Buback-Mord

Verena Becker bricht ihr Schweigen: "Ich war nicht dabei."

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Di, 15. Mai 2012

Südwest

Ehemalige RAF-Terroristin macht am 89. Prozesstag Aussage.

Nach 21 Minuten kommt das Schweigen zurück. Für 21 Minuten hat Verena Becker an diesem Verhandlungstag, es ist der neunundachtzigste, ihre Sonnenbrille abgelegt, als wolle sie ihr wahres Gesicht zeigen. Eigens für diesen Augenblick waren zusätzliche Stühle in den viel zu kleinen Verhandlungssaal des Oberlandesgerichts Stuttgart getragen worden, und dennoch bleibt eine Traube aus Zuschauern und Medienvertretern draußen stehen. Alle wollen hören, was Verena Becker zu sagen hat nach mehr als eineinhalb Jahren eines quälenden Verfahrens.

Nach 21 Minuten blickt der Vorsitzende in lauter fragende Gesichter. Verena Becker, früher Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF), steht wegen Beihilfe an der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback im April 1977 vor Gericht. Voraussichtlich ist es der letzte große Prozess gegen RAF-Mitglieder – ein von Erwartungen vielleicht überladener Prozess. Denn die Hoffnung steht im Raum, 35 Jahre nach den Mordanschlägen auf Buback, den Bankier Jürgen Ponto und den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, 35 Jahre nach dem deutschen Herbst, endlich etwas mehr Klarheit zu bekommen, endlich ein Stück mehr Wahrheit zu erfahren. Im Idealfall: die ganze Wahrheit.

Für all die, die dies gehofft haben, ist die Erklärung Verena Beckers ernüchternd, eine Enttäuschung. Becker hat nicht gesagt, wer am 7. April 1977, einem Gründonnerstag, in Karlsruhe den Generalbundesanwalt erschoss. "Ich war nicht dabei", sagt die kleine, schmächtige Frau. Wie fast immer trägt sie einen dünnen, grauen Wollpullover über einer hellen Bluse. An ...

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