der Papierfabrik. Carmelo Cucuzza hat eine Woche vor seinem 18. Geburtstag im September 1968 angefangen, sein Vater hat dort gearbeitet und sein älterer Bruder ebenso. Der Vater war aus Sizilien an den Hochrhein gekommen und hatte nach und nach seine Familie nachgeholt. "Es gab eine kurze Zeit, da wurde eine Maschine nur von Italienern bedient", sagt Cucuzza. Eine Maschine in einer Papierfabrik darf man sich nicht wie einen Wäschetrockner oder einen Kaffeeautomaten vorstellen, sondern eher wie eine Fabrik in der Fabrik. Die Papierfabrik hatte selbst in ihren besten Tagen nur drei Maschinen in Betrieb, mit ihnen wurden pro Jahr 320 000 Tonnen Papier produziert. "An der Maschine 5 waren wir einmal 175 Italiener" – er stellt es fest ohne zu sagen, ob er das bedauert oder sich danach zurücksehnt. Die beiden anderen nicken ein "Ja-so-war-das" hinterher.

Und heute? Dass Maschine 7, 1971 in Betrieb genommen und damit die modernste der Anlagen, nicht mehr läuft, ist für Außenstehende ...

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