Plastik im Abwasser und Rotwein in der Soße

Moritz Neufeld

Von Moritz Neufeld

So, 17. Februar 2019

Südwest

Der Sonntag Die Regionalsieger von Jugend forscht zeigen besondere Kreativität beim Thema Nachhaltigkeit.

Bei "Jugend forscht" und "Schüler experimentieren" dominierte ein Thema: die Suche nach mehr Umweltfreundlichkeit im Alltag. Doch auch Experimente mit Rotweinsauce und ein solarbetriebener kühlender Sonnenschirm waren zu bestaunen.

"Was schätzen Sie, wie viele Mikroplastik-Fasern sind im Abwasser eines Waschgangs der Waschmaschine?" Mit dieser Frage bringt Nikolas Kassubek den Reporter direkt mal ins Schwitzen. Die Antwort: um ein Vielfaches mehr als getippt, nämlich über eine Million Fasern. Kassubek und sein Schulkollege Leander Schöberl vom Georg-Büchner-Gymnasium in Rheinfelden haben sich die Frage gestellt, wie man verhindern kann, dass Mikroplastik aus der Waschmaschine ins Abwasser gerät.

Auf die Idee kamen sie, als sie den heimischen Trockner leeren und den üblichen Staubbollen im Müll entsorgen mussten. Von dort war der gedankliche Schritt zur Waschmaschine nicht weit – und die Frage, wo die vielen Fasern denn eigentlich am Ende landen. Der nächste Schritt: Die beiden probierten verschiedene Filter aus, um die Plastikfasern abzufangen, bevor sie ins Abwasser gelangen. Mit unterschiedlichen Materialien experimentierten die beiden, bis sie sich schließlich für eine Lösung mit zwei Filtern entschieden – einem fürs Grobe und einem fürs Feine.

Für ihre Forschung sind die beiden mit dem südbadischen Regionalpreis "Schüler experimentieren" ausgezeichnet worden. Dafür gibt’s ein Preisgeld und eine Einladung zum Landesfinale in Fellbach Ende März. Was sie mit dem Geld machen wollen, wissen die beiden schon: "Wir wollen Material kaufen, um zu testen, ob man mehrere Filter auf einem kleinen Rad in die Waschmaschine einbauen kann", so Kassubek. Denn das Problem bei ihrem Projekt ist bisher, dass ein einzelner Filter nicht ausreicht, um die gesamte Menge an Mikrofasern eines Waschgangs abzufangen.

Nicht nur die beiden Jungs aus Rheinfelden, auch viele andere Teilnehmer der Wettbewerbe "Jugend forscht" und "Schüler experimentieren", die am vergangenen Freitag ihre Resultate in der Freiburger Sick-Arena präsentierten, hatten sich des Themas Nachhaltigkeit angenommen: Eine Gruppe der Freiburger Staudingerschule suchte nach neuen Wegen zur Energiegewinnung durch Wasserstoff, und drei Jungs von der Schliengener Hebelschule untersuchten eine oft unterschätzte Quelle von Mikroplastik in der Natur, den Abrieb von Autoreifen.

Ein an weihnachtliche Essgelage erinnernder Geruch zieht vom Stand zweier Schülerinnen aus Kirchzarten durch die Messehalle. Die beiden können erklären, was die Verfärbung von Cerammoniumnitrat über Bratensauce verrät: "Kocht man mit Alkohol, ist selbst nach einer Stunde auf dem Herd noch Ethanol nachweisbar. Zwar nur 0,1 Prozent, aber das ist immer noch genug, um bei Alkoholikern Rückfälle auszulösen," erklärt Luca Amelie Hug vom Marie-Curie-Gymnasium in Kirchzarten, während neben ihr ein Topf mit dampfender Sauce köchelt. Mit Rotwein zu kochen sei also keinesfalls unbedenklich für trockene Alkoholiker. Um das herauszufinden, mussten Hug und ihre Schulkameradin Maren Fruttiger ein wenig tricksen: Da sie zum Nachweis des Alkohols besagtes Cerammoniumnitrat verwendeten und dessen Färbung untersuchten, konnten sie nicht mit brauner Bratensauce arbeiten. "Wir haben die Verdünnung mit einer klaren Lösung nachgestellt – das Verhältnis haben wir uns aus Kochrezepten geholt", berichtet Fruttiger.

Für ihr Projekt sind die beiden Kirchzartenerinnen mit dem Regionalpreis in der Kategorie Chemie ausgezeichnet worden. Wer sich südbadischer Regionalsieger nennen darf, hat besonderen Grund, stolz zu sein: "Wir sind der größte Regionalwettbewerb im Land, die Konkurrenz in Südbaden ist also am größten", erzählt Benita Eberhardt-Lange. Sie ist Bio- und Chemielehrerin am Freiburger Friedrich-Gymnasium und stellte als Wettbewerbsleiterin die Jury für Südbaden zusammen: Lehrer, Wissenschaftler und Vertreter der Industrie beurteilen die Projekte jeweils aus ihren Perspektiven. 104 Projekte gingen in diesem Jahr in Südbaden an den Start – das ist eine Rekordzahl. 37 Prozent der knapp 200 Teilnehmer sind Mädchen.

"Bei so vielen Teilnehmern ist uns die Auswahl schwergefallen", sagt Eberhardt-Lange. Sie freut sich besonders über die vielen Projekte zum Thema Nachhaltigkeit: "Ich finde es toll, dass die Schüler nicht nur für Umweltschutz demonstrieren, sondern auch selber nach Lösungen suchen."