Aufwärtstrend

Der Umwelt in Baden-Württemberg geht es vergleichsweise gut

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Di, 19. März 2019 um 12:31 Uhr

Südwest

Der Zustand der Umwelt lässt sich in Zahlen festhalten. In Baden-Württemberg zeigt der Trend nach oben. Weil aber wieder mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, verfehlt die Regierung ihre Klimaziele.

Längst ist nicht alles gut mit der Umwelt im Land, aber deren Zustand ist bei verschiedenen Indikatoren besser als ihr Ruf und vor allem deutlich besser als in der Vergangenheit. Das zeigen Daten der Landesanstalt für Umwelt und Messungen (LUBW). Ausnahmen sind das Klima und die Inanspruchnahme von Flächen.

Der Zustand der Umwelt lässt sich zumindest in Teilen in Zahlen festhalten, die LUBW und das statistische Landesamt haben die aktuellen Daten zusammengefasst. Signifikant zum Beispiel: In Baden-Württemberg ist dank einer seit 1991 um 48 Prozent höheren Energieproduktivität die Wirtschaft kräftig gewachsen, zugleich aber der Primärenergieverbrauch leicht von 1,51 Millionen Terajoule auf 1,44 Millionen Terajoule zurückgegangen. Der Rückgang betrifft nicht nur die Industrie, sondern auch die privaten Haushalte.

Strombedarf pro Kopf in Baden-Württemberg gesunken

Gestiegen ist dagegen der Stromverbrauch im Land. Dies aber allein durch den Anstieg der Einwohnerzahl von 9,9 auf 11 Millionen (2017). Denn der Strombedarf pro Kopf ist von 1690 auf 1508 Kilowattstunden gesunken. Mehr Wohlstand bedeutet nicht zwangsläufig höheren Energieverbrauch. Dieser Strom stammt inzwischen zu fast 30 Prozent aus Wasserkraft, Wind oder Fotovoltaik. "Dieser deutliche Zuwachs ist ein großer Schritt, aber noch nicht das Ziel", erklärt Eva Bell, Präsidentin der LUBW. Laut Klimaschutzgesetz des Landes sollen bis Ende des Jahres 2020 rund 36 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien bezogen werden. Bell sieht Baden-Württemberg "auf einem guten Weg".



Was für die Energie gilt, gilt auch für den Verbrauch an Rohstoffen, auch hier hat die Produktivität um 66 Prozent zugelegt, sodass mit 18 Prozent weniger Rohstoffen 40 Prozent mehr Güter und Dienstleistungen erzeugt wurden.

Die Feinstaub- und Stickoxidbelastungen der Luft sinken

Und selbst bei der Betrachtung der viel diskutierten Luftschadstoffe zeigt sich, dass die Richtung stimmt: Die Belastung der Luft mit Feinstaub sinkt ebenso wie die mit Stickoxiden. Bei letztgenannten Werten ist der sogenannte ländliche Hintergrund, also die allgemeine Belastung auch der sauberen Luft, konstant. Die städtische Hintergrundbelastung geht ganz leicht zurück. Deutlich nach unten zeigt die Tendenz an den hoch belasteten, verkehrsreichen Punkten in den Städten. Die Jahresmittelwerte nähern sich den viel diskutierten Grenzwerten – auch wenn sie an vielen Messstellen bekanntermaßen weiterhin darüber liegen.

Für die Berechnung der Klimawirkung werden die Emissionen an Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid gewichtet nach ihrer Klimaschädlichkeit zusammengefasst. Der Ausstoß dieser Treibhausgase hat seit 1991 und bis 2016 abgenommen, das gilt bezogen auf die Einwohnerzahl wie auch in absoluten Zahlen. Allerdings wurde in den beiden Jahren 2015 und 2016 ein Anstieg verzeichnet, nicht zuletzt im Verkehrssektor (plus 11 Prozent). Verantwortlich hierfür ist in erster Linie der wachsende Güterverkehr.

Landesregierung: Klimaziele bis 2020 werden nicht erreicht

"Mit knapp 78,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten lagen die Treibhausgasemissionen im Land im Jahr 2016 um gut 12 Prozent unter dem Niveau von 1990", äußert sich die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, in einer Mitteilung. Mit rund 30 Prozent machen die verkehrsbedingten Emissionen auch im Jahr 2016 den Großteil der Treibhausgasemissionen aus. Die Landesregierung räumt daher ein, ihre Klimaziele bis 2020 nicht erreichen zu können, wie es in dem Bericht heißt.

Just beim Klima warten große Aufgaben. Denn 2018 war im Land mit einer Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad das zweite seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881, bei dem die Jahrestemperatur zweistellig war. Erstmals war diese Grenze 2014 mit 10,2 Grad überschritten worden. Zugleich war das Jahr 2018 geprägt durch eine außergewöhnliche Trockenheit von 370 Liter pro Quadratmeter in der Vegetationsperiode – der zweitniedrigste jemals gemessene Wert.

Am Montag kündigten daher Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) einen "Masterplan Wasserversorgung" an. Angesichts des Klimawandels sei es nötig, die Wasserreserven besser zu überwachen und einzusetzen. "Wenn wir weiterhin so selbstverständlich Wasser flächendeckend bereitstellen und nutzen wolle, müssen wir den künftigen Bedarf und die Entwicklung der Wassermenge vor dem Hintergrund des Klimawandels abgleichen", erklärte Untersteller in Stuttgart.

Das Wasser ist sauberer geworden

Fünf Jahre Zeit werde die Erarbeitung des Masterplanes beanspruchen, die Landkreise müssen sich mit rund 100 000 Euro beteiligen. Am Ende sollen spezifische Handlungsempfehlungen für die Kommunen stehen.

Wobei: Auch der Wasserverbrauch ging laut LUBW-Daten nach unten, und zwar um rund 40 Prozent. Die Industrie braucht heute sogar nur noch halb so viel Wasser wie 1991.

Auch der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung ist von 140 Liter pro Tag auf 119 zurückgegangen. Und zudem ist das Wasser sauberer geworden: Im Jahr 2014 wiesen 93 Prozent der Wasserproben aus Bächen und Flüssen biologisch die Qualitätsstufen "gut" oder "sehr gut" auf. 1991 schafften dies nur 67 Prozent der Proben. Gesunken ist auch die Nitratbelastung, sowohl der Mittelwert wie auch die gemessenen Spitzenwerte.

Eine Trendwende zum Negativen gibt es bei der Inanspruchnahme von Fläche für den Siedlungsbau. 1996 waren 12,7 Prozent des Landes bebaut, 2017 waren es 14,6 Prozent. Vor allem hat sich der Flächenverbrauch pro Tag von 3,5 im Jahr 2016 auf 7,9 Hektar mehr als verdoppelt. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre verschwanden jeden Tag 5,5 Hektar unter Pflastersteinen, Beton oder Asphalt. Um die Jahrtausendwende freilich war der Bedarf doppelt so hoch.

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